3D-Aufnahmen „schweben“ über dem OP-Tisch

Virtual Reality: Erste Herz-Operation mit VR-Brille in Deutschland

13. Januar 2020 - 18:29 Uhr

Ist das die Medizin der Zukunft?

Statt auf Monitore starrt die Chirurgin in die Luft, tippt sich durch ein unsichtbares Menü, zieht ein unsichtbares Bild mit den Fingern größer oder kleiner: Im Berliner Sana Klinikum Lichtenberg wird kein Science-Fiction-Film gedreht, sondern eine Herz-Operation durchgeführt – laut Chefarzt Dr. Olaf Going die erste dieser Art in Deutschland. Denn dabei tragen die Ärzte eine sogenannte Virtual-Reality-Brille, die 3D-Bilder aus dem Körperinneren des Patienten in ihr Blickfeld projizieren. Bestimmt diese Technologie die Medizin der Zukunft? Wie sie aussieht und welche Vorteile sie verspricht, zeigt Ihnen unser Reporter im Video.

Rauchentwöhnung, Demenz, Schmerztherapie: VR-Brillen erobern Gesundheitswesen

Aus der Gaming-Szene sind VR-Brillen bereits bekannt, doch inzwischen findet die virtuelle Realität, die sie abbilden, in immer mehr Bereichen Verwendung – zum Beispiel im Tourismus und bei der Rauchentwöhnung. Auch zu medizinischen Zwecken wird die Cyber-Brille mittlerweile eingesetzt. Nicht nur Patienten wie die Kinder in einem belgischen Reha-Zentrum setzen sie auf, um durch die entspannende 3D-Welt chronische Schmerzen besser ertragen zu können. Auch Demenzkranken werden die "Fenster" zur virtuellen Welt aufgesetzt, um Depressionen vorzubeugen.

Ärzte versprechen sich mehr Präzision und Sicherheit

Wenn es nach den Sana Kliniken in Berlin geht, soll die Technik bald auch im OP-Saal dauerhaft zur Ausstattung gehören: "Wir versprechen uns viele Vorteile von der Technik, weil wir die Anatomie der Patienten noch mal ganz anders sehen und darstellen können. Wir glauben auch an einen sehr positiven Effekt in der Weiterbildung, das heißt, wir können Kollegen damit auch trainieren und uns insbesondere durch die Verfügbarkeit der Bilddaten weltweit Expertenrat einholen. Insofern profitiert auch der Patient", so André Puchta, Pressesprecher der Sana Kliniken Berlin-Brandenburg.

Durch die VR-Brille könnten Mediziner in tausenden Kilometern Entfernung also live bei einer Operation dabei sein und die Organe aus jedem Blickwinkel genau betrachten. Die präzise Darstellung des 3D-Bildes kann auf lange Sicht sogar überflüssig machen, dem Patienten aufwändige Katheter zu legen, so Dr. Göing zur "Berliner Zeitung". Er hält Virtual Reality bei Operationen für eine enorme Innovation, die es weiter zu begleiten gilt.