Der Regenwald steht in Flammen

Amazonasbrände: Was wir jetzt und hier tun können

© dpa, Victor Moriyama, flm

27. August 2019 - 8:28 Uhr

So kann jeder seinen Teil beitragen

Seit Wochen wüten im Amazonasgebiet unvorstellbare Brände und bringen die grüne Lunge unserer Erde in Gefahr. Denn der Regenwald ist als CO2-Speicher für den Kampf gegen den Klimawandel überlebenswichtig - weltweit! Deshalb ist die Antwort auf die Frage: "Was habe ich mit den Bränden auf einem anderen Kontinent zu tun?" Eine ganze Menge! Wir alle können und müssen handeln, um den Regenwald zu erhalten.

Das können wir alle hier in Deutschland tun, um die Lage zu verbessern

Wir können uns im Netz über die anhaltenden Brände im Regenwald informieren. "Global Forest Watch" hat eine große Karte der Brände veröffentlicht. Und jeder von uns kann seine Stimme erheben. Zum Beispiel, indem wir Social-Media-Beiträge zu den Bränden mit anderen teilen.

Man kann sich natürlich auch politisch engagieren: Zum Erhalt des Regenwaldes eine Petition unterschreiben oder eine Partei wählen, die sich für den Umweltschutz und den Erhalt des Regenwaldes einsetzt.

Auch Spenden an gemeinnützige Gruppen und Hilfsorganisationen, die den Amazonas bewahren wollen - wie die Rainforest Alliance, Greenpeace oder den WWF, sind eine große Hilfe.

Beim Essen fängt der Schutz des Regenwaldes an

Um die Lage von hier aus zu verbessern, sollten wir alle auf unseren Konsum im Supermarkt achten: Regionale Produkte, saisonale Angebote und Produkte von Unternehmen, die sich für verantwortungsvolle Lieferketten einsetzen, sollten im Warenkorb landen.

Fleischkonsum reduzieren

Die Rinderzucht ist ein große Einnahmequelle in Südamerika. Etwa 65 Prozent der abgeholzten Regenwald-Gebiete in Brasilien dienen der Rinderhaltung. Achten Sie beim Fleischkauf auf regionale Angebote von Fleischern in Ihrer Umgebung.

Eine noch nachhaltigere Alternative ist Bio-Fleisch. Diese Tiere dürfen nur mit Futter, das in Deutschland angebaut wurde, gefüttert werden. Denn: Hühner und Schweine werden bei Massentierhaltung in Deutschland oft mit Soja-Kraftfutter gefüttert, das ebenfalls aus dem Ausland kommt und für dessen Produktion der Regenwald, unter anderem in Brasilien, leidet.

Wer nur noch einmal pro Woche Fleisch isst, kann schon viel für die Umwelt tun. Wussten Sie schon, wie klimaschädlich eine Spaghetti Bolognese mit Rinderhack sein kann? 20 Prozent des CO2-Ausstoßes gehen darauf zurück. Die App "KlimaTeller" zeigt an, mit welchen Essen man besonders wenig CO2 produziert.

Sojaprodukte aus Südamerika reduzieren

Selbst eine vegane Ernährung mit Soja trägt erheblich zur Abrodung des Regenwalds bei. Generell ist der Soja-Anbau nicht zu verurteilen - es wird nur dann schwierig, wenn Regenwälder dem Anbau zum Opfer fallen. Heutzutage kommt die Hälfte der Sojabohnen-Ernte aus Südamerika. Wegen des warmen Klimas kann die Pflanze dort ideal wachsen. Wo vorher Regenwald war, wird sie heute in Monokulturen angebaut.

Viele Hersteller von Sojaprodukten für den deutschen Markt achten auf den nachhaltigen, gentechnikfreien Anbau. Soja-Produktionen aus EU-Ländern und teilweise aus Nordamerika gefährden den Regenwald somit nicht.

