Zweifel an tödlicher Attacke auf BesitzerBruder kämpft mit Landkreis um Hund Sam: „Er gehört nach Hause”

American Bully Sam lebt derzeit weiterhin auf einem Tierschutzhof. Wegen Zysten an der Pfote trägt er einen Schutz, bei den Ausgängen gilt für ihn Maulkorbpflicht.
American Bully Sam lebt derzeit weiterhin auf einem Tierschutzhof. Wegen Zysten an der Pfote trägt er einen Schutz, bei den Ausgängen gilt für ihn Maulkorbpflicht.
Privat

Er verlor seinen Bruder und droht nun auch dessen Hund zu verlieren.
Seit Monaten kämpft Daniel um American Bully Sam. Der Vierbeiner soll Anfang Januar seinen 33-jährigen Besitzer tödlich verletzt haben. Doch sein Bruder glaubt nicht, dass die ganze Wahrheit schon auf dem Tisch liegt. Jetzt spricht er exklusiv mit RTL über seine Zweifel und seinen Kampf um den Hund.

„Sam war nie aggressiv”

Für Daniel (auf seinen Wunsch nennt RTL nur seinen Vornamen) ist Sam kein gefährlicher Hund, sondern ein Familienmitglied. „Sam ist immer noch friedlich und hat noch nie Aggressionen gezeigt”, sagt Daniel im Gespräch mit RTL. Die beiden Brüder lebten gemeinsam mit dem Hund in einem Haushalt. Zwei Jahre lang habe es nie Probleme gegeben. „Sam hat vorher noch bei mir nachts im Bett geschlafen.”

Lese-Tipp: Bulldogge tötet Halter laut Obduktion und bewacht dessen Leiche

Besonders ein Detail lässt ihn an der offiziellen Darstellung zweifeln: Sein Bruder sei gesundheitlich schwer angeschlagen gewesen. Nach seinen Angaben litt der 33-Jährige unter einer Herzerkrankung, Depressionen und einer Autismus-Spektrumsstörung. Drei Tage vor seinem Tod habe er wegen seines Gesundheitszustandes ausschließlich im Bett gelegen. Die offizielle Todesursache sei eine Lungenembolie gewesen.

Zwischen dem American Bully XL und seinem Halter gab es den Ermittlungen zufolge im Januar eine tödliche Auseinandersetzung.
Zwischen dem American Bully XL und seinem Halter gab es den Ermittlungen zufolge im Januar eine tödliche Auseinandersetzung.
Ulf Zurlutter/Nord-West-Media/dpa

„Es ist meines Erachtens noch gar nicht geklärt, ob Sam das auch wirklich war. Die haben keinen Bissabgleich gemacht, die haben keine DNA aus den Wunden getestet, Blutspritzer überprüft“, meint Daniel. Lag er vielleicht schon tot im Graben, bevor die Bisse passierten? „Mein Bruder war 1,92 Meter groß und Sam hatte auch einen Kreuzbandriss, was auch noch mal dagegenspricht, dass er ihn im Stehen angegriffen hätte oder so.“ Auch die Verletzungen werfen für ihn Fragen auf. „Er hatte eigentlich gar keine Abwehrverletzungen an den Armen. Ich habe den ersten Bericht der Polizei und an den Armen hatte er lediglich zwei Kratzer am Handgelenk. Wenn jemand mit einem Hund gekämpft hätte, dann hätte der andere Verletzungen gehabt.“

Kampf gegen die Behörden

Sam hat den entscheidenden Wesenstest des Landkreises bestanden, gilt offiziell als sozialverträglich. Auch Daniels Anwalt Moritz Gallenkamp sieht deshalb keine Grundlage dafür, den Hund dauerhaft festzuhalten. Doch obwohl Daniel unter anderem eine theoretische Hundeführerscheinprüfung, eine fachpsychiatrische Begutachtung, einen Drogentest und weitere Anforderungen erfüllt habe, bekomme er Sam bislang nicht zurück. „Da geht einer hin, der den Hund kennt. Der wird vom Landkreis mit eingebunden in der Versorgung. Und am Ende, nachdem er es aus Sicht des Landkreises leider schafft, alle Erfordernisse zu erfüllen, heißt es: Wir suchen noch mal ein paar Dinge, die nicht passen”, kritisiert Gallenkamp.

Lese-Tipp: American Bully Sam besteht Wesenstest

Der Anwalt vermutet sogar politische Gründe hinter der Verzögerung. Der Fall spalte die Öffentlichkeit seit Monaten: Während die einen den Hund nach dem Tod seines Besitzers für gefährlich halten, kämpfen andere für eine zweite Chance. Gallenkamp glaubt deshalb, dass der Landkreis vor den anstehenden Wahlen im September keine Entscheidung treffen wolle. Das Vorgehen des Landkreises wirke auf ihn „sehr konstruiert, damit sie sich ihrer Verantwortung entziehen können”.

Der Landkreis Vechta gibt sich unnachgiebig. „Aktuell sind nicht alle Antragsvoraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis zur Haltung eines gefährlichen Hundes sowie für die damit einhergehende Herausgabe des Hundes erfüllt”, erklärt die Behörde auf RTL-Nachfrage. „Gemäß dem vorliegenden polizeilichen Ermittlungsbericht steht zweifelsfrei fest, dass der Hund für die tödlichen Verletzungen verantwortlich ist.“

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Video-Tipp: Hubschrauber manövriert um Hund vor sicherem Tod zu retten

Daniel besucht Sam jeden Tag

„Ich bin jeden Tag beim Tierschutzhof, sodass Sam da einmal rauskommt und ein bisschen Freigang hat. Ich gehe mit ihm zum Tierarzt, pflege ihn, bringe ihm sein Barffutter, alles“, erzählt Daniel im RTL-Interview. Nach seinen Angaben habe Sam inzwischen gesundheitliche Probleme entwickelt. Der Hund leide unter Hautproblemen und Zysten zwischen den Krallen durch den harten Zwingerboden. Eine Tierärztin habe sogar schriftlich bestätigt, dass Sam in häuslicher Pflege besser aufgehoben sei. „Dann hat der Landkreis behauptet, dass er jetzt für Besserung gesorgt hat, indem er da eine Matratze reingelegt bekommen hat und für besseres Futter gesorgt hat, was aber auch gar nicht stimmt.“ Das hätte alles Daniel selbst bezahlt.

Streaming Tipp
RTL Nord NDS / HB
Jetzt auf RTL+ streamen

Für Daniel geht es längst nicht mehr nur um einen Hund. „Was mich noch weiter kämpfen lässt, ist, dass er das Andenken meines Bruders ist und dass er das auch so gewollt hätte“, sagt er. Und dann erinnert er sich an ein Versprechen, das er seinem Bruder gegeben hat: „Sam war für meinen Bruder ein wichtiger Halt bei seiner Krankheit. Ich habe ihm damals auch versprochen, dass ich ihm dabei helfen werde, mich um Sam zu kümmern. Deswegen ist das für mich eine Herzensangelegenheit, den Hund wieder nach Hause zu holen.” Ob Daniel seinen Sam tatsächlich zurückbekommt, muss nun das Verwaltungsgericht Oldenburg entscheiden. Das Klageverfahren läuft.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche