Jetzt entscheidet sich Timmys SchicksalWas wird aus Wal Timmy? Diese Szenarien entscheiden über Leben und Tod

Er ist unterwegs – doch ist er wirklich gerettet?
Buckelwahl Timmy ist aktuell zwischen Dänemark und Schweden unterwegs. Doch der schwerste Teil beginnt erst jetzt. Schafft er es zurück in die Freiheit? Oder endet die spektakuläre Rettung doch in einer Tragödie?
Rückblick: Wochen voller Drama, Zweifel und Hoffnung
Seit Dienstagabend (28. April) wird der zwölf Tonnen schwere Buckelwal in einer Barge durch die Ostsee gezogen. Inzwischen ist er vor Dänemark angekommen. Ziel ist die Nordsee, vielleicht sogar der Atlantik. Doch selbst die Retter wissen: Das ist ein Experiment. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagt auf der Pressekonferenz am Mittwoch: „Es war ein Versuch und der Versuch ist geglückt.” Aber der entscheidende Moment kommt erst noch.
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Anfang März taucht der Buckelwal plötzlich in der Ostsee auf. Kurz darauf strandet er immer wieder, insgesamt gibt es fünf dokumentierte Strandungen – erst vor dem Timmendorfer Strand, dann in der Kirchsee vor der Insel Poel. Wochenlang liegt Timmy im flachen Wasser. Die Folgen sind dramatisch. „Das Tier lag 30 Tage lang teilweise auf seinen Organen. Das wird höchstwahrscheinlich schon Schäden hervorgerufen haben”, erklärt Meeresbiologin Lisa Klemens vom Deutschen Meeresmuseum im RTL-Interview. Außerdem leidet der Wal unter einer Hauterkrankung durch den geringen Salzgehalt der Ostsee, die blasenartige Wucherungen und ablösende Haut verursacht.

Trotz aller Zweifel gelingt am 28. April die spektakuläre Bergung: Timmy schwimmt selbst in die Barge, das schwimmende Spezialbecken. Doch wie kann es jetzt für ihn weitergehen?
Szenario 1: Tod nach der Freilassung
In der Nordsee soll sich die Barge öffnen und den Wal freilassen. Doch genau hier sehen Experten eine große Gefahr. „Wenn das Tier so geschwächt ist und man es einfach im offenen Wasser praktisch rauslässt, dann ist natürlich das Ertrinkungsrisiko wahnsinnig hoch”, warnt Lisa Klemens. Timmy könnte keine Kraft mehr zum Tauchen und Atmen haben, und im offenen Meer fehlt ihm die Möglichkeit, sich auszuruhen. Gleichzeitig ist er wegen seines gesundheitlichen Zustands möglicherweise nicht mehr in der Lage, Nahrung aufzunehmen. Hinzu kommt: Nahrungssuche, Orientierung und Flucht vor Feinden könnten ihn überfordern. Ein geschwächter Wal wird schnell zur leichten Beute.
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Auch der Transport selbst ist schon ein Risiko. „Dieses Tier kennt keine engen Räume oder Begrenzungen“, sagt Klemens im Gespräch mit RTL. Die Barge, die Motorengeräusche, die Vibrationen – all das sei für den Wal extrem stressig. „Alles, was unter Wasser oder im Wasser ist, ist noch mal deutlich lauter, als wir an Land hören.” Ein Risiko, das niemand genau berechnen kann. Denn einen vergleichbaren Einsatz hat es weltweit noch nie gegeben.
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Szenario 2: Die letzte Rettung in der Auffangstation?
Was, wenn Timmy im Meer nicht klarkommt? Dann könnte ein Plan B greifen. Anwältin Constanze von der Meden und Minister Backhaus sprechen von möglichen Wal-Auffangstationen. Dort könnte er medizinisch versorgt und aufgepäppelt werden, bis die Kraft für den Ozean reicht. Doch hinter dem Plan stehen viele offene logistische Fragen. Es bleibt offen, welche Einrichtung einen zwölf Meter langen Buckelwal überhaupt aufnehmen kann. Zwar existieren in Europa Rehabilitationszentren für kleinere Meeressäuger wie Schweinswale oder Belugas, doch für ein Tier von Timmys Ausmaßen fehlen die Erfahrungswerte.
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Szenario 3: Timmy schafft es zurück ins Leben
Das Best-Case-Szenario: Der vier bis sechs Jahre alte Bulle überlebt den Transport, wird freigelassen und schwimmt eigenständig zurück in den Atlantik. Die Hoffnung der Initiative: Timmy findet im Atlantik eine Herde, die ihn aufnimmt. Doch Meeresbiologin Lisa Klemens dämpft die Euphorie: „Buckelwale sind Einzelgänger. Deswegen halte ich es sehr unwahrscheinlich, dass dieses Tier sich außerhalb der Fortpflanzungszeit einer anderen Gruppe von Walen anschließt.” Selbst im besten Fall ist er erstmal allein. Und nur wenn er wieder frisst, schwimmt und sich nicht erneut verirrt, kann man wirklich von einer Rettung sprechen. „Wir müssen vielleicht erstmal abwarten, um das wirklich als eine Rettung betiteln zu können”, so die Expertin.

Die Initiative will genau verfolgen, was mit Timmy passiert. Ein GPS-Sender wurde bereits angebracht, der funktioniert aber nur an der Wasseroberfläche, nicht unter Wasser. Deswegen soll der Wal einen neuen, besseren Tracker bekommen. So soll sichtbar werden, ob Timmy seinen Weg findet. Die Daten bleiben allerdings geheim. So soll verhindert werden, dass Schaulustige dem Wal folgen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


