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Arzt verwendete eigenes Sperma statt Samenspenden: Gericht spricht Betroffenen neun Millionen Dollar zu

Wichtiges Urteil wegen Fruchtbarkeitsbetrug

Arzt verwendete eigenes Sperma statt Samenspenden: Gericht spricht Betroffenen neun Millionen Dollar zu

New born baby boy resting in mothers arms.
Ein schlafendes Neugeborenes kurz nach der Geburt (Symbolbild): Im US-Bundesstaat Colorado wurde ein Arzt wegen Fruchtbarkeitsbetruges verurteilt.
Getty Images/iStockphoto, kieferpix

Ein Baby zu bekommen, ist für viele ein großes Glück. Für manche allerdings ist es ein Wunsch, der nie in Erfüllung geht. Wenn der Mann unfruchtbar oder eine Frau alleinstehend ist, wenn homosexuelle Paare ein Kind möchten, dann bleibt neben Adoption nur der Weg per Samenspende. Doch in der Klinik von Dr. Jones im US-Bundesstaat Colorado wurden die Patienten getäuscht. Unfassbar: Der Arzt verwendete sein eigenes Sperma zur Befruchtung von Eizellen! Ein Gericht sprach nun den betroffenen Familien fast neun Millionen Dollar (umgerechnet rund 8,5 Millionen Euro) Schadensersatz zu.

Reproduktionsarzt verwendete eigenes Sperma statt Samenspenden

Der Reproduktionsmediziner, Dr. Paul B. Jones, leitet seit Jahren eine Klinik, die Women's Health Care of Western Colorado. Jones, so der Vorwurf, soll in mindestens drei Fällen das Sperma der Spender gegen sein eigenes ausgetauscht haben, ohne dass die Eltern der Kinder davon wussten. Diese hatten zuvor anonyme Spender angefordert. Wie die „Denver Post“ am Freitag berichtete, hat nun ein Gericht im US-Bundesstaat Colorado den drei betroffenen Familien fast neun Millionen US-Dollar (circa 8,5 Millionen Euro) zugesprochen. Weder der verurteilte Arzt persönlich noch die Klinik wollten sich zu dem Urteil äußern.

Die drei Familien hatten Jones und seine Klinik bereits 2019 verklagt. Die Anschuldigungen lesen sich ungeheuerlich: Der Arzt soll bei sieben künstlichen Befruchtungen im Zeitraum von 1979 bis 1985 sein eigenes Sperma verwendet haben. Erst im Erwachsenenalter erfuhren die durch die künstliche Befruchtung entstandenen Kinder durch Ahnenforschungsdienste, dass sie eine gemeinsame Verbindung mit dem Reproduktionsmediziner hatten.

Betroffene: Unser Ziel war nie das Geld. Ich wollte ihn vor Gericht sehen.

Vor Gericht wurde der Fall unter anderem von Maia Emmons-Boring gebracht. Die Texanerin erfuhr erst vor drei Jahren durch einen einfachen DNA-Test , dass der Mann, den sie ihr ganzes Leben lang ihren Vater nannte, nicht ihr leiblicher Vater war. Der „New York Times“ sagte sie: „Unser Ziel war nie das Geld. Ich wollte ihn vor Gericht sehen.“

Erst vor wenigen Tagen hatte das Landesparlament in Colorado einen Gesetzentwurf eingebracht, um von Samenspendern gezeugte Personen besser schützen zu können. (kra)