62-jähriger kam ums Leben

Wegen 250 Euro soll er sein Opfer getötet haben: 47-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

ARCHIV - 28.03.2022, Hamburg: Ermittler und Polizisten stehen an dem mit Flatterband abgesperrten Tatort. Ein Passant hatte am 28. März am frühen Morgen in Hamburg auf der Michelwiese einen leblosen Mann gefunden und die Polizei alarmiert.
Auf dem Heimweg in der Nähe des Michels wurde der 62-Jährige erstochen.
jwp cul let, dpa, Jonas Walzberg

Rubino S. soll sein Opfer zufällig ausgesucht, erstochen und danach ausgeraubt haben. Deshalb verurteilt das Landgericht Hamburg den 47-Jährigen am Freitag zu lebenslanger Haft wegen Raubmordes.

Mord aus Habgier und Heimtücke

Der mutmaßliche Täter trifft den 62-jährigen Portugiesen im März in einer Kneipe in Hamburg in der Nähe des Michels. Sie kommen ins Gespräch. Der 62-Jährige hat eine größere Menge Bargeld dabei, was ihn wohl zu einem perfekten Opfer macht, denn der Angeklagte leidet unter Geldsorgen.

Rubino S. habe den Geschädigten aus Habgier und heimtückisch erstochen und die Wehrlosigkeit ausgenutzt, weil dieser betrunken war, stellt die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer am Freitag vor der Urteilsverkündung klar.

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Angeklagter hatte Schulden

An dem verhängnisvollen Abend gibt der spätere Geschädigte seinem mutmaßlichen Mörder sogar zwei Bier aus. Laut Staatsanwaltschaft soll der 47-Jährige sein Opfer in der Kneipe öfter nach Geld gefragt haben, obwohl er ihn nicht kannte. Das haben mehrere Zeugen berichtet. Später soll der Angeklagte dann dem 62-Jährigen auf dem Heimweg in der Nähe des Michels aufgelauert und mit einem Messer auf ihn eingestochen haben, um ihm die 250 Euro zu stehlen. „Der Geschädigte starb noch innerhalb weniger Minuten am Tatort“, berichtet Staatsanwältin Lissa Ehmke am Freitag im Prozess. „Das Messer durchtrennte die Halsschlagader.“ Danach habe der Angeklagte Geld aus dem Portemonnaie seines Opfers gestohlen, ein Foto von dem Bargeld gemacht und jemandem geschickt, bei dem er Schulden hatte, um zu zeigen, dass er jetzt wieder über Geld verfüge. Danach habe er Drogen genommen. Schon bei Prozessbeginn gab der Angeklagte zu: "Alles was ich verdient habe, habe ich gebraucht, um Drogen zu kaufen.“

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Angeklagter: Es passierte aus Versehen

Der Angeklagte räumt vor dem Landgericht zwar ein, den 62-Jährigen tödlich verletzt zu haben. Es sei aber mehr ein Unfall gewesen. Seine Erklärung zum Tathergang wirkt allerdings kurios, laut ihm habe sich das Messer bei einem Sturz aus Versehen in den Hals des Opfers gebohrt. Dabei betont der Mann immer wieder, dass er das nicht gewollt habe und sich nicht mehr genau erinnern könne. Und das liege daran, dass er Kokain, Crack und Alkohol konsumiert habe. Im Prozess stellte Rubino S., durch eine Dolmetscherin übersetzt, dar: „Immer noch jetzt bitte ich die Familie des Opfers um Vergebung“. Aber dass es ein Unfall gewesen sein soll, wird vom Gericht als unplausibel, lebensfremd und abwegig bewertet. „Er begann einen klassischen Raubmord“, so die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung. (dpa/nid)