„Chronologie eines Alptraums“Drei Tage vor der Tat verschickt die mutmaßliche Fahrerin von Stade einen verzweifelten Brief

„Chronologie eines Alptraums.”
Nur drei Tage bevor in Stade sechs Menschen erschossen werden, verschickt die mutmaßliche Fahrerin des Fluchtwagens ein 20-seitiges Dokument an mehrere Medien – auch RTL liegt das Schreiben vor. Darin schildert die Patentante der drei Monate alten Tochter des mutmaßlichen Todesschützen den erbitterten Streit um das Kind. Drohungen enthält das Dokument nicht. Es zeichnet jedoch ausschließlich die Sicht der Familie – und wirft schwere Vorwürfe gegen Ärzte und Behörden auf.
Ein einseitiger Blick auf den Sorgerechtsstreit
Das Dokument trägt den Titel „Chronologie eines Alptraums“. Auf 20 Seiten beschreibt die Patentante den Konflikt zwischen den Eltern des Säuglings und der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Jugendamt sowie weiteren Behörden. Immer wieder stellt sie den mutmaßlichen Todesschützen als fürsorglichen Vater dar, der zu Unrecht beschuldigt worden sei.
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Auslöser ist nach ihrer Schilderung ein Krankenhausaufenthalt im April. Das Baby soll damals wegen Hirnblutungen behandelt worden sein. Ärzte vermuten laut Schreiben ein Schütteltrauma. Die Familie weist diesen Verdacht zurück und führt die Verletzung stattdessen auf einen unbeabsichtigten Zusammenstoß zwischen Vater und Kind einige Tage zuvor zurück.
Immer wieder erhebt die Patentante schwere Vorwürfe gegen Klinik, Jugendamt und Justiz. Sie spricht von Widersprüchen, falschen Darstellungen und Fehlentscheidungen. Viele ihrer Behauptungen versieht sie mit Fragen wie: „Welche medizinische Indikation gab es für die Ankündigung der Notoperation?“ Oder: „Warum wurde eine Inobhutnahme veranlasst?“. Belege oder eine unabhängige Einordnung sind in dem Schreiben nicht enthalten. Viele der Vorwürfe lassen sich derzeit nicht überprüfen.

Auch Ermittlungen gegen den Vater werden erwähnt
Die Patentante schildert außerdem, dass gegen den Vater wegen des Verdachts der Misshandlung eines Schutzbefohlenen ermittelt wird. Gleichzeitig berichtet sie, dass dieser seinerseits Strafanzeigen gegen Ärzte, Jugendamtsmitarbeiter und weitere Beteiligte gestellt habe. Am Ende des Dokuments schreibt sie, zahlreiche Unterlagen, Arztbriefe, E-Mails und Zeugenaussagen würden ihre Darstellung belegen.
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Fest steht: Die Schilderungen geben ausschließlich die Sicht der Familie wieder. Behörden und Medizinische Hochschule äußern sich zu den Details des Falls bislang nicht und verweisen unter anderem auf Datenschutz sowie laufende Verfahren.
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Kollegin und Nachbarn reagieren fassungslos
Am Tag nach der Bluttat schaut sich RTL am Arbeitsplatz der mutmaßlichen Fahrerin in einem interkulturellen Familienverband in Bremen um. Eine Kollegin zeigt sich erschüttert. Doch im Gespräch mit RTL sagt sie, sie habe bereits eine Vermutung gehabt. Die mutmaßliche Fahrerin habe in einem privaten Verhältnis zum Tatverdächtigen gestanden und ihn im Sorgerechtsstreit unterstützt.

In ihrer Nachbarschaft herrscht Fassungslosigkeit. Nachbarin Kathryn Primann beschreibt sie im RTL-Interview als „einen sehr ruhigen Menschen“. Sie sagt weiter: „Sie ist ein sehr höflicher Mensch. Und wenn wir uns treffen, dann hat sie ein offenes Ohr für einen. Dann kann man sich gut mit ihr unterhalten. Also sehr verhaltensunauffällig. Sehr nett. Ich kann nichts Negatives über sie sagen.“ Dass sie nun mit der Flucht nach der tödlichen Schießerei in Verbindung gebracht wird, könne sich dort kaum jemand erklären. Dennoch sagt die Nachbarin: „Aber man steckt in den Menschen nicht drin. Man weiß es nicht.“
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche


