Jetzt muss der Landwirt die Tiere wohl abgeben

Erschreckende Zustände auf Allgäuer Milchhof: Kälbchen kam in „See aus flüssigem Mist“ zur Welt

17. Januar 2020 - 10:47 Uhr

Tierschutz-Aktivisten machen schockierende Aufnahmen im Stall

Kühe, die sich nur noch hüpfend fortbewegen können, ein Kälbchen, das in einem "See aus flüssigem Mist" zur Welt kommt – was sich in einem Stall im Allgäu abgespielt haben soll, schockt selbst erfahrene Tierschützer. Aktivisten machten heimlich Aufnahmen auf dem Milchvieh-Hof in Eichholz (Dietmannsried). Ein paar der erschütternden Bilder zeigen wir im Video. Auch die Behörden haben jetzt durchgegriffen.

Behörden gehen auch gegen den Landwirt vor

Auf ihrer Facebook-Seite schreiben die Aktivisten von "Metzger gegen Tiermord", was sie bei ihrem verdeckten Einsatz in dem Milchviehbetrieb vorfanden. Eine Kuh sei gezwungen gewesen, ihr Baby in einem völlig verdreckten Stall zur Welt zu bringen. "Zwei Arbeiter warfen dieses frisch geborene Tier über das schmale Futterschild ihres Hofladers", beobachteten die Tierschützer. Dann seien die Männer mit hoher Geschwindigkeit weggefahren. Das Neugeborene habe dabei immer noch über dem Schieber gehangen.

Auch den Behörden sind die Zustände in dem Betrieb bekannt. Man habe versucht, den Landwirt mit Auflagen dazu zu bekommen, seine Tieren die notwendige Versorgung zukommen zu lassen, erklärte Anton Klotz, Landrat des Landkreis Oberallgäu. Am 8. Januar führte das zuständige Veterinäramt eine Kontrolle in dem Betrieb durch, der rund 480 ausgewachsene Kühe und 100 Kälber hält.

Viele Milchkühe waren verletzt, krank und unterernährt

Tierhaltungsskandal auf Milchviehhof im Allgäu
Kontrollen auf diesem Milchvieh-Hof in Eichholz ergaben, dass etwa die Hälfte der Kühe krank, verletzt oder unterernährt war.
© RTL

"Ich bin schlichtweg schockiert, was den Zustand des Betriebes als Stall anlangt und was den Gesundheitszustand des Viehs betrifft. So kann man Landwirtschaft nicht betreiben", sagte Klotz im RTL-Interview. Auch er bestätigt, was die Tierschützer bemängelten: Der Stall sei in einem "desolaten" Zustand gewesen. Der Liegeplatz der Tiere sei viel zu klein, daher wären auch die Kühe selbst stark verschmutzt und mit Kot beschmiert gewesen.

Wenn Rinder in so einem Dreck leben müssen, begünstige das Krankheiten, erklärt der Landrat. Die Tierärzte fanden mindestens die Hälfte der ausgewachsenen Tiere in Eichholz krank, verletzt oder unterernährt vor, wie Klotz erklärte. Viele hätten Probleme mit den Klauen gehabt. Das sei sehr schmerzhaft und führe dazu, dass die Kühe nicht mehr richtig auftreten könnten und weniger fressen würden. Die Tiere seien teilweise so schwer erkrankt gewesen, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Landratsamt bereitet Tierhalteverbot gegen den Landwirt vor

Für den Halter der Milchkühe hat das jetzt Konsequenzen. Trotz der Kontrollen habe der Landwirt nicht reagiert, erklärt der Landrat. Im Gegenteil: "Leider müssen wir feststellen, dass der Landwirt eine ausgeprägte Ignoranz an den Tag legt", erklärte Klotz im Interview. Er habe behauptet, die Zustände auf seinem Hof seien eine normale Entwicklung, wenn er wirtschaftlich arbeiten wolle. Auf RTL-Anfrage wollte er sich nicht äußern.

Noch sind die Tiere auf dem Hof. Das wird aber voraussichtlich nicht mehr lange so sein, denn der Landwirt wird seinen Betrieb jetzt wohl dicht machen müssen. "Die Qualifikation für die Tierhaltung sehen wir bei diesem Landwirt nicht mehr als gegeben", sagte Klotz. Jetzt soll ein Tierhalteverbot gegen den Mann ausgesprochen werden. "Das wird derzeit vorbereitet", erklärte der Landrat. Er gehe davon aus, dass der Milchhofbetreiber den Bescheid bis Ende der Woche erhält. Ab dann wird er eine Frist haben, in der er die verbleibenden Tiere verkaufen oder schlachten lassen muss. Behalten darf er die Kühe wohl nicht mehr.

Nicht der erste Tierhaltungsskandal im Allgäu

Mehrere Skandale in der Milchviehhaltung
Es ist nicht der erste Skandal in einem Milchvieh-Betrieb im Allgäu. (Foto: Motivbild)
© dpa, Rainer Jensen, rj

Besonders absurd: Obwohl der Hof bereits wegen der schlechten Haltungsbedingungen in die Schlagzeilen geraten war, wurde der Landwirt aus Eichholz noch mit einem Preis ausgezeichnet, berichtete die "Allgäuer Zeitung". Zwei seiner Milchkühe hätten letztes Jahr 100.000 Kilogramm Milch produziert. Dafür sei der Landwirt mit einer Urkunde geehrt worden.

Es ist nicht der erste Tierhaltungsskandal im Allgäu. Immer wieder machten in den vergangenen Monaten Höfe in der Region Schlagzeilen. Im Juli 2019 veröffentlichte die Organisation "Soko Tierschutz" Aufnahmen aus einem Stall in Bad Grönenbach (nur acht Kilometer von Eichholz entfernt), die ebenfalls erschreckende Tierquälereien zeigen.