Neues Arbeiten nach Corona

In vielen Firmen wird Homeoffice dauerhaft bleiben

24. Juni 2021 - 9:11 Uhr

Ende der Homeoffice-Pflicht

Ende Juni läuft die Homeoffice-Pflicht für Unternehmen aus. Das heißt für viele Berufstätige: sie dürfen wieder zurück ins Büro. Aber Mancher ist auf den Geschmack gekommen, will weiter die Freiheiten im Homeoffice nutzen. Und viele Unternehmen reagieren schon. Denn die Pandemie hat unsere Arbeitswelt massiv verändert.

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Homeoffice ist das "neue Normal"

Das Bild ist da, nur der Ton zickt rum: "Du bist ganz abgehakt" sagt die Kollegin im Videochat. Christiane Krauskopf ruft sie dann doch übers Handy an. Der ganz normale Homeoffice-Wahnsinn. Aber die 39-Jährige hat sich daran gewöhnt. Sie findet es gut, dass "auf Arbeit" jetzt auch "zu Hause" ist: "Alleine schon die An- und Abfahrt beim Pendeln, das beträgt ungefähr zwei Stunden. Das spare ich an Zeit, die ich auch zu Hause sein kann. Oder das Geld für das tägliche Essen in der Kantine, das spare ich mir auch." Und ihre Katze freut sich auch. Zu Hause kann sich die Bürokauffrau sogar besser konzentrieren, sagt sie.

Unternehmen wollen Flächen anders nutzen

Zu Dienstbesprechungen schaltet sich Christiane Krauskopf online dazu. Ihr Chef Marc Schmitz hat eine Firma für Gebäudemanagement in Köln mit insgesamt 70 Mitarbeitern. Den 16 Kollegen aus der Verwaltung will er auch nach der Pandemie tageweise Homeoffice ermöglichen. Der Nebeneffekt: "Wir haben ungefähr 5 Büros, die wir nicht mehr nutzen, wegen Homeoffice und durch eine Umorganisation. Wir hatten schon überlegt, das erste Obergeschoss zu vermieten, weil wir die Arbeitsplätze einfach nicht mehr benötigen."

Zwar zeigt eine RTL-Forsa-Umfrage: Rund die Hälfte der Befragten macht kein Homeoffice, bei vielen gibt es der Beruf schlicht nicht her. Aber gerade in vielen Bürojobs geht es eben doch. Umfragen bei Unternehmen zeigen: Büros einfach abmieten wollen die wenigsten. Es geht darum, Flächen anders zu nutzen.

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Bunte Büros sollen Mitarbeiter aus dem Homeoffice locken

Die AXA Versicherung in Köln hat damit schon vor vier Jahren angefangen und die Büros komplett umgebaut. Jeder Besprechungsraum ist individuell gestaltet, mal im Stil einer Turnhalle mit Basketballkorb und Sprossenwand, mal als Werkstatt mit Schraubendrehern an der Wand. Andere Räume sehen aus wie Kaminzimmer. Es gibt auch Arbeitszonen mit "normalen" Schreibtischen. Aber kein Mitarbeiter hat einen festen Platz – das gilt auch für Vorstände. Vorbild sind US-Unternehmen wie Google und Facebook.

Die AXA-Versicherung in Köln hat ihre Büros kreativ gestaltet.
Die AXA-Versicherung in Köln hat ihre Büros kreativ gestaltet.
© RTL

Zwei Tage Homeoffice pro Woche waren bei AXA auch schon vor Corona möglich. Nach der Pandemie dürften viele Kollegen mehr einfordern, erklärt Jutta Solga, Head of Transition and Development. Das Büro werde immer mehr "Begegnungsstätte". Das sei wichtig für das Wir-Gefühl. Die Firma will dafür zu sorgen, "dass die Arbeitsumgebung attraktiv ist, dass ich auch einen Grund habe, hierher zu kommen. Durch Events, die wir veranstalten, mit einem Eiswagen, der auf dem Campus stehen wird, mit ganz vielen Kleinigkeiten, die Freude bereiten und einen Anreiz geben, ins Büro zu kommen."

Homeoffice mit klaren Regeln

Das Büro wird also eher Kollegen-Treffpunkt als reiner Arbeitsplatz. Der ist dann immer öfter zu Hause. Das heißt aber auch für den Arbeitgeber, dass er auch dort investieren muss, erklärt Rechtsanwalt Arndt Kempgens: "Der Arbeitgeber wird es sich nicht mehr so leicht machen können indem er sagt: 'Hier ist dein Computer, hier ist dein Sofa, da kannst Du arbeiten'. Das geht zu Corona-Zeiten, wird aber in Zukunft bei einer längerfristigen Regelung nicht gehen." So müsse der Arbeitgeber zum Beispiel für einen ergonomischen Schreibtischstuhl und Ähnliches sorgen.

Ende Juni läuft die Homeoffice-Pflicht für Unternehmen aus. Ein Ende der Heimarbeit bedeutet das aber nicht. In vielen Unternehmen fängt die Arbeit der Zukunft gerade erst an. (hwe)