Linken-Anfrage zeigt Risiko für Altersarmut

Zwei Drittel der Beschäftigten bekommen nicht mehr als 20 Euro Stundenlohn

Einkommen
© dpa, Arno Burgi

15. September 2020 - 13:30 Uhr

Auch für die Mittelschicht wird es mit der Rente eng

Reicht mein Gehalt, um gut durchs Alter zu kommen? Diese Frage haben sich viele von uns schon mal gestellt. Daten des Statistischen Bundesamtes aus einer Anfrage der Links-Fraktion, die RTL exklusiv vorliegen, zeigen jetzt: Nicht nur für Geringverdiener wird es eng.

15 Millionen Beschäftigte in Deutschland (38,8 Prozent) verdienen nicht mehr als 14 Euro pro Stunde – und damit zu wenig, um vor Altersarmut geschützt zu sein. Denn laut einer Berechnung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung brauchen Beschäftigte beim aktuellen Rentenniveau mindestens einen Stundenlohn von 14,40 Euro, um als Rentner über die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle zu kommen. Das gilt sogar nur für den idealen Fall: Vollzeit, 45 Beitragsjahre. Viele Arbeitnehmer arbeiten in Teilzeit und deutlich weniger Jahre. Für sie wird es noch schwieriger.

Links-Fraktion zeigt sich alarmiert

Die Anfrage der Linken zeigt auch: Zwei Drittel der Beschäftigten bekommen nicht mehr als 20 Euro Stundenlohn. Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, hält das für ein Alarmzeichen: "Die Geschichte vom Hochlohnland Deutschland ist für viele Erwerbstätige eine Mär. Wir haben sowohl ein gewaltiges Lohnproblem als auch eine Schieflage der Verteilung des erwirtschafteten Wohlstandes."

Frauen besonders betroffen

Die neuen Zahlen zeigen auch, wie viel weniger Frauen verdienen. Während 59,6 Prozent der Männer einen Stundenlohn von maximal 20 Euro haben, sind es bei Frauen 73,2 Prozent. Fast 45 Prozent von ihnen bekommen nicht mehr als 14 Euro die Stunde – liegen also im gefährdeten Bereich für Altersarmut.

Neues Risiko: Das Rentenniveau sinkt

Die Situation für viele Beschäftigte könnte in den kommenden Jahren aber noch schwieriger werden. Denn: Das Rentenniveau wird voraussichtlich deutlich sinken. Treten die Vorhersagen der Bundesregierung ein, ist im Jahre 2045 sogar ein Stundenlohn von 16,47 Euro nötig, um als Rentner nicht armutsgefährdet zu sein. Jeder zweite Beschäftigte hat heute ein Gehalt, das niedriger liegt.

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