Wo steckt man sich am schnellsten an?

Was wir über Aerosole wissen müssen

Das Coronavirus wird im Wesentlichen über Aerosole übertragen. Dabei gibt es aber unterschiedliche Wege der Infektion.
Das Coronavirus wird im Wesentlichen über Aerosole übertragen. Dabei gibt es aber unterschiedliche Wege der Infektion.
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29. Juli 2021 - 8:43 Uhr

Wie lassen sich Infektionen durch Aerosole verhindern?

Aerosole tragen erheblich zum Infektionsgeschehen bei – das ist weitestgehend bekannt. Dennoch ist vielen nicht klar, inwieweit Aerosole genau für die Übertragung des Coronavirus verantwortlich sind. Nur rund 70 Prozent der Bevölkerung wissen bislang ausreichend über infektiöse Aerosole Bescheid, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). "Wer weniger weiß, schützt sich auch weniger." Das kann uns spätestens im Herbst und Winter mit einer möglichen vierten Welle aber ordentlich auf die Füße fallen. Die DFG hat darum jetzt ein wissenschaftliches Positionspapier veröffentlicht, in dem sie klärt: Wie lassen sich Infektionen durch Aerosole verhindern? Was sind eigentlich direkte und indirekte Infektionen? Und wo steckt man sich am schnellsten an?

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Direkte vs. indirekte Corona-Infektion

Je nachdem, wo man sich befindet, kann es zu direkten oder indirekten Infektionen mit dem Coronavirus kommen. Von einer direkten Infektion spricht man bei einer Übertragung des Virus direkt von Mensch zu Mensch, beispielsweise beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen über kurze Distanz (weniger als 1,5 Meter).

Diese ist laut DFG bereits möglich, wenn Menschen nur wenige Minuten miteinander ohne großen Abstand sprechen und beispielsweise im Büro, in der Schule oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zusammen sind.

Von einer indirekten Infektion spricht man bei einer Übertragung durch infektiöse Aerosolpartikel, die sich über mehrere Stunden in Innenräumen anreichern. Sind ausreichend Viren im Raum und befinden sich Menschen mehr als 15 Minuten in diesem, kann es auch bei Einhaltung von Abstandsregeln zu Ansteckungen kommen.

In Innenräumen oder im Freien - wo infiziert man sich wie?

Solange man sich in geschlossenen Räumen befindet, kann es also sowohl zu einer direkten (z. B. über das Sprechen an der Kasse, an der Hotelrezeption, beim Friseur, im Restaurant, im Büro oder in der Schule) als auch zu einer indirekten Infektion (über Aerosole im Raum in Schule, Kita, Restaurant, Büro, Geschäft oder im öffentlichen Nahverkehr) mit dem Coronavirus kommen. Hier sind entsprechende Hygienemaßnahmen also unbedingt erforderlich, um sich vor einer Infektion zu schützen. Die Übertragung des Coronavirus findet nach derzeitigem Stand der Forschung fast ausnahmslos in Innenräumen statt, so die DFG.

Was viele nicht wissen: Eine Infektion ist auch möglich, wenn man allein in einem Raum ist! Weil Aerosolpartikel mit der Luftbewegung auch große Strecken zurücklegen und die infektiösen Partikel über mehrere Stunden in der Luft bleiben, können wir uns sogar anstecken, wenn die "infektiöse" Person gar nicht mehr im Raum ist.

Aus diesem Grund kann es auch zu "Clusterinfektionen" bzw. "Superspreading-Events" kommen, so zum Beispiel in Altenheimen, Wohnheimen, Sammelunterkünften und Schulen – oder auch in Aufzügen. Auch bei starker Anstrengung und damit verstärkter Atemaktivität – beispielsweise bei Chor- und Orchesterproben, bei schwerer körperlicher Arbeit oder beim Sport im Fitnessstudio – kann das Risiko einer indirekten Infektion steigen.

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Anders sieht es im Freien aus: Draußen kann es laut DFG nur zu einer direkten Infektion kommen. Durch die starke Verdünnung der Virenlast und dem schnellen Abtransport durch Luftströmungen ist eine indirekte Infektion sehr unwahrscheinlich. Im Freien sind darum geringere Schutzvorkehrungen notwendig als in Innenräumen.

Zudem verhalten wir uns draußen anders als drinnen: "Im Freien gehen die Menschen gewöhnlich anderen Aktivitäten nach als in Innenräumen und verweilen in der Regel nicht über lange Zeit dicht beieinander wie z. B. in der Schule", so die DFG. Auch Kontaktzeiten sind im Freien kürzer, beispielsweise bei Begegnungen in Fußgängerzonen. Darum ist nicht nur das indirekte Infektionsrisiko sehr gering, sondern auch das direkte.

Ein direkte Infektion ist laut DFG nur dann im Freien möglich, wenn sich Menschen über kurze Abstände länger miteinander unterhalten oder lange dicht beisammensitzen oder beisammenstehen, wie beispielsweise im Biergarten, an der Bushaltestelle oder bei Open-Air-Veranstaltungen und Demonstrationen. Die freigesetzten Viren können so direkt über Aerosolpartikel von Mensch zu Mensch gelangen.

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Wie können wir uns in Innenräumen schützen?

Um die indirekte Infektionsgefahr in Innenräumen möglichst kleinzuhalten, rät die DFG, sich nur kurz dort aufzuhalten, regelmäßig zu lüften und fest installierte raumlufttechnische Anlagen oder mobile Raumluftreiniger zu nutzen. Auch ein Ventilator im Fenster kann das indirekte Infektionsrisiko reduzieren.

Ist keine ausreichende Lüftung möglich, sollen zusätzlich partikelfilternde Masken getragen werden. Am besten zum Selbstschutz geeignet sind zertifizierte FFP2-, KN95- und N95-Masken. Medizinische Gesichtsmasken (OP-Masken) und Mund-Nasen-Bedeckungen hingegen bieten keinen Selbstschutz vor indirekten Infektionen, weil die Aerosolpartikel am Maskenrand ungehindert ein- und ausströmen können.

Wie können wir uns in Außenbereichen schützen?

Zwar ist das Infektionsrisiko in Außenbereichen generell deutlich niedriger als im Innenbereich, dennoch kann man sich zusätzlich schützen. Die beste Methode ist hier: Abstand halten! 1,5 Meter sollten weiterhin an Bushaltestellen, in Warteschlangen, bei Open-Air-Veranstaltungen oder Demonstrationen eingehalten werden. Ist das nicht möglich, rät die DFG, auch im Freien Masken zu tragen. Hier bieten bereits einfache medizinische Masken oder gute Mund-Nasen-Bedeckungen einen Schutz gegen direkte Infektionen. (akr)

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