Auf Produkte mit nachhaltigem Palmöl achten

In den letzten Jahren wurden Millionen Hektar Regenwald abgeholzt oder abgebrannt, um Platz für Palmölplantagen zu machen. Durch die Palmöl-Produktion schrumpft auch seit vielen Jahren der Lebensraum von Orang-Utans. Weil es in so vielen Fertig-Produkten steckt, ist es schwer, den Überblick zu behalten. Selber kochen ist die Devise, dann weiß man auch genau, was drin ist. Wer nicht darauf verzichten kann, sollte beim Kauf auf Produkte mit nachhaltigem Palmöl achten.

Vorsicht beim Superfood Avocado

Auch die geliebte Avocado schneidet im Nachhaltigkeits-Check überhaupt nicht gut ab. Das Superfood wird größtenteils in Südamerika angebaut. Für die Ernte von einem Kilogramm Avocados werden an die 1.000 Liter Wasser benötigt. Die Avocado-Nachfrage steigt und immer mehr Waldflächen werden dafür gerodet. Also gilt hier ebenfalls: Gut drauf achten, wo die grüne Frucht herkommt. Denn: Bei Avocados mit dem EU-Bio-Siegel aus Spanien oder Israel wird deutlich mehr Rücksicht auf den Wasserverbrauch genommen.

Video: Waldbrände wüten in Brasilien

Wie schlimm die Auswirkungen der Feuer in Südamerika sind, macht unser Video deutlich.

Wasser aus der Leitung statt aus (Plastik-)Flaschen

Bei der Herstellung und dem Transport von Mineralwasser aus Flaschen wird extrem viel CO2 produziert. Das Leitungswasser in Deutschland ist genauso gut und gesund wie gekauftes Wasser. Es verringert Plastikmüll und beinhaltet sogar weniger Mikroplastik als Wasser aus Flaschen.

Recycling-Papier und kein Tropenholz

Greenpeace schreibt über unseren Papierverbrauch: "Deutschland verbraucht so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen. Unser Pro-Kopf-Verbrauch von Papier steigt kontinuierlich und wird mit 253 Kilogramm (2006) nur von wenigen Länder der Erde übertroffen." Für Papier werden immer noch zu viele Bäume verarbeitet. Durch recyceltes Papier werden die Wälder geschützt und bei der Produktion werden weniger Wasser und Chemikalien genutzt.

Nicht nur im eigenen Haushalt, auch bei der Arbeit sollte man den Papierverbrauch reduzieren. Ist es wirklich nötig E-Mails auszudrucken? Und wer kopieren muss, sollte das lieber doppelseitig tun.

Grillkohle oder Gartenmöbel aus Tropenholz

Amazonas-Regenwald-freundlich grillen wir, wenn wir Grillkohle aus Europa verwenden. Gleiches gilt für die schicke Bestuhlung von Balkon und Garten, dann muss kein Tropenholz fallen.

RTL-Wetter-Experte erklärt, wie wichtig der Regenwald ist

RTL-Wetter-Experte Oliver Scheel erinnert uns: "Wir brauchen den Regenwald zum Überleben. Er ist der größte CO2-Speicher der Welt. Niemand kann absehen, was passiert, wenn es den Regenwald nicht mehr gibt", sagt er. Denn ohne den Amazonas wäre der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten, schließlich bindet er mehr als 20 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes. "Der Regenwald ist unerlässlich für unser Klima. Wir brauchen ihn zum Überleben. Er lenkt Meeresströmungen und Winde. Er reguliert die Temperatur. Was da unten in Brasilien passiert, hat einen weltweiten Effekt."

Was können wir sonst tun?

Einen Baum pflanzen, so wie ein altes Ehepaar aus Brasilien oder auch die Menschen in Äthiopien. Das Land hat vor Kurzem in wenigen Stunden über 350 Millionen Bäume gepflanzt.

Wer auch bei Reisen generell auf seinen CO2-Fußabdruck achten will, sollte idealerweise weniger fliegen und lieber öfter mit der Bahn reisen.