Gericht entscheidet28-Jährige will ihre Mutter aus Geburtsurkunde streichen, weil sie von ihr misshandelt wurde

„Ich will ihren Namen nicht mehr tragen.“
Mit diesem Wunsch zieht die Brasilianerin Heloísa Rodrigues (28) vor Gericht. Die Studentin will aber nicht nur erreichen, dass sie den Namen ihrer Mutter nicht mehr tragen muss, sondern auch, dass ihre Mutter komplett aus der Geburtsurkunde entfernt wird. Der Grund sind jahrelange Misshandlungen, die sie nach eigenen Angaben als Kind erlitten hat.
Angst und sexueller Missbrauch
Heloísa beschreibt eine Kindheit, die von Angst geprägt gewesen sei. Nach ihren Schilderungen sei sie regelmäßig geschlagen, gedemütigt und vernachlässigt worden. Besonders erschütternd sind ihre Vorwürfe, die Mutter habe sie als Kind Männern überlassen, beziehungsweise verkauft, damit diese sie sexuell missbrauchen konnten. Zudem berichtet sie, zeitweise weder ausreichend Nahrung noch Schutz erhalten zu haben.

Für die heute 28-Jährige endet das Leid nach eigener Aussage nicht mit dem Ende ihrer Kindheit. Jedes Formular, auf dem sie den Namen ihrer Mutter angeben müsse, reiße die alten Wunden wieder auf. Deshalb sei der Eintrag in der Geburtsurkunde für sie weit mehr als eine Formalität – sondern eine ständige Erinnerung an die Gewalt, die sie erlebt habe.
Richter erkennt das Leid an – lehnt den zentralen Wunsch aber ab
Das zuständige Familiengericht in São Vicente würdigte die Schilderungen der Frau als schwere Fälle von Misshandlung, Vernachlässigung und Grausamkeit. Trotzdem sah der Richter keine rechtliche Grundlage dafür, die biologische Mutter vollständig aus der Geburtsurkunde zu entfernen.
Im Video: Brad Pitts Sohn will nicht mehr „Pitt” heißen
Stattdessen gestattete das Gericht lediglich, dass Heloísa die mütterlichen Nachnamen „Alves Duque“ aus ihrem eigenen Namen streichen darf. In Brasilien setzen sich die Nachnamen aus den Namen der Mutter und des Vaters zusammen.
Die biologische Abstammung müsse aus Gründen der Rechtssicherheit weiterhin dokumentiert bleiben, so die Begründung. Gegen diese Entscheidung legte die junge Frau Berufung beim Oberlandesgericht des Bundesstaates São Paulo ein.
Millionen Menschen reagieren bewegt
Bekannt wurde der Fall durch ein Video der 28-Jährigen in den sozialen Netzwerken. Darin spricht sie offen über ihre Kindheit und die Gerichtsentscheidung. Der Beitrag wurde millionenfach angesehen und löste zahlreiche Reaktionen aus.
Lese-Tipp: Zwölfjähriges Mädchen jahrelang von Adoptiv-Eltern misshandelt
Viele Nutzer äußern Mitgefühl und unterstützen ihren Wunsch, den Namen der Mutter nicht länger tragen zu müssen. Andere sehen in dem Verfahren die Chance, das Familienrecht weiterzuentwickeln und Betroffenen schwerster familiärer Gewalt künftig mehr Möglichkeiten einzuräumen.
Verwendete Quellen: mesorregional.com, gazetaweb.com, ncnews.com, correio24horas.com
































