Entertainment ist alles

US-Fans verlieben sich in die Formel 1

Die Formel 1 ist in den USA im Aufwind: Noch nie kamen so viele Zuschauer zum Circuit of the Americas wie in diesem Jahr
Die Formel 1 ist in den USA im Aufwind: Noch nie kamen so viele Zuschauer zum Circuit of the Americas wie in diesem Jahr
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24. Oktober 2021 - 20:33 Uhr

Büchsenfleisch und Boliden

Geoffrey Esper ist Max Verstappen und Lewis Hamilton schon einen Schritt voraus. Das Kraftpaket aus Oxford/Massachusetts darf sich seit Samstag schon "Weltemister" nennen, freilich nicht in der Formel 1. Esper gewann nach dem Qualifying zum Großen Preis der USA in Austin/Texas die Titelkämpfe im Büchsenfleisch-Wettessen. Mit randvollem Bauch bejubelte der 46-Jährige nach 13 Dosen den Sieg in der Major League Eating (MLE). Das Publikum johlte.

Glamour und Geld

Entertainment ist alles - nirgends gilt das so sehr wie in den Vereinigten Staaten. Die Formel 1 hat das verstanden. Dem eigenen Unterhaltungswert ist die neu entdeckte Liebe zu den USA aber nicht geschuldet. Der lukrative US-Markt bietet Glamour und Geld.

Vergangene Versuche, den in Europa geprägten Sport im Land von NASCAR und der IndyCar-Serie nachhaltig zu etablieren, scheiterten. Veranstaltungen wie das Farce-Rennen von 2005 in Indianapolis schadeten dem Ansehen der Königsklasse auf der anderen Seite des Atlantiks.

Das Interesse des US-Publikums ist aber nun wieder geweckt. Am Rennwochenende zählten die Veranstalter rund 360.000 Zuschauer. Auf den Zufahrtsstraßen standen Pick-up-Trucks Stoßstange an Stoßstange, auf den vollen Tribünen wurden Hot Dogs und Burger in rauen Mengen verzehrt. Zu sehen gab es viel. Das Wettessen "Spamarama", Billy Joel performte als Piano-Mann, und nebenbei raste auch die Formel 1 bei bestem Wetter über den Circuit of the Americas.

Bald sogar drei Rennen in den USA?

Ausverkaufte Ränge werden auch 2022 in Miami erwartet. In Florida wird dann das zweite US-Rennen stattfinden. Im Paddock gibt es eine einhellige Meinung über den US-Zuwachs. "Wir alle lieben es, herzukommen", sagt Sebastian Vettel. Weltmeister Lewis Hamilton meint: "Es ist ein so großes Land. Ein Rennen in den USA ist sicher nicht genug, es sollten mindestens zwei sein."

Oder drei? New York und Las Vegas stehen als mögliche weitere Gastgeber im Raum. Mit der Glücksspiel-Metropole in Nevada wurden in Austin angeblich Gespräche über ein Rennen im Jahr 2023 geführt.

Angetrieben wird der jüngste Formel-1-Boom nicht zuletzt durch die erfolgreiche Netflix-Dokuserie "Drive to Survive", die vor allem das junge Publikum anspricht. "Es ist ein großer Erfolg", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "Diese Leute haben den Fans einen neuen Blickwinkel ermöglicht."

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Nächste große US-Übernahme schon in Planung

Auch hinter den Kulissen steigt der amerikanische Einfluss in der vom US-Konzern Liberty Media geführten Formel 1. Der Traditionsrennstall McLaren verkaufte Ende 2020 Anteile an eine US-Investmentfirma (MSP Sports Capital). Vertreter des Williams-Teams bezeichneten den US-Grand-Prix nach der Übernahme durch die US-Investmentgruppe Dorilton Capital als zweites Heimrennen.

Die nächste große Übernahme ist schon in Planung. Ex-Formel-1-Pilot Michael Andretti (59) steht angeblich vor einem Millionendeal mit dem Schweizer Traditionsrennstall Sauber, der momentan unter dem Namen Alfa Romeo antritt.

Womöglich würde Andretti dann auch den ersten amerikanischen Stammfahrer seit Scott Speed (2007) in die Formel 1 holen. Hoch im Kurs steht dabei IndyCar-Youngster Colton Herta. Der 21-Jährige aus Kalifornien ist bei Andretti unter Vertrag und auch für den Indy-erfahrenen Fernando Alonso ein "guter und sehr talentierter Fahrer", wie der spanische Ex-Weltmeister sagte, "er wäre sicher eine Bereicherung für die Formel 1."

Der zweite Sitz bei Alfa Romeo neben Valtteri Bottas ist das letzte freie Cockpit für 2022. (sid/wwi)