Dieses Verbrechen erschütterte Deutschland

Vor 20 Jahren wurde Jakob von Metzler ermordet

Inmitten von Blumengestecken und Kerzen liegt am 2.10.2002 vor dem Elternhaus des Mordopfers in Frankfurt am Main ein Bild des toten Jakob von Metzler. Die Leiche des Elfjährigen war am 1.10.2002 aus einem Waldsee bei Schlüchtern in Osthessen geborge
Inmitten von Blumen und Kerzen liegt am 2.10.2002 vor dem Elternhaus des Mordopfers in Frankfurt am Main ein Bild des toten Jakob von Metzler.
kd/rf, picture-alliance / dpa, Michael Hanschke

Es war eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte: die Entführung und Ermordung des elfjährigen Jakob von Metzler vor 20 Jahren. Bundesweit löste der Fall Trauer und Entsetzen aus. Auf dem Heimweg von der Schule wurde der Frankfurter Bankierssohn entführt mit dem Ziel, seine Eltern um eine Million Euro zu erpressen. Der Täter Magnus Gäfgen hat sich inzwischen einen neuen Namen gegeben. Der verschuldete Jurastudent erstickte den Elfjährigen schon kurz nach der Entführung in seiner Wohnung mit Klebeband. Eine Drohung beim Polizeiverhör zog eine kontroverse Folter-Debatte nach sich.

Jakob von Metzler getötet: Kindermörder Gäfgen wollte „luxuriöses Leben mit reichen Freunden“ führen

Der verurteilte Kindsmörder Magnus Gäfgen (r) wird am 10.10.2012 von einem Justizwachtmeister in den Saal des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main geführt. Gäfgen hatte vor zehn Jahren Bankierssohn Jakob von Metzler getötet. Wegen seinerzeit anged
Der Kindermörder Magnus Gäfgen (r) wird am 10.10.2012 von einem Justizwachtmeister in den Saal des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main geführt.
dpa, Boris Roessler

Jakob war bereits ermordet, als der Täter von den Eltern per Brief Lösegeld forderte. Bei der nächtlichen Übergabe an einer Haltestelle beobachtete ihn die Polizei, beschattete ihn und griff drei Tage später schließlich zu, nachdem Gäfgen keine Anstalten machte, die angebliche Geisel zu versorgen oder freizulassen.

Im Glauben, der Junge sei noch am Leben, drohten Polizisten Gäfgen mit der Zufügung von Schmerzen, damit dieser den Aufenthaltsort des Kindes verrät. Daraufhin nannte der Täter das Versteck. Zuvor hatte er die Polizei auf falsche Fährten gelockt. International wurde daraufhin diskutiert: Wie weit kann die Polizei in Situationen gehen, in denen Menschenleben in Gefahr sind?

Polizei drohte dem Entführer mit Schmerzen., weil sie dachte, dass Jakob noch lebt

Kamerateams filmen am 2.10.2002 einen Steg am Rande eines Waldsees bei Schlüchtern in Osthessen. Hier war am 1. Oktober die Leiche des ermordeten elfjährigen Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler gefunden worden. Unterdessen wurde ein 27-jährig
Kamerateams am Fundort der Leiche von Jakob (Archivfoto, 2.10.2002)
cu/sv, picture-alliance / dpa, Michael Hanschke

Die Leiche des Kindes wurde an einem See bei Schlüchtern in Osthessen gefunden. Seinen Mörder kannte der Junge flüchtig. So ließ er sich von dem damals 28 Jahre alten Gäfgen am 27. September 2002 in dessen Wohnung locken. Die alteingesessene Privatbankiersfamilie von Metzler gehört in Frankfurt zu den großen Mäzenen.

Das Frankfurter Landgericht sprach Gäfgen im folgenden Jahr schuldig. Der Täter habe ein „luxuriöses Leben mit reichen Freunden“ leben wollen, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Student habe den Tod des Kindes von Beginn an gewollt.

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Mörder erhielt Schmerzensgeld, weil ihm die Polizei drohte

Der Vizechef der Polizei von Frankfurt am Main, Wolfgang Daschner, steht am 24.2.2003 in seinem Dienstzimmer im Frankfurter Polizeipräsidium. In der heißen Phase des Entführungs- und Mordfalls Jakob von Metzler hatte die Frankfurter Polizei im Septem
Der damalige Frankfurter Polizei-Vizeche Wolfgang Daschner (Archivfoto, Februar 2003)
sm/rh, picture-alliance / dpa, Boris Roessler

Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld lautete das Urteil. Damit war eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Der Mörder legte zahlreiche Rechtsmittel ein, das Urteil wurde jedoch nicht aufgehoben. Seine Strafe verbüßt er in Kassel. Wegen der Androhung von Schmerzen beim Verhör durch die Polizei musste das Land Hessen Gäfgen auf sein Betreiben hin 3.000 Euro plus Zinsen Entschädigung zahlen. Seine Würde sei verletzt worden, hieß es im Urteil. Bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte war Gäfgen zwischenzeitlich gezogen.

Mörder von Jakob von Metzler bleibt bis 2025 in Haft

Auch die Androhung von Schmerzen im Verhör beschäftigte die Gerichte. Der Frankfurter Polizei-Vize Wolfgang Daschner, der selbst in einem Aktenvermerk auf diese „schwerste Entscheidung im Leben“ aufmerksam gemacht hatte, wurde wie der Vernehmungsbeamte zwar verurteilt, Geldstrafen wurden aber nur angedroht. Daschner wurde nach Wiesbaden versetzt - und befördert.

Der Täter, der seinen Namen im Hinblick auf seine Rehabilitierungschancen änderte, beantragte 2017 die Aussetzung seiner Strafe zur Bewährung.

Im Mai 2019 hatte das Landgericht Kassel eine Entlassung aus der lebenslangen Freiheitsstrafe abgelehnt und eine Mindestverbüßungsdauer von 23 Jahren festgesetzt, teilte ein Gerichtssprecher mit. Vor September 2025 sei damit keine Entlassung möglich. (dpa/uvo)