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Weil sie ein Kind bekommt: Selbstständige Tischlerin fürchtet finanziellen Ruin

Johanna Röh fordert Reform des Mutterschutzes

Weil sie ein Kind bekommt: Selbstständige Tischlerin fürchtet finanziellen Ruin

Johanna fordert eine Reform des Mutterschutzes Damit auch Unternehmerinnen Mütter werden können
00:56 min
Damit auch Unternehmerinnen Mütter werden können
Johanna fordert eine Reform des Mutterschutzes

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von Neele Knetemann und Metin Turan

Johanna Röh aus Alfhausen im Landkreis Osnabrück ist eine erfolgreiche Tischlerin und Unternehmerin. Trotzdem ist ihr Betrieb in Gefahr. Weil sie, wie sie selbst sagt, als schwangere Selbstständige zu wenig finanzielle Unterstützung erhält. Dass schwangere Unternehmerinnen benachteiligt werden, will sie ändern- nicht nur für sich selbst. Vor welchen Problemen Johanna Röh steht, zeigen wir im Video.

„Ich muss gucken, wie ich den Betrieb halten kann“

Johanna Röh legt Hand an in ihrer Tischlerei.
Johanna Röh legt Hand an in ihrer Tischlerei.
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Ihren Betrieb hat Johanna Röh seit etwa drei Jahren. In einer Scheune neben ihrem Wohnhaus hat sie ihre Werkstatt eingerichtet und dafür viel Geld investiert, auch Angestellte beschäftigt sie. Das Tischlerhandwerk ist ihr Traumberuf. Jetzt erwartet die 34-Jährige ihr erstes Baby. Die werdende Mutter freut sich auf ihr Kind, doch gleichzeitig fürchtet sie um die Existenz ihrer Tischlerei. „Die Fixkosten laufen weiter, ich kann aber nicht für mich selber sorgen“, erklärt Johanna Röh im Gespräch mit RTL Nord. „Und ich muss gucken, ob oder wie ich den Betrieb halten kann."

Johanna Röh: "Eine Schwangerschaft darf keine Existenzbedrohung darstellen"

Wäre Johanna als Tischlerin angestellt und nicht selbst die Chefin, würde sie ein Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft bekommen - die Arbeiten sind körperlich anstrengend und gefährlich. Angestellte Frauen mit Beschäftigungsverbot werden normal weiterbezahlt. Als Selbstständige hingegen kann Johanna Röh sich nur krankschreiben lassen. Das Krankengeld kommt allerdings erst nach sechs Wochen und reicht bei Weitem nicht, um alle Kosten zu decken, sagt Johanna Röh. "Ich glaube, dass vielen nicht bewusst sind, dass das für mich eine total krasse Chancenungleichheit bedeutet“, ärgert sich die Tischlerin im Gespräch mit RTL Nord. „Es ist ja nicht so, dass ich schon seit zehn Jahren meinen Betrieb habe und ich die Möglichkeit hatte, mir einen Puffer aufzubauen.“ Die Unternehmerin kritisiert: „Eine Schwangerschaft darf keine Existenzbedrohung darstellen.“

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Johanna Röh startet eine Petition zur Reform des Mutterschutzes

Johanna Röh fordert eine Reform des Mutterschutzes.
Johanna Röh fordert eine Reform des Mutterschutzes.
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Johanna Röh findet, dass sich etwas ändern muss und hat eine Petition gestartet. „Bei der Petition geht es einfach um eine grundlegende Reform von Mutterschutz, der eben auch selbstständige Frauen mit einschließt. Damit wir auch genauso abgesichert sind, wie die angestellten Schwangeren", erzählt die Unternehmerin. Schon fast 50.000 Menschen haben Johanna Röhs Petition unterschrieben. Unter anderem auch Frisörinnen oder freischaffende Künstlerinnen, die das Problem kennen und die gleiche Belastung haben: Verantwortung für sich, das Baby und Angestellte zu tragen.

Auch Unternehmerinnen sollen Mütter sein können

Johanna Röh hat Glück, dass sie finanzielle Hilfe bekommt: „Hätte ich nicht das Privileg, dass mich eine Stiftung unterstützt und mein Mann genug verdient, um mich während der Schwangerschaft mit zu versorgen, könnte ich mich während dieser Zeit weder selbst ernähren, noch die Fixkosten des Betriebes erwirtschaften.“ Gerade deswegen will Johanna Röh weiterkämpfen. Damit ihr Baby, wie sie selbst sagt, in einer Welt aufwächst, in der jede Frau ein Unternehmen gründen und gleichzeitig Mutter werden kann.