Ermittler finden AbschussvorrichtungenAngriff auf Stromnetz in NRW! Verdacht auf Sabotage in Bergheim – wer steckt dahinter?

von Patricia Brinkmann, Rogatus Skanta und Niklas Bönsch

Drei Explosionen an einem Umspannwerk in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis), fünf Kraftwerksblöcke gingen vom Netz. Jetzt gehen die Ermittler von einem gezielten Angriff auf die Stromversorgung aus. In einem Maisfeld machten Einsatzkräfte einen brisanten Fund. Außerdem gibt es auffällige Parallelen zu einem Angriff in Brandenburg.

Explosionen am Umspannwerk in Bergheim

Ein Handyvideo zeigt, wie es am Dienstagabend (01.09.) gegen 20 Uhr am Umspannwerk in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) zu mehreren Explosionen kam. Durch einen Kurzschluss schalteten sich anschließend fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE ab. Einen Stromausfall bei den Menschen in der Region gab es laut Netzbetreiber Amprion aber nicht. Das Stromnetz konnte die Störung durch Reserveleistungen ausgleichen. Ohne diese Absicherung hätte der Vorfall die Stromversorgung zahlreicher Haushalte gefährden können. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) findet deutliche Worte: „Ein Umspannwerk ist ein Nervenzentrum für unseren Alltag.“ Wer daran gehe, greife „unser Land, unsere Wirtschaft, unseren Alltag, uns alle“ an.

Sechs Abschussvorrichtungen im Maisfeld entdeckt

Am Mittwoch (02.09.) durchsuchten Einsatzkräfte die Umgebung des Umspannwerks. In einem angrenzenden Maisfeld fanden sie insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Nach bisherigen Erkenntnissen könnten damit pyrotechnische Gegenstände abgefeuert und Kupferdrähte über die Stromleitungen geschossen worden sein. Diese könnten anschließend den Kurzschluss verursacht haben. Die Ermittlungen laufen bei der politischen Abteilung der Staatsanwaltschaft Köln. Der Leitende Kriminaldirektor Michael Esser hält einen politisch motivierten Anschlag für sehr wahrscheinlich. Im Fokus stehen nach Angaben von Reul vor allem zwei mögliche Hintergründe: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus. Wer tatsächlich hinter dem Angriff steckt, ist bislang aber noch unklar.

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Auffällige Parallelen zu Angriff in Brandenburg

Besonders brisant: Nur wenige Stunden zuvor gab es einen ähnlichen Angriff auf die Stromversorgung in Brandenburg. In der Nähe des Kraftwerks Jänschwalde sollen Unbekannte mit selbstgebauten Flugkörpern leitfähiges Material in Richtung von Höchstspannungsleitungen geschossen haben. Auch dort kam es zu Kurzschlüssen und ein Kraftwerksblock musste vorübergehend abgeschaltet werden. Ein größerer Stromausfall blieb ebenfalls aus. Die Behörden in NRW und Brandenburg tauschen sich wegen der Parallelen inzwischen eng aus. Reul bezeichnet die kritische Infrastruktur als „Achillesferse unserer Gesellschaft“ und fordert, sensible Informationen über neuralgische Punkte stärker zu schützen. Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) drängt auf bessere Möglichkeiten zur Absicherung kritischer Infrastruktur. Die Ermittlungen sollen nun klären, ob die beiden Angriffe zusammenhängen und wer dahintersteckt.