Der Zusammenhang zwischen Zähnen und Organen

Zahn-Organ-Beziehung: Wie die Zähne unsere Gesundheit beeinflussen

Gesunde Zähne sind nicht nur für ein gepflegtes Äußeres wichtig: Die Zahngesundheit steht in enger Beziehung zu dem allgemeinen Wohlbefinden und den Organen.
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03. April 2020 - 13:47 Uhr

Wenn schlechte Zähne zur Gefahr werden

Dass eine Fehlstellung der Zähne für Rücken- oder Kopfschmerzen sorgen können, ist bekannt. Aber die Zähne können auch auf andere Organe und Körperfunktionen Einfluss nehmen. Ist das Zahnfleisch entzündet, können schwerwiegende Erkrankungen die Folge sein. "Wenn im Mund das Gleichgewicht auseinanderfällt, dann merkt man das im ganzen Körper", erklärt Zahnärztin Dr. Lea Wüsthoff.

Die Herd-Theorie: Mieser Sex wegen schlechter Zähne?

Schon klar: Oberflächlich gesehen sind schiefe und kaputte Zähne nicht gerade attraktiv und damit kein Erfolgsgarant, was Sex angeht. Aber wussten Sie, dass schlechte Zähne auch Ihre Geschlechtsorgane schädigen können? Entzündungen im Kiefer lösen nämlich oft Probleme an entfernten Körperstellen aus, zum Beispiel im Genitalbereich. Das besagt die "Herd-Theorie" der ganzheitlichen Medizin. Demnach ist ein Herd ein Ort bzw. ein Organ, das nicht nur selber krank ist, sondern auch andere Organe krank macht.

Herderkrankungen sind also Erkrankungen, deren Ursache nicht am erkrankten Organ, sondern an einem anderen Ort zu suchen ist. Und diese Ursache findet man manchmal sogar an einer Stelle, die gar keine Probleme oder Symptome verursacht - zum Beispiel an den Zähnen. Für welche Organe die Zahngesundheit eine besondere Rolle spielt, verraten wir hier.

Zahn-Organ-Beziehungen
Oberkiefer
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Zahn-Organ-Beziehungen
Unterkiefer
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Zahn-Organ-Beziehung: Der Einfluss der Eck- und Weisheitszähne

Es klingt verrückt, aber Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen können mit Problemen an den Weisheitszähnen zusammenhängen. Auch bei anderen Herzproblemen sollten Sie sicherheitshalber vom Zahnarzt Ihre Weisheitszähne checken lassen. Karies an den Zähnen kann sogar das Risiko eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts erhöhen. "Durch eine Zahnfleischentzündung, die auch in einer Paradentose enden kann, können die Keime in den Blutkreislauf und somit zum Herzen gelangen und sich dort in den Gefäßen absetzen", erklärt Dr. Wüsthoff. "Dann ist das Risiko für einen Herzinfarkt extrem erhöht."

Wenn die Eckzähne hingegen plötzlich Probleme machen, sollten Sie mal Ihre Leber und die Galle checken lassen. Die Eckzähne des Oberkiefers beeinflussen laut "Herd-Theorie" übrigens auch die Augen.

Darmprobleme: Der Ursache auf den Zahn fühlen

Darmprobleme: Frau hält sich den Bauch
Chronische Darmprobleme? Laut der Herd-Theorie könnte die Ursache bei den Zähnen liegen.
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Chronische Darmprobleme machen das Leben zur Qual. Die Ursache für Verstopfung oder Blähungen liegt zwar meistens im Verdauungstrakt, aber wenn andere Mediziner keinen Rat mehr wissen, versuchen Sie es doch mal mit dem Zahnarzt. Vielleicht schlagen Entzündungen der Zähne auf Ihren Verdauungsapparat.

Es geht aber auch umgekehrt: So schadet ein kaputter Magen nicht nur der Stimmung, sondern sogar den Backenzähnen. Deshalb werden diese auch als "Magenzähne" bezeichnet.

