Sind Strafgebühren gerechtfertigt?

Was tun gegen geplatzte Arzttermine und lange Wartezeiten?

Termine beim Facharzt
Sind Strafgebühren gerechtfertigt, wenn Patienten einen Arzttermin nicht einhalten? Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Symbolbild
deutsche presse agentur

Versäumte Termine: Einige Ärzte fordern Ausfallhonorar

Schnell einen Termin beim Facharzt zu ergattern, ist für viele Kassenpatienten nicht leicht. In vielen Fällen sogar unmöglich. Da kommt es in den Praxen gar nicht gut an, wenn zum vereinbarten Datum einfach niemand erscheint - aus Vergesslichkeit oder weil doch etwas dazwischen kam. Einige Ärzte fordern nun sogar Strafgebühren für geplatzte Termine.

Wirtschaftlicher Schaden für Praxen

Kritisch sind versäumte Termine vor allem in vielen "Bestellpraxen", die nur feste Zeiten vergeben und keine offene Sprechstunde anbieten. Umso mehr, wenn es um ambulante Operationen oder Untersuchungen geht, für die Geräte und Personal vorbereitet werden. "Hier entsteht den Praxen ein echter wirtschaftlicher Schaden", sagt Dirk Heinrich, Chef des Verbands der niedergelassenen Ärzte NAV-Virchow-Bund. Auch wer über Telefon-Vermittlungen der Kassenärztlichen Vereinigungen Termine buche und dann "schwänze", handele unsolidarisch, kritisiert der Verband. So nehme man womöglich anderen Patienten einen Termin weg.

Laut Kassenärzte-Chef Andreas Gassen sind unentschuldigt nicht wahrgenommene Termine "durchaus ein Problem". Erste Angaben der Kassenärztlichen Vereinigungen schwankten von 5 bis fast 20 Prozent. Die niedergelassenen Ärzte berichten bei zentralen Telefonvergaben von 30 Prozent.

Sind Ausfallgebühren gerechtfertigt?

Unter Medizinern sorgt das für Frust. Der NAV-Virchow-Bund brachte schon befristete Sperren für Terminvergaben per Telefon-Vermittlung ins Spiel und macht sich auch für Ausfallgebühren stark. "Mit dem Signal einer solchen Gebühr setzen wir auf Lernerfolg bei Patienten", sagt Heinrich. Die Kassen halten dagegen. Bei den Vereinbarungen über Ärztevergütungen seien auch Zeiten mit nicht erscheinenden Patienten berücksichtigt.

Strafgebühren seien also nicht gerechtfertigt und führten eher zu einer Störung des Arzt-Patienten-Verhältnisses, warnt der Vize-Vorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Und mahnt: "Gerade weil Patienten trotz eines Termins immer wieder eine gefühlte Ewigkeit in Wartezimmern sitzen, sollten sich Ärzte beim Thema Termintreue zuerst an die eigene Nase fassen."

Auch die Verbraucherzentralen sehen es kritisch, wenn Ausfallgebühren gefordert werden. "Wird ein Routinetermin einmal versäumt, führt das üblicherweise nicht zu einem Schaden für die Praxis", sagt Expertin Fuhrmann. Da könnten der nächste Patient behandelt oder Verwaltung erledigt werden.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Digitale Hilfen für besseres Termin-Management

Um längeres Warten in der Praxis zu verhindern, setzen bereits viele Ärzte auf Erinnerungen zum Beispiel per SMS. Weitere digitale Lösungen dürften sich künftig noch mehr verbreiten. Termine seien damit überall und jederzeit buchbar, heißt es beim IT-Branchenverband Bitkom. Mit digitalen Planungsassistenten könnten sich Patienten auch schon frühzeitiger über mögliche Wartezeiten in der Praxis informieren.

Gesundheitsexpertin Petra Fuhrmann findet digitales Termin-Management biete Vorteile, müsse aber freiwillig bleiben. "Patienten müssen Termine weiterhin analog am Telefon oder in der Praxis vereinbaren können." Überhaupt mehr Termin-Spielraum soll der Bundestag kommende Woche beschließen . Unter anderem sollen Praxisärzte nach Plänen der Koalition dann mindestens 25 statt 20 Stunden pro Woche für Kassenpatienten anbieten müssen.

Quelle: DPA