Wichtige Regeln und ChecklisteDrohende Stromausfälle wegen Anschlägen – wie kann ich mich vorbereiten?

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Bei einem Stromausfall gibt es viel zu beachten (Symbolbild).
IMAGO/CHROMORANGE / IMAGO/Andreas Poertner

Deutschlands Stromnetz ist in Gefahr!
Plötzlich bleibt die Wohnung dunkel, die Heizung springt nicht mehr an und der Handy-Akku wird zum kostbaren Gut. Nach den Sabotageakten auf die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fragen sich viele: Wie kann ich mich auf einen Stromausfall vorbereiten? Mit einigen einfachen Maßnahmen könnt ihr dafür sorgen, im Ernstfall nicht völlig unvorbereitet dazustehen.

Zwei besorgniserregende Fälle in Brandenburg und NRW

Zwei Angriffe innerhalb weniger Stunden – und auffällige Gemeinsamkeiten. In Brandenburg lenkten Unbekannte nach Angaben der Behörden leitfähiges Material mithilfe selbstgebauter Flugkörper in Richtung von Höchstspannungsleitungen. Wenige Stunden später verursachten Unbekannte im nordrhein-westfälischen Bergheim mit Kabeln über einer Oberleitung einen Kurzschluss.

Die Ermittler gehen in beiden Fällen von verfassungsfeindlicher Sabotage aus. Wer dahintersteckt, ist bislang offen. Die Vorfälle zeigen allerdings, wie empfindlich die Infrastruktur sein kann.

Lese-Tipp: Nach Anschlägen aufs Stromnetz: Experten fordern Notfall-Plan!

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) weist ausdrücklich darauf hin, dass neben Unwettern, Unfällen oder Bauarbeiten auch Sabotage und Cyberangriffe Stromausfälle auslösen können. Meist sei die Versorgung nach wenigen Stunden wiederhergestellt. Bei großflächigen Schäden könne es jedoch auch Tage dauern.

Im Video: Angriff auf Stromnetz! Notschaltung verhindert Blackout in NRW

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Stromausfall vorbereiten – warum schon kleine Dinge wie Licht helfen

Kein Licht mehr zu haben, ist dabei längst nicht das größte Problem. Kühlschrank und Herd fallen aus, auch die Heizung benötigt in vielen Haushalten Strom. Internet und Mobilfunk können gestört sein. Je nach Situation kann sogar die Wasserversorgung beeinträchtigt werden.

Die Verbraucherzentrale betont, dass ein bisschen Vorbereitung sinnvoll sein kann. Wer gewappnet sein möchte, sollte deshalb zunächst an Licht denken. Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten funktionieren unabhängig vom Stromnetz. Kerzen können ebenfalls helfen, sollten aber niemals unbeaufsichtigt brennen. Bei ihrer Nutzung empfiehlt das BBK außerdem regelmäßiges Lüften.

Powerbank voll? Das Handy kann plötzlich enorm wichtig sein

Eine geladene Powerbank gehört ebenfalls zur sinnvollen Grundausstattung. Das BBK empfiehlt, die Akkus von Mobiltelefonen und Laptops möglichst geladen zu halten und gegebenenfalls Ersatzakkus oder solarbetriebene Ladegeräte bereitzulegen. Denn das Smartphone kann im Ernstfall zur wichtigen Informationsquelle werden, solange das Mobilfunknetz noch funktioniert.

Fällt auch dieses aus, kommt ein altmodisches Gerät groß raus. Mit einem batterie- oder kurbelbetriebenen Radio lassen sich weiterhin Hinweise und Warnungen der Behörden empfangen.

Zu Hause sollte ausreichend Bargeld vorhanden sein

Ebenfalls leicht zu vergessen ist Bargeld. Funktionieren Kassensysteme oder Geldautomaten nicht mehr, kann die Bankkarte vorübergehend nutzlos sein. Sowohl BBK als auch Verbraucherzentrale empfehlen deshalb, einen gewissen Bargeldvorrat zu Hause zu haben. Die Verbraucherzentrale rät zu kleiner Stückelung.

Essen und Wasser sollten für einige Tage reichen

Wer vorsorgt, muss nicht gleich den Keller mit Konservendosen füllen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen überschaubaren Vorrat an haltbaren Lebensmitteln und Getränken. Für drei bis fünf Tage sollten mindestens zwei Liter Wasser pro Person und Tag vorhanden sein. Sinnvoll sind Lebensmittel, die sich ohne Kühlung oder Kochen essen lassen, beispielsweise Konserven, Nüsse, Trockenfrüchte oder Brotaufstriche. Auch an Babynahrung oder Tierfutter sollte je nach Haushalt gedacht werden.

Muss doch gekocht werden, nennt das BBK einen Campingkocher als Möglichkeit. Auch Gas- oder Holzkohlegrills können helfen, allerdings ausschließlich im Freien. In geschlossenen Räumen besteht beim Grillen Erstickungsgefahr.

