TikTok, Instagram, WhatsApp und Co. Plötzlich passgenaue Werbung und Content! Hören uns Apps auf dem Smartphone ab?

von Anke Reichardt und Theresa Maas

Viele sind schon lange der Meinung: Das Handy belauscht uns!
Wieso sollte man sonst plötzlich Werbung oder personalisierten Content für Dinge bekommen, über die man gesprochen hat? Hersteller Apple bestreitet das, zahlt aber rund 95 Millionen Dollar, um einen Rechtsstreit zu dem Thema beizulegen. Jetzt haben vier Journalisten zum Thema Handy-Lauschangriff recherchiert und interessante Sachen herausgefunden. Im Video seht ihr die Ergebnisse des spannenden Experiments.

Heimliches Belauschen oder Zufall ‒ was können Handys?

Gleich vier Handys schicken die Journalisten ins Rennen. Zwei testen Social-Media-Apps wie Instagram, TikTok, WhatsApp und Co. – die anderen beiden Tester schauten sich Audio-Apps wie Shazam, Duolingo und Babbel an. In Gegenwart ihrer Handys sprechen sie über ein Thema, mit dem sie alle vorher nichts am Hut hatten: Angeln und Angelköder. Dazu hatte keiner von ihnen jemals etwas gegoogelt. Also reden sie fleißig darüber. Ohne etwas in den sozialen Medien zu liken oder zu kommentieren.

Lese-Tipp: Hört das Handy mit, wenn wir sprechen? Das große Experiment!

Und siehe da: Bei der App TikTok bekommt RTL-Journalistin Anke Reichardt erst plötzlich jede Menge Wasser-Content angezeigt ‒ und dann wenige Minuten später tatsächlich einen Tipp fürs Angeln. Ein Zufall? Das mag man kaum glauben. Auf Nachfrage versichert TikTok aber, dass keine Gespräche abgehört würden, und verweist auf einen hochintelligenten Algorithmus, den die App haben soll.

Experten können eventuelles Abhören sichtbar machen

Das Ergebnis des journalistischen Experiments hat auch Experten im Bundesverband für IT-Sicherheit neugierig gemacht, die im Auftrag von Bundesbehörden arbeiten. In einer speziellen Prüfstelle des Bundesamtes für Sicherheit in Stuttgart möchten Cybersicherheits-Experten die App TikTok unter professionellen Bedingungen überprüfen. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass bestimmte chinesische Unternehmen möglicherweise neugieriger seien als sie sollten, heißt es.

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Der Test vom Anfang wird wiederholt ‒ mit drei neu formatierten Handys, auf denen jeweils TikTok installiert wird. Die Experten des Bundesverbands hoffen, ein eventuelles Abhören sogar sichtbar machen zu können. Denn auf ihren Computern lässt sich farblich darstellen, wann genau Daten vom Handy an den Server geschickt werden. Dieses Mal drehen sich die Gespräche ums Töpfern, während fleißig bei TikTok gescrollt wird.

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So kann man sich bei der Handy-Nutzung schützen

Durch das Nutzen der App werden sekündlich Videos heruntergeladen, der Newsfeed wird ständig aktualisiert – dieser Datenverkehr ist laut den Experten bisher aber unauffällig. Es könnten Audiodaten fließen, müssen aber nicht. Das wisse man nicht. „Die App kann natürlich auch Audiodaten in dem Wust an Datenverkehr verstecken, das wäre definitiv möglich”, so Jan-Nicolai Braunmiller.

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Mit einem anderen Handy wird die App noch genauer unter die Lupe genommen. Die Experten möchten herausfinden, ob generell das Mikrofon angeht, wenn man nur scrollt und spricht. Aber: Entwarnung. Auch hier kann die These nicht bestätigt werden, dass eine App wie TikTok Audioinhalte mitschneidet. Ein bemerkenswertes Ergebnis. Hat TikTok ausgerechnet vielleicht jetzt nicht zugehört, beim ersten Test aber schon? Oder ist der Algorithmus tatsächlich so gut, wie TikTok sagt? Es sei durchaus möglich, dass man beim Scrollen unterbewusst verrate, was man sehen wolle, so die Experten. Wenn man nur einmal länger bei einem Video verweile, könnte die App demnach schon wissen, dass dieser Inhalt auf Interesse stößt. Schützen könne man sich davor nicht.

Wichtig aber: Wer bei Apps einen Kamera- und Mikrofon-Zugriff verhindern möchte, kann das immer ausschalten!