WHO veröffentlicht erste Analyse

Wie gefährlich ist Mikroplastik im Trinkwasser?

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22. August 2019 - 14:42 Uhr

WHO-Analyse: Wie wirkt sich Mikroplastik im Trinkwasser aus?

Plastikmüll verschmutzt nicht nur unsere Ozeane, Flüsse und Landschaften. Auch wir selbst können nicht verhindern, dass Mikroplastik in unsere Körper gelangt - sei es über die Atemluft, unsere Nahrung oder das Wasser, das wir trinken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt zum ersten Mal analysiert, welche gesundheitlichen Folgen Mikroplastik im Trinkwasser haben könnte. Die Ergebnisse sind beruhigend - aber nur auf den ersten Blick.

Studienlage zu Mikroplastik in Trinkwasser noch sehr dünn

Das Gute vorweg: Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Mikroplastik im Trinkwasser gesundheitsschädlich ist. "Basierend auf den begrenzt verfügbaren Informationen scheint Mikroplastik im Trinkwasser auf dem jetzigen Niveau kein Gesundheitsrisiko darzustellen", sagt die WHO-Expertin Maria Neira. Andere Verunreinigungen des Wassers seien aus heutiger Sicht wesentlich bedeutsamer, erklärt WHO-Experte Bruce Gordon.

Grund zur Erleichterung gibt es aber nicht - denn bisher ist die Studienlage sehr dünn. Für ihre Analyse hat die WHO Ergebnisse aus 50 Studien zusammengetragen, von denen sich nur wenige gezielt mit Mikroplastik in Trinkwasser beschäftigen. Die Studien wurden zudem in erster Linie mit Mäusen und Ratten durchgeführt, die Ergebnisse sind nicht direkt auf den Menschen übertragbar. Deshalb müssen die Auswirkungen von Mikroplastik im Trinkwasser und mögliche daraus entstehende Gesundheitsrisiken noch viel genauer untersucht werden, erklärt die WHO.

In vielen Ländern kann Trinkwasser nicht ausreichend gereinigt werden

Oft ist auch nicht klar, woher das Mikroplastik im Trinkwasser eigentlich genau stammt. Wichtige Quellen seien Regen- oder Schmelzwasser und Abwasser. Aber auch hier seien die verfügbaren Studien zu lückenhaft, um das jeweilige Ausmaß dieser Zuflüsse genauer zu bestimmen oder die Quellen noch exakter zu erfassen. Eine Verschmutzung mit Mikroplastik könne auch bei der Behandlung, der Verteilung und dem Abfüllen des Wassers passieren. 

Mit einer fachgerechten Reinigung könne das Abwasser von 90 Prozent des Mikroplastiks befreit werden. Das gelte laut WHO auch für die Behandlung von Trinkwasser. Das Problem sei aber, dass ein Großteil der Weltbevölkerung aktuell kein angemessen behandeltes Wasser zur Verfügung habe. 

Mikroplastik-Teilchen auch im Schnee

Vor Kurzem hatte ein Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven berichtet, dass Mikroplastik-Teilchen im Schnee aus der Luft auf die Erdoberfläche rieseln - selbst in der abgelegenen Arktis. Die winzigen Teilchen werden in der Atmosphäre transportiert und können so über weite Strecken verteilt werden.

Nach Angaben australischer Forscher nehmen Menschen Tag für Tag Mikroplastik zu sich - sei es durch Nahrung, Trinkwasser oder durch bloßes Atmen. Bis zu fünf Gramm der winzigen Teilchen gelangen so pro Woche in den Körper. Das ist in etwa so viel, wie eine Kreditkarte wiegt.

Wie ist die Situation in Deutschland?

In deutschem Leitungswasser sei erheblich weniger Mikroplastik entdeckt worden als in Mineralwasser, sagte Martin Wagner von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim. Es sei davon auszugehen, dass Kläranlagen den Großteil der Plastikpartikel entfernen. Warum das Mikroplastik danach aber trotzdem wieder in die Umwelt gelangt, erklären wir im Video.

Quelle: DPA/ RTL.de