Warum Crash-Diäten so gefährlich sindHerz-Probleme, Gallensteine und Co. – das passiert in eurem Körper, wenn ihr zu schnell abnehmt

Frau mit sehr schlanker Taille
Wer zu schnell Gewicht verliert, riskiert gesundheitliche Schäden (Symbolbild).
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Mehr als 1,5 Kilo pro Woche abnehmen? Keine gute Idee!
Viele Menschen möchten zwar so schnell wie möglich Gewicht verlieren, doch ein zu schneller Gewichtsverlust ist alles andere als gesund – und kann ernsthafte Folgen nach sich ziehen. Was in eurem Körper passiert, wenn ihr zu schnell abnehmt, und wie viele Kilos pro Woche wirklich empfohlen werden, verraten wir euch hier.

Folgen einer zu schnellen Gewichtsabnahme? Körper schaltet in den „Notfallmodus”

Möglichst schnell das Traum-Gewicht zu erreichen, ist oft das oberste Ziel aller Abnehmwilligen. Die Gesundheit wird dabei nicht selten hinten angestellt – ein fataler Fehler! Denn wer schnell abnimmt, freut sich zwar über die Zahl auf der Waage, wird aber schnell von den Grenzen des eigenen Körpers eingeholt.

Dieser kommt nämlich nicht so gut mit einem schnellen Gewichtsverlust klar und fährt erst einmal in den Notfallmodus, wie die Apotheken-Umschau im Gespräch mit Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, und der Ernährungswissenschaftlerin Kerstin Dobberstein berichtet.

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Nach Gahl bedeuten Crash-Diäten purer Stress für den Körper. Fehlt es an ausreichender Nahrungszufuhr, wird der Stoffwechsel heruntergefahren. Der Körper arbeitet dann nur noch auf „Sparflamme”, so Dahl. Müdigkeit, häufiges Frieren und ein verringerter Energieverbrauch sind die Folgen – letzteres bedingt den gefürchteten Jo-Jo-Effekt.

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Jo-Jo-Effekt nach schnellem Abnehmen: Crash-Diäten verringern den Grundumsatz

Bekommt der Körper zu wenig Energie, reduziert er einfach seinen Bedarf: Der Grundumsatz sinkt – verstärkt durch den Verlust von Muskelmasse, erklärt Dobberstein. Bei kurzfristigen Diäten verliert der Körper nicht nur Wasser und Fett, sondern auch wertvolle Muskeln. Diese sind als „Verbrennungsmotor“ entscheidend für den Kalorienverbrauch. Weniger Muskeln bedeutet also auch einen deutlich niedrigeren Grundumsatz. Letzterer begünstigt jedoch eine schnelle Gewichtszunahme, sobald die Person wieder in ihre alten Ernährungsgewohnheiten verfällt.

Wer immer und immer wieder Crash-Diäten wagt, riskiert zudem eine dauerhafte Verringerung seines Grundumsatzes – und zwar bis zu 40 Prozent, wie die Verbraucherzentrale warnt. In solchen Fällen benötigt der Körper viel Bewegung und Muskulatur-Aufbau, um seinen Grundumsatz langfristig wieder zu erhöhen – und dem Jo-Jo-Effekt zu entgehen.

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Mangelerscheinungen! Warum schnelle Diäten langfristig gefährlich sind

Crash-Diäten führen nicht zu einem langsameren Stoffwechsel und einem gesunkenen Grundumsatz. Auch die Mangelernährung ist ein ernst zu nehmendes Risiko. Eine Crash-Diät geht laut der Verbraucherzentrale schließlich mit einer oftmals extrem einseitigen Ernährung einher. Die Folge: Mangelerscheinungen! Bei eiweißarmen Crash-Diäten bestünde sogar innerhalb kürzester Zeit die Gefahr gesundheitlicher Schäden.

Neben Müdigkeit und Kopfschmerzen können Konzentrationsschwierigkeiten, eine verminderte Leistungsfähigkeit sowie Kreislaufprobleme auftreten. Auch Kerstin Dobberstein sieht die gefährlichen Folgen einer Mangelernährung durch Crash-Diäten, wie die Apotheken-Umschau berichtet. Knochenschwund, Immunschwäche sowie Schlaf- und sogar Herz-Kreislauf-Probleme – all das sind mögliche Folgen einer restriktiven Ernährung.

Wichtig: Neben den Beschwerden einer Mangelernährung können Crash-Diäten ebenfalls psychisch-bedingte Essstörungen wie Binge Eating oder Bulimie begünstigen, so die Verbraucherzentrale.

Gallensteine, Herz- und Nierenprobleme: So gefährlich sind Crash-Diäten laut Studien wirklich

In der Vergangenheit wurden die Auswirkungen drastischer Gewichtsreduktionen und Crash-Diäten bereits in verschiedenen Studien untersucht – mit beunruhigenden Ergebnissen.

So hat man laut dem Online-Portal Wissenschaft.de beispielsweise festgestellt, dass eine zu schnelle Gewichtsreduktion zu Gallensteinen führen kann. Sollten Abnehmwillige um mehr als sieben Kilo monatlich abnehmen, steigt die Entwicklungsrate neuer Gallensteine um fast 50 Prozent.

Lese-Tipp: Schmerzhafte Gallensteine vermeiden? So beugt ihr vor

Eine 2018 vorgestellte Untersuchung von Dr. Jennifer Rayner vom Oxford Centre for Magnetic Resonance der Universität Oxford offenbarte wiederum eine Verschlechterung der Herzfunktion infolge einer drastischen Gewichtsabnahme, wie das Fachportal SpringerMedizin berichtete. Bei den Probanden, die für acht Wochen lediglich 600 bis 800 kcal zu sich nahmen, verringerte sich zwar insgesamt der Fettgehalt des Körpers, im Herzen nahm dieser jedoch um unglaubliche 44 Prozent zu. Die Pumpfunktion des Herzens wurde damit schwächer.

Auch eine Studie an Ratten, die auf der Nachrichtenseite der American Association for the Advancement of Science (AAAS) EurekAlert veröffentlicht wurde, zeigt erschreckende Folgen bei drastischen Diäten und anschließendem Jo-Jo-Effekt: eine eingeschränkte Herz- und Nierenfunktion sowie eine gesteigerte Insulinresistenz, die in Zusammenhang mit Diabetes stehen kann.

Die genannten Studien zeigen übereinstimmend: Radikale Crash-Diäten mit rasantem Gewichtsverlust können ernsthafte gesundheitliche Schäden verursachen. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen sollten laut SpringerMedizin demnach Vorsicht bei Crash-Diäten walten lassen.

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Gesund und nachhaltig abnehmen? So viele Kilos pro Woche werden höchstens empfohlen

Obwohl es zunächst wenig klingt, lautet die Experten-Empfehlung für einen gesunden Gewichtsverlust: 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche, so die Barmer. Das heißt, wer langfristig gesund abnehmen möchte, sollte eine Gewichtsreduktion von höchsten vier Kilogramm pro Monat anstreben. So beugt ihr nicht nur dem ärgerlichen Jo-Jo-Effekt vor, sondern schadet eurem Körper auch nicht langfristig.

Verwendete Quellen: Apotheken-Umschau, Verbraucherzentrale, SpringerMedizin, EurekAlert, Wissenschaft, Barmer