Ein Jahr nach dem Absturz in Ahmedabad34 Sekunden bis zur Katastrophe – das Protokoll von Flug AI171

Noch immer warten die Angehörigen auf Aufklärung.
180 Knoten, ein routinierter Start und dann plötzlich Chaos im Cockpit. Nur 34 Sekunden nach dem Abheben stürzt der Air-India-Flug ab. Ein Jahr später zeigt die Rekonstruktion der Ermittler, wie dramatisch die letzten Augenblicke tatsächlich verliefen – und welche Fragen bis heute offen sind.
Der Flug beginnt völlig normal
34 Sekunden. Mehr Zeit vergeht kaum zwischen zwei Werbeblöcken im Fernsehen. Doch genau diese 34 Sekunden entscheiden am 12. Juni 2025 über das Schicksal von Flug AI171. Die Boeing 787 „Dreamliner” der Air India hebt am Mittag vom Flughafen Ahmedabad ab. Ziel ist London-Gatwick mit einer Flugzeit von durchschnittlich 9 Stunden und 45 Minuten. Wenige Augenblicke später verwandelt sich der Routineflug aber in eine der schwersten Luftfahrtkatastrophen der vergangenen Jahre.
Beim Absturz sterben 260 Menschen, darunter 241 von 242 Flugzeuginsassen. Weitere 19 Menschen verlieren ihr Leben am Boden. Nur ein Mann – ein Brite mit indischen Wurzeln – überlebt mit leichten Verletzungen. Er soll auf Platz 11A am Notausgang gesessen und sich durch eine Öffnung im Flugzeugwrack nach dem Aufprall gerettet haben.
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Ein Jahr nach dem Unglück rückt vor allem eine Frage in den Mittelpunkt: Was geschah in den letzten 34 Sekunden? Wie das Fachmagazin airliners.de unter Berufung auf den Untersuchungsbericht aufzeigt, landet die Maschine zunächst um 11.17 Uhr Ortszeit aus Neu-Delhi kommend in Ahmedabad. Wenig später startet die Vorbereitung für den Weiterflug nach Großbritannien.
Um 13.37 Uhr erhält die Crew die Startfreigabe. Alles deutet auf einen gewöhnlichen Linienflug hin. Nichts lässt erahnen, was wenige Sekunden später passieren wird.
13.38 Uhr: Der verhängnisvolle Countdown beginnt
13.38.39 Uhr: Flug AI171 hebt in Ahmedabad ab.
13.38.42 Uhr: Nur drei Sekunden später erreicht die Maschine ihre maximale Startgeschwindigkeit von 180 Knoten – etwa 330 km/h. Dann geschieht etwas, das die Ermittler bis heute beschäftigt. Die Kraftstoffabsperrhähne beider Triebwerke wechseln kurz nacheinander von „RUN” auf „CUTOFF”. Die Treibstoffzufuhr wird unterbrochen.
Im Cockpit zeichnet der Stimmenrekorder einen bemerkenswerten Austausch auf. Einer der Piloten fragt seinen Kollegen, warum er die Abschaltung vorgenommen habe. Die Antwort folgt sofort: Er habe das nicht getan.
Fast zeitgleich zeigen Überwachungskameras am Flughafen, wie die sogenannte Ram Air Turbine ausfährt. Das Notfallsystem wird normalerweise nur bei schwerwiegenden Ausfällen aktiviert.13.38.47 Uhr: Beide Triebwerke verlieren weiter an Leistung. Die Hydraulikversorgung läuft nun über das Notfallsystem.
13.38.52 Uhr: Die Crew versucht gegenzusteuern. Der Kraftstoffschalter von Triebwerk eins wird zurück auf „RUN” gestellt.
13.38.56 Uhr: Auch Triebwerk zwei erhält wieder Treibstoff. Die automatische Wiederzündung beginnt. Eines der Triebwerke reagiert darauf und gewinnt teilweise Leistung zurück. Das andere kann sich nicht ausreichend stabilisieren.
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„MAYDAY MAYDAY MAYDAY”
13.39.05 Uhr: Einer der Piloten sendet einen verzweifelten Notruf. „MAYDAY MAYDAY MAYDAY”
Es sind die letzten bekannten Worte aus dem Cockpit. Die Boeing 787 stürzt in ein medizinisches College.13.39.11 Uhr: Die Aufzeichnung der Flugdaten endet. Seit dem Abheben sind gerade einmal 34 Sekunden vergangen.
13.44.44 Uhr: Rettungs- und Löschfahrzeuge verlassen das Flughafengelände in Richtung Unglücksort.
Nach dem Aufprall kommt es zu einem sehr großen Brand und einer Explosion, die von zahlreichen Zeugen und Videoaufnahmen als „Feuerball“ beschrieben wird. Das Flugzeug ist für den Langstreckenflug nach London betankt und hat noch einen Großteil seines Kerosins an Bord. Beim Einschlag werden die Tanks beschädigt, austretender Treibstoff entzündet sich und verursacht den massiven Brand.

Ein Jahr später bleiben Fragen offen
Auch zwölf Monate nach dem Air India Absturz beschäftigt das Unglück Ermittler, Luftfahrtexperten und Angehörige weltweit. Besonders die Frage, warum die Kraftstoffabsperrhähne beider Triebwerke unmittelbar nach dem Abheben auf „CUTOFF” wechselten, steht weiterhin im Mittelpunkt der Untersuchungen. Der bisherige Bericht rekonstruiert die Ereignisse Sekunde für Sekunde. Eine abschließende Erklärung für die Ursache gibt es bislang jedoch nicht.
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Fest steht nur: Zwischen dem Abheben und dem Ende der Flugdatenaufzeichnung liegen lediglich 34 Sekunden. 34 Sekunden, die den Air India Absturz zu einem der rätselhaftesten Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre gemacht haben und das Leben Hunderter Menschen für immer veränderten.
Verwendete Quellen: Airliners.de, eigene RTL-Recherche