Zähne und Organe: Wenn Entzündungen im Mund beginnen

Viele Menschen leiden immer wieder unter hartnäckigen Nasennebenhöhlen- oder Kieferhöhlenentzündungen. Aber nur die wenigsten Patienten bringen wohl die Zähne damit in Verbindung. Doch vor allem Amalgamfüllungen sind Entzündungstreiber. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ursache im Ober- oder Unterkiefer liegt.

Auch Entzündungen im Herzen können von mangelnder Zahnhygiene ausgehen. Wenn sich Keime an der Herzinnenwand absetzen, kann das vor allem für Patienten mit Vorerkrankungen lebensgefährlich werden. Das können angeborene Herzfehler sein, oder wenn beispielsweise eine Herzklappe ersetzt wurde.

Haben Sie oft Ohrensausen oder heftige Ohrenschmerzen? Vielleicht hängt auch das mit ungesunden Zähnen zusammen. Mediziner bringen die Beißerchen häufig auch mit Ohrproblemen in Verbindung.

Gesundes Zahnfleisch: Besonders für Diabetiker ein Muss

Menschen mit Diabetes Typ 2 müssen ihr Zahnfleisch gut im Blick haben. Durch die erhöhten Zuckerwerte im Blut verkalken kleine Gefäße im Zahnfleisch schneller als bei gesunden Menschen. Durch die schlechtere Versorgung mit Nährstoffen ist das Gewebe anfälliger für Entzündungen.

Eine unbehandelte Parodontose oder eine andere Erkrankung des Zahnfleisches können zudem bei werdenden Müttern das Risiko auf eine Frühgeburt um das Siebenfache erhöhen. Das liegt daran, dass die Keime durch den Blutkreislauf zum ungeborenen Kind gelangen können.

Psychische Erkrankungen: Können unsere Zähne uns depressiv machen?

Eine schlechte Zahnhygiene kann auch psychische Erkrankungen nach sich führen. Selbst Depressionen können eine Folge sein, so Dr. Wüsthoff. "Man unterschätzt, wie sehr die Patienten darunter leiden." Oft seien es Angstpatienten, die sich dann nicht zu den Untersuchungen trauen. "Wenn das Gebiss nicht mehr in einem guten Zustand ist, leidet da auch das soziale Umfeld drunter", so Wüsthoff. "Und das kann dann auch auf die Psyche gehen."

Schlechte Zähne - schlechter Sex?

Bedeuten schlechte Zähne also auch schlechten Sex? Tatsächlich können Erektionsprobleme und andere Beschwerden im Genitalbereich manchmal auf die Beißerchen zurückgeführt werden. Achten Sie vor allem gut auf Ihre Schneidezähne - denn die beeinflussen den Hormonhaushalt und damit auch die Sexualität. Kinderlosigkeit oder Impotenz könnten durch kranke Frontzähne begünstigt werden. Also, ab zum Zahnarzt!

Wie schützt man sich vor diesen Folgen?

young girl in the bathroom body care
Die richtige Zahnpflege ist nicht nur für schöne Zähne wichtig: Ungesunde Zähne können auch für andere Organe Folgen haben.
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Gute Zahnhygiene fängt beim täglichen Putzen an. Auch der Einsatz von Zahnseide sollte nicht zu kurz kommen und selbst durch eine zuckerarme Ernährung können wir dafür sorgen, dass unsere Zähne und das Zahnfleisch gesund bleiben und somit auch einen guten Einfluss auf den Rest unseres Körpers haben.

Wichtig ist zur Vorbeugung aller genannten Krankheiten, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen und die Check-ups und Zahnreinigungen vornehmen zu lassen. Dadurch werden die verantwortlichen Bakterien deutlich reduziert und Probleme können vom Zahnarzt frühzeitig erkannt werden.