Urteil am Bundessozialgericht in Kassel

Unfall auf dem Weg ins Homeoffice? Jetzt steht fest, wer zahlt!

In Zeiten von verstärkter Heimarbeit könnte dieses Urteil in weiteren Fällen eine wichtige Rolle spielen.
In Zeiten von verstärkter Heimarbeit könnte dieses Urteil in weiteren Fällen eine wichtige Rolle spielen.
© dpa, Finn Winkler, fgj axs exa

09. Dezember 2021 - 8:19 Uhr

Fall vor dem Bundessozialgericht in Kassel

Es ist eine wichtige Gerichtsentscheidung für Millionen Menschen, die gerade im Homeoffice arbeiten: Ist der Weg zum Schreibtisch gesetzlich unfallversichert? Um diese Frage ging es in einem Fall, der heute vor dem Bundessozialgericht in Kassel verhandelt wurde.

Ausgerutscht auf der Wendeltreppe: Kläger bricht sich die Brustwirbel

Geklagt hatte ein Gebietsverkaufsleiter im Außendienst aus Nordrhein-Westfalen. Der Mann war auf seinem Weg vom Schlafzimmer ins häusliche Büro (eine Etage tiefer) auf der Wendeltreppe ausgerutscht. Bei dem Sturz bracht er sich einen Brustwirbel. Die Berufsgenossenschaft lehnte finanzielle Leistungen ab. Die Begründung: Der Unfallversicherungsschutz beginne im Homeoffice erst mit Erreichen des häuslichen Arbeitszimmers. Der Mann zog vor Gericht. Während das Sozialgericht Aachen den erstmaligen morgendlichen Weg vom Bett ins Homeoffice als versicherten Betriebsweg ansah, beurteilte das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen ihn als eine unversicherte Vorbereitungshandlung, die der eigentlichen versicherten Tätigkeit nur vorausgehe.

Wichtiges Urteil für die Arbeit im Homeoffice

Bundessozialgericht
Das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel.
© deutsche presse agentur

Die höchsten Sozialrichter sagen jetzt aber: Das war ein Arbeitsunfall, weil es sich um einen Betriebsweg handelt. Da sich innerhalb der letzten Jahre die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice drastisch erhöht hat, könnte dieses Urteil in weiteren Fällen eine wichtige Rolle spielen. Arbeitnehmer im Homeoffice dürften hinsichtlich des Schutzes der gesetzlichen Unfallversicherung nicht schlechter stehen als Arbeitnehmer im Betrieb. Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung gelten als besser im Vergleich zu denen der Krankenkassen. (fge/dpa)