Nach tödlicher Attacke in BremenWie kann ein Streit im Straßenverkehr so eskalieren? Psychotherapeutin schätzt ein

von Christo Tatje, Anna Sinnig, Jana Strauß, Lena Kruse und Jana Kerzmann

Zwei Schläge, wenige Sekunden – am Ende ist ein Mensch tot.
Nach der tödlichen Attacke auf einen Fußgänger in Bremen bleibt eine entscheidende Frage: Wie kann ein Streit im Straßenverkehr derart eskalieren? Psychotherapeutin Rüya Kocalevent erklärt im RTL-Interview, warum manche Menschen im Straßenverkehr so aggressiv reagieren – und warum es gerade bei Autofahrern schneller zu Auseinandersetzungen kommt.

Nach tödlicher Attacke auf Fußgänger! Warum reagieren Menschen im Straßenverkehr so aggressiv?

Der Fall erschüttert: Am Samstagnachmittag (8. August) gerät ein Autofahrer im Bremer Stadtteil Neustadt mit einem 56-jährigen Fußgänger in Streit. Nach bisherigen Erkenntnissen steigt der Fahrer aus seinem Wagen, wenig später fallen zwei Schläge. Der 56-Jährige stürzt, schlägt mit dem Kopf auf und stirbt noch am Tatort. Der Autofahrer flüchtet.

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Warum der Streit eskalierte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Psychotherapeutin Rüya Kocalevent kennt weder den gesuchten Mann noch dessen Beweggründe und kann den konkreten Fall deshalb nicht psychologisch beurteilen. Im RTL-Interview erklärt sie aber, welche Faktoren generell dazu beitragen können, dass Menschen im Straßenverkehr aggressiv reagieren.

„Also Aggressionen im Straßenverkehr lassen sich erklären durch das innere Anspannungsniveau. Denn je angespannter man ist, umso eher handelt man impulsiv”, sagt Kocalevent. Hier geht es um sogenannte „situative Faktoren” wie Stress, Zeitdruck oder auch private oder berufliche Probleme.

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Ein weiterer Faktor sei, ob „Regeln verletzt wurden”. Hier spiele das Unrechtsempfinden eine Rolle. „Fühle ich mich ungerecht behandelt? Oder habe ich das Gefühl, im Recht zu sein?”, nennt die Psychotherapeutin beispielhaft.

Doch auch Persönlichkeitsfaktoren seien relevant. Wer generell schnell aus der Haut fahre, aggressiv oder feindselig reagiere, neige demnach eher dazu, auch körperliche Gewalt anzuwenden. Auch eine mangelnde Emotionsregulation, die bereits in der Kindheit erlernt werde, könne aggressives Verhalten begünstigen.

Warum gerade das Auto Aggressionen begünstigen kann

Auch das Auto selbst kann nach Einschätzung der Expertin eine Rolle spielen. Viele Menschen empfänden es als eine Art persönliches Terrain. Gleichzeitig sorgt die Anonymität im Straßenverkehr für Distanz zum Gegenüber.

Dadurch sinke jedoch nicht nur die soziale Hemmschwelle – auch die Art und Weise, wie der andere Verkehrsteilnehmer wahrgenommen wird, ändert sich laut der Psychotherapeutin: „Durch die Anonymität bin ich eher bereit, dem anderen feindselige Motive zu unterstellen“, erklärt Kocalevent. So soll es schneller zu Auseinandersetzungen kommen.

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Psychotherapeutin rät bei aggressiven Menschen im Straßenverkehr zu Abstand

Doch was tun, wenn das Gegenüber bereits schreit, beleidigt oder immer aggressiver wird? Kocalevent hat dafür einen klaren Rat „Mein Tipp lautet ganz klar: gedanklich, gefühlsmäßig und am besten auch physisch Abstand gewinnen, wenn man spürt, ein anderer Verkehrsteilnehmer wird aggressiv.

Denn eine Eskalationsspirale könne sich innerhalb kürzester Zeit hochschaukeln und schlimmstenfalls in körperlicher Gewalt enden. Deshalb sei es wichtig, nicht jede Provokation anzunehmen oder unbedingt darauf zu bestehen, einen Streit selbst zu klären.

Kocalevent bringt es auf einen entscheidenden Satz: „Abstand zu gewinnen ist eine Form der Selbstkontrolle, nicht des Nachgebens.“

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„Hinweise auf das Kfz-Kennzeichen” – Mordkommission sucht weiter nach dem Autofahrer

„Und fünf Sekunden Wut haben für ein Schicksal gesorgt”, bringt es Augenzeuge Leif auf den Punkt. Die genauen Umstände des tragischen Vorfalls ermittelt nun die Mordkommission. Die Fahndung nach dem Autofahrer läuft. Gesucht wird ein etwa 55 Jahre alter, sportlicher Mann mit kurzen grauen Haaren, der rund 1,80 bis 1,90 Meter groß sein soll.

„Es ist aktuell so, dass wir dabei sind, den tatverdächtigen Autofahrer zu ermitteln”, erklärt Frank Passade von der Staatsanwaltschaft Bremen im RTL-Interview. Nach Angaben Passades gibt es inzwischen Hinweise auf das Kfz-Kennzeichen. Den Hinweisen gehen wir nach und da werden aktuell auch Zeugen vernommen”, lautet der aktuelle Stand der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen sind jedoch noch in vollem Gange.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, Polizei Bremen