Vermisste Achtjährige lebend im Böhmerwald gefunden

Einsatzkräfte nach Julias Rettung: „Wir lagen uns in den Armen, viele hatten Tränen in den Augen“

Vermisste Julia S. aus Berlin wurde nach 45 Stunden von einem Förster lebend gefunden.
Vermisste Julia S. aus Berlin wurde nach 45 Stunden von einem Förster lebend gefunden.
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13. Oktober 2021 - 18:32 Uhr

"Sie lebt!" - Emotionaler Moment für alle Helfer

Benjamin Schlegl war einer der 1.200 Einsatzkräfte, die 45 Stunden um das Leben der Achtjährigen bangten und hofften. Julia S. hatte sich bei einer Chercov-Wanderung von ihrer Familie entfernt und sich dann vermutlich im Böhmerwald verlaufen. Der Vorstand der Feuerwehr Waldmünchen beschreibt in der "Mittelbayerische" den einzigartigen Moment in der Einsatzzentrale, in dem offiziell bestätigt wird, dass Julia lebt. "Wir lagen uns in den Armen, viele hatten Tränen in den Augen."

45 Stunden Bangen und Hoffen für die Helfer

Unsere RTL-Reporterin vor Ort hörte am Dienstag um ca. 14 Uhr laute Jubelschreie, ab dann war klar: Julia wurde gefunden! Wenige Minuten später dann auch die erleichternde Nachricht: Sie lebt! Zwei Nächte hat die Achtjährige in einem der letzten Urwälder Europas durchgehalten und überlebt.

Auch für die Helfer war die Situation alles andere als einfach. Noch bevor Julia gefunden wurde, beschreibt Polizeisprecher Florian Beck die Gefühlslage der Einsatzkräfte: "Natürlich ist es für alle hier beteiligten Personen eine belastende Situation, wenn es um so ein junges Leben geht, alle tragen nach wie vor noch Hoffnung mit sich und sind ununterbrochen seit Sonntagabend im Einsatz, heute am Tag drei, in der Hoffnung Julia zu finden."

Drei Tage im Dauereinsatz - wie zermürbend das für jeden Beteiligten war, erzählt auch der Vorsitzende der Feuerwehr Waldmünchen, Schlegl, in der "Mittelbayerischen": "Man funktioniert nur noch", an Schlaf sei nicht zu denken. Es gehe ja schließlich um ein Menschenleben, um das eines Kindes.

Hundeführerin überglücklich, dass Julia S. lebend gefunden wurde: „Ich bin so wahnsinnig, wahnsinnig froh“

Eine Hundeführerin, die selbst Mutter zweier Kinder ist, beschreibt den ersten Gedanken, den sie hat, als sie erfährt, das Julia lebt: "Ich bin so wahnsinnig, wahnsinnig froh" und ihr zweiter Gedanke gelte Julias Papa und Mama: "Es muss die Hölle gewesen sein, die sie durchgemacht haben." Sie und ihre Kollegen seien überglücklich, "dass die Sache ein unerwartetes und umso glücklicheres Happy End genommen hat".

Der Optimismus sei mit jeder Stunde, die verging, geschwunden, denn nach zwei Nächten allein im Wald, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, war die Chance, dass Julia tatsächlich überlebt, sehr gering. "Wir haben schon fast nicht mehr daran geglaubt", so der Vorsitzende der Feuerwehr Waldmünchen in der "Mittelbayerischen".

Viele haben seit Sonntagnachmittag fast pausenlos durchgearbeitet, 45 Stunden lang. Dann endlich findet Förster Martin Semecky das achtjährige Mädchen im Böhmerwald. Er soll ihren Namen gerufen und sie solle genickt haben. (mca)