DNA-Test enthüllt GeheimnisArzt in Fruchtbarkeits-Klinik soll unwissende Frauen mit eigenem Samen geschwängert haben

Samenspende (Symbolbild)
Ein Fruchtbarkeitsarzt soll eigenen Samen verwendet haben
picture alliance / dpa / Friso Gentsch
von Philipp Petersdorff

Mary Ellen Lukezich wollte nichts sehnlicher, als Mutter zu werden.
Dafür ließ sie sich Anfang der 1980er-Jahre künstlich befruchten. Jahrzehnte später bringt ein DNA-Test ihres Sohnes eine verstörende Wahrheit ans Licht: Ihr damaliger Fruchtbarkeitsarzt soll selbst der Samenspender gewesen sein.

Überraschung nach DNA-Test

Ein scheinbar harmloser DNA-Test stellt für Joseph Laedtke Heider plötzlich die eigene Familiengeschichte auf den Kopf. Bei einem Internetportal für Ahnenforschung entdeckt der damals 42-Jährige Ende 2024, dass er mehrere Halbgeschwister hat. Seine Nachforschungen führen ihn schließlich zu einem Mann, mit dem er niemals gerechnet hätte. Laut einer inzwischen eingereichten Klage soll ausgerechnet der frühere Gynäkologe und Fruchtbarkeitsarzt seiner Mutter sein biologischer Vater sein.

Mary Ellen glaubte an einen anonymen Samenspender

Die Geschichte beginnt Anfang der 1980er-Jahre im US-Bundesstaat Wisconsin. Mary Ellen Lukezich und ihr inzwischen verstorbener Ehemann Thomas Laedtke wünschen sich ein Kind, doch eine Schwangerschaft bleibt zunächst aus. Das Paar wendet sich an Dr. Frederick D. und durchläuft über zwei Jahre Fruchtbarkeitsbehandlungen. Schließlich stimmt Mary Ellen einer künstlichen Befruchtung mit Spendersamen zu.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Im Video: Britta sieht ein Doku über Samenspender und entdeckt ihren Vater

Nach ihren Angaben sollte das Sperma von einem Medizinstudenten stammen. D. habe ihr erklärt, der Mann komme aus einem anderen Bundesstaat, werde wahrscheinlich nicht noch einmal spenden und sei auch nach äußerlichen Merkmalen ausgewählt worden, damit das Kind ihrem Mann möglichst ähnlich sehe. 1982 wird Mary Ellen schwanger, im folgenden Jahr kommt Joseph zur Welt.

DNA-Test führt Joseph zum Arzt seiner Mutter

Mehr als vier Jahrzehnte lang ahnt die Familie nichts. Joseph weiß nach eigenen Angaben zunächst nicht einmal, dass er mithilfe einer Samenspende gezeugt wurde. Erst sein DNA-Test ändert alles. Die Ergebnisse weisen auf mehrere Halbgeschwister hin. Mithilfe genealogischer Werkzeuge stellt Joseph nach eigener Aussage schließlich eine Verbindung zu D. her. NBC News zufolge stieß er auf insgesamt neun Halbgeschwister. Als er seiner Mutter von seiner Entdeckung erzählt, ist sie geschockt.

Für Joseph ist der Fund schwer zu verarbeiten. In einer öffentlichen Erklärung beschreibt er das Gefühl, erfahren zu müssen, dass die eigene Identität auf einer Lüge aufgebaut sein könnte. Besonders denke er dabei an seine Mutter, die damals einfach nur ein Kind bekommen wollte.

Mutter und Sohn ziehen jetzt vor Gericht

Am 6. August haben Mary Ellen Lukezich und ihr Sohn Klage beim zuständigen Gericht in Milwaukee County eingereicht. Darin werfen sie D. vor, bei der künstlichen Befruchtung ohne Mary Ellens Wissen und Zustimmung sein eigenes Sperma verwendet zu haben. Sie fordern Schadenersatz in bislang nicht genannter Höhe.

Lese-Tipp: Arzt verwendete eigenes Sperma statt Samenspenden: Gericht spricht Betroffenen neun Millionen Dollar zu

Mary Ellen beschreibt gegenüber NBC News drastisch, was die Entdeckung mit ihr gemacht habe. Sie fühle sich, „als wäre ich vergewaltigt worden“. Mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit möchte sie nach eigenen Worten auch anderen Frauen Mut machen, sich zu melden.

Der heute 91-jährige Arzt weist die Vorwürfe zurück

D. ist inzwischen 91 Jahre alt, lebt laut NBC News in Arizona und hat seine ärztliche Tätigkeit bereits in den 1990er-Jahren beendet. Sein Anwalt Sean Gaynor widerspricht den Anschuldigungen. Die behaupteten Ereignisse lägen fast 50 Jahre zurück. Sein Mandant könne sich nicht unabhängig an die betreffenden Personen erinnern und kenne keine Beweise, welche die erhobenen Vorwürfe stützten.

Verwendete Quellen: People, NBC News