Fällt der Strom bereits aus, heißt es bei Kühlschrank und Gefriertruhe dagegen möglichst Finger weg. Türen geschlossen halten, damit möglichst wenig Kälte entweicht und die Lebensmittel länger haltbar bleiben.

Was tun, wenn plötzlich auch die Heizung kalt bleibt?

Gerade im Winter kann ein längerer Stromausfall unangenehm werden. Viele Heizungsanlagen funktionieren ohne elektrische Energie nicht. Das BBK empfiehlt deshalb warme Kleidung und Decken. Hilfreich kann es außerdem sein, sich überwiegend in einem Raum aufzuhalten und dessen Türen geschlossen zu halten, damit möglichst wenig Wärme verloren geht. Regelmäßiges Lüften bleibt trotzdem wichtig.

Wer einen Kamin oder Ofen besitzt, kann entsprechende Brennstoffe bevorraten. Alternative Heizgeräte sollten jedoch nur unter Beachtung der Sicherheitsvorgaben genutzt werden. Das BBK empfiehlt bei entsprechenden gasbetriebenen Lösungen unter anderem geeignete Sicherungen und einen Kohlenmonoxid-Warnmelder.

Medikamente und wichtige Telefonnummern nicht vergessen

Besondere Aufmerksamkeit sollten Menschen benötigen, die regelmäßig Medikamente brauchen oder auf elektrische medizinische Geräte angewiesen sind. Medikamente und ein Erste-Hilfe-Set gehören laut Verbraucherzentrale zur sinnvollen Vorsorge. Bei medizinischen Geräten mit Stromanschluss sollte bereits vorher geklärt werden, welche Notfalllösung im Falle eines Stromausfalls existiert.

Außerdem kann ausgerechnet die Telefonnummer, die normalerweise im Handy gespeichert ist, dann schwer erreichbar sein. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, wichtige Kontakte zusätzlich auf Papier zu notieren. Dazu können Familie und Nachbarn ebenso gehören wie Ärzte, Pflegedienste, Hausverwaltung und Notrufnummern.

Der Strom ist weg – was jetzt zuerst zu tun ist!

Wird es plötzlich dunkel, solltet ihr zunächst prüfen, wie groß das Problem tatsächlich ist. Ist nur die eigene Wohnung betroffen? Brennt im Treppenhaus noch Licht? Auch ein Blick auf Sicherungen und FI-Schalter kann klären, ob lediglich die eigene Stromversorgung unterbrochen wurde.

Ist tatsächlich das öffentliche Netz betroffen und die Störung noch nicht bekannt, nennt die Verbraucherzentrale den örtlichen Netzbetreiber als richtigen Ansprechpartner. Empfindliche Elektrogeräte wie Fernseher oder Computer sollten ausgeschaltet werden. So lassen sich mögliche Schäden durch Spannungsschwankungen beim Wiederherstellen der Stromversorgung vermeiden.

Über Radio oder Smartphone solltet ihr euch anschließend über die Lage informieren. Wichtig ist dabei auch, den Notruf nicht wegen einer bloßen Stromstörung zu blockieren. 112 oder 110 sind für echte Notfälle gedacht, etwa einen Brand, einen medizinischen Notfall oder Menschen, die in einem Aufzug eingeschlossen sind.

Checkliste: Das sollte für einen Stromausfall bereitliegen

Auf Basis der Empfehlungen von BBK, Verbraucherzentrale und der Checkliste der Northern Business School gehören vor allem diese Dinge zur sinnvollen Grundausstattung:

  • Taschenlampen oder andere stromunabhängige Lichtquellen

  • Ersatzbatterien und geladene Powerbanks

  • Batterie- oder Kurbelradio

  • Bargeld, möglichst auch in kleiner Stückelung

  • Haltbare Lebensmittel

  • Trinkwasser für mehrere Tage

  • Regelmäßig benötigte Medikamente

  • Erste-Hilfe-Set

  • Warme Kleidung, Decken oder Schlafsäcke

  • Hygieneartikel

  • Wichtige Telefonnummern auf Papier

  • Bei Bedarf Vorräte für Babys oder Haustiere

  • Gegebenenfalls Campingkocher für eine sichere Nutzung

  • Bücher oder Spiele als stromunabhängige Beschäftigung

Die jüngsten Sabotagefälle zeigen, dass ein Stromausfall viele Ursachen haben kann. Sich darauf vorzubereiten, bedeutet deshalb nicht, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Ein paar geladene Akkus, Wasser, Lichtquellen und ein Plan für den Ernstfall können schon dafür sorgen, dass aus dem plötzlichen Dunkel nicht sofort ein großes Problem wird.

Verwendete Quellen: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Verbraucherzentrale, Northern Business School, DPA