Ein Einkauf wird zum AlbtraumInfluencer filmt und verspottet Übergewichtige! RTL konfrontiert Sebastian Marquard

von Sascha Winkel und Denise Gatzweiler

Sie wollen einfach nur einkaufen – und landen plötzlich ungefragt vor zehntausenden Menschen im Netz.
Sebastian Marquard filmt fremde Menschen heimlich und veröffentlicht die Aufnahmen mit teils heftigen Kommentaren über ihr Gewicht. Eine der Betroffenen ist die 26-jährige Jenny, bei der die Clips Spuren hinterlassen haben. RTL konfrontiert den selbsternannten Gesundheits-Influencer mit den Vorwürfen. Wie er auf die Fragen reagiert und wie sich die Betroffenen jetzt gegen die Veröffentlichungen wehren, zeigen wir im Video.

Heimlich gefilmt und im Netz bloßgestellt: „Für mich ist quasi eine Welt zusammengebrochen“

„Ich drehe mich um, wenn ich zur Bushaltestelle laufe, weil ich immer Angst habe, dass mich jemand filmt.“ Es ist ein Satz, der zeigt, was ein einziges Video bei Jenny ausgelöst hat. Die 26-Jährige möchte in unserem Interview nicht mit ihrem Gesicht in die Öffentlichkeit. Denn genau darüber hatte sie schon einmal keine Kontrolle.

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Jenny war zum ersten Mal in einem Dortmunder Restposten-Supermarkt einkaufen, als sie dort heimlich gefilmt wird. Später taucht die Aufnahme im Internet auf – veröffentlicht von Sebastian Marquard. Der selbst ernannte Gesundheits-Influencer zeigt in seinen Videos immer wieder fremde Menschen und kommentiert unter anderem deren Körper und vermeintliche Ernährung. Das Video aus Dortmund erreicht mehr als 200.000 Aufrufe.

Als Jenny die Aufnahme sieht, begreift sie zunächst kaum, was passiert ist. „Ich habe das gar nicht so realisiert. Ich habe sofort meinen Stiefvater angerufen, weil der ist auch zu sehen. Der hat mich dann erst mal beruhigt, weil ich sofort angefangen habe zu weinen“, erzählt sie RTL. Mobbing wegen ihrer Größe und ihrer Statur kennt Jenny schon seit ihrer Kindheit. In den vergangenen Jahren habe sie sich psychisch wieder aufgebaut. Das Video wirft sie zurück. „Für mich ist quasi eine Welt zusammengebrochen“, sagt sie. „Mir ist noch nie passiert, dass ich gefilmt worden bin oder so krass verurteilt wurde.“

Dortmunder Supermarkt-Betreiber ist fassungslos

Jenny ist kein Einzelfall. Insgesamt acht Betroffene aus dem Supermarkt haben sich nach dem Vorfall zusammengetan. Unter ihnen ist auch der zwölfjährige Finn. Warum er überhaupt ungefragt in einem solchen Video auftaucht, versteht er bis heute nicht. „Doof. Sehr doof. Und ich frage mich einfach: Was haben wir ihm getan?“, sagt der Junge.

Aufmerksam auf die Aufnahmen wird auch Christoph Scheiding, Betreiber des Restposten-Marktes. Zunächst erkennt er nur seinen eigenen Laden. Dann hört er, wie über Menschen in seinem Geschäft gesprochen wird. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, erklärt Scheiding. „Ich musste wirklich dreimal hingucken.“ Er veröffentlicht ein Gegenvideo und ruft weitere Betroffene dazu auf, sich bei ihm zu melden. Außerdem bietet er ihnen Unterstützung durch seinen Anwalt an.

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Wer ist Sebastian Marquard?

Sebastian Marquard präsentiert sich in sozialen Netzwerken als Gesundheits-Influencer. Rund 70.000 Menschen folgen ihm dort. Immer wieder filmt er fremde Personen an öffentlichen Orten – etwa vor Fast-Food-Restaurants oder auf Volksfesten – und versieht die Aufnahmen mit seinen eigenen Kommentaren zu Gewicht, Ernährung und Gesundheit.

Kritik an seinem Vorgehen weist Marquard in den sozialen Medien zurück. Er erklärt, es gehe ihm darum, auf schlechte Ernährung und einen zu hohen Zuckerkonsum aufmerksam zu machen. Für Jenny und die anderen Betroffenen ändert diese Erklärung wenig. Sie haben den Aufnahmen nie zugestimmt – und müssen mit den Folgen leben.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche