23 Jahre Kampf vor GerichtDie Rache der Ex! Für die Scheidung studierte sie Jura – am Ende gewinnt sie Millionen

von Sanna Sailer, Marius Olion und Anja Blanuscha

Wer zuletzt lacht ...!
Ihr Ex-Mann behauptete vor Gericht, er habe kaum Vermögen. Doch Varsha Gohil glaubte ihm kein Wort. Nach mehr als zwei Jahrzehnten Kampf bekommt sie Recht – und verändert nebenbei sogar das Scheidungsrecht in Großbritannien.

Varsha beweist Köpfchen und Ausdauer!

Als ihre Ehe Anfang der 2000er-Jahre zerbricht, beginnt ein Rechtsstreit, der ihr Leben komplett verändern soll. Ihr Ex-Mann Bhadresh Gohil, ein erfolgreicher Anwalt, erklärt vor Gericht damals, praktisch kein Vermögen zu besitzen. Auf dieser Grundlage einigen sich beide Seiten schließlich auf eine Abfindung von 270.000 Pfund, umgerechnet rund 310.000 Euro. Für viele Menschen wäre das eine stattliche Summe gewesen. Für Varsha nicht.

Schon damals ist die Britin überzeugt, dass bei Bhadresh, dem sie 1988 das Jawort gab, deutlich mehr Geld vorhanden sein muss. Doch Beweise fehlen. Also bleibt ihr zunächst nichts anderes übrig, als die Entscheidung zu akzeptieren. Aufgeben kommt für sie trotzdem nicht infrage. „Diese Einigung wurde auf der Grundlage vereinbart, dass er vor Gericht sagte, er habe überhaupt kein Geld. Und wir konnten das Gegenteil nicht beweisen, obwohl ich wusste, dass er mehr Geld haben muss”, so die 61-Jährige.

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Um besser zu verstehen, was in ihrem Verfahren passiert ist, trifft Varsha eine ungewöhnliche Entscheidung. Sie beginnt ein Jurastudium. „Das Jurastudium war das Beste, was ich gemacht habe”, sagt sie heute rückblickend.

Plötzlich tauchen neue Beweise auf

Jahre später wendet sich das Blatt. 2007 erhält Varsha völlig unerwartet Unterstützung aus der eigenen Familie ihres Ex-Mannes. Ausgerechnet ihr Schwiegervater liefert Hinweise, die frühere Aussagen seines Sohnes infrage stellen. „Es war also tatsächlich Zufall, dass mein Schwiegervater sich gemeldet hat und mir Beweise vorgelegt hat, die den vorherigen Aussagen meines Mannes widersprachen”, so die Britin. Den Unterlagen zufolge soll ihr Ex-Mann Millionenbeträge auf Offshore-Konten verborgen haben.

Varsha beantragt daraufhin die Wiederaufnahme des Verfahrens. Weil sie sich teure Anwälte nicht leisten kann, vertritt sie sich selbst vor Gericht.

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Der lange Weg zahlt sich aus

Doch auch danach geht der Kampf weiter. Weitere Verfahren gegen ihren Ex-Mann sorgen immer wieder für Verzögerungen. Anhörungen werden verschoben, Entscheidungen vertagt. Die Jahre vergehen. Erst 2025 kommt es zur entscheidenden Anhörung. Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Trennung fällt schließlich das Urteil. Varsha Gohil erhält 6,6 Millionen Pfund zugesprochen – umgerechnet rund 7,7 Millionen Euro. Für sie ist das weit mehr als ein finanzieller Sieg.

Ihr Fall verändert das Scheidungsrecht

Die Auswirkungen reichen weit über ihr persönliches Schicksal hinaus. Durch den spektakulären Fall wurde in Großbritannien ein wichtiger Grundsatz gestärkt. Wer bei einer Scheidung Vermögen bewusst verschweigt, kann sich künftig nicht mehr darauf verlassen, dass ein rechtskräftiges Urteil dauerhaft Bestand hat. „Ich bin stolz darauf, dass alles, was wir durchgemacht und erlitten haben, jetzt auch anderen Frauen helfen wird”, sagt die 61-Jährige.

Nach 23 Jahren hat Varsha Gohil nicht nur für sich selbst gewonnen. Ihr langer Kampf könnte künftig auch vielen anderen Betroffenen helfen, die bei einer Scheidung um ihr Recht kämpfen.

Verwendete Quellen: RTL-Recherche