30 Prozent in NRW in TeilzeitTrend zur Teilzeit wächst – aber der CDU-Wirtschaftsflügel will den gesetzlichen Anspruch jetzt abschaffen

von Vanessa Brodka

Immer mehr Menschen arbeiten in Teilzeit - auch in NRW, so Zahlen des Statistischen Landesamts. Für den Wirtschaftsflügel der CDU ist die Entwicklung problematisch, weil sie aus seiner Sicht den Fachkräftemangel verschärft. Deshalb wollen jetzt einige Politiker, den gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit abschaffen. Das soll aber nur für Leute gelten, die mehr arbeiten können, es nur nicht wollen.

Das steckt hinter dem CDU-Antrag

Viele Arbeitnehmer haben auf Teilzeit einen Rechtsanspruch. Ändern will das der Wirtschaftsflügel der CDU. Gemeint sind dabei nur Beschäftigte, die nicht Vollzeit arbeiten wollen, es aber könnten. Ausnahmen: Arbeitnehmer, die sich weiterbilden wollen, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Bei der Kritik an der Regelung ist von sogenannter Lifestyle-Teilzeit die Rede. Gitta Connemann (CDU) erklärt: „In diesen Fällen muss ein Arbeitgeber ein Mitspracherecht haben, denn es gibt Betriebe, die es nicht schultern können. Kolleginnen und Kollegen müssen Mehrarbeit leisten oder Aufträge können nicht abgearbeitet werden. In einer Zeit, in der unsere Betriebe ohnehin verzweifelt Mitarbeiter suchen.” Weniger Arbeit und mehr Freizeit wären weiterhin möglich, aber nur in Absprache mit dem Chef.

„Diese Regeln müssen reformiert werden“

Rund 30 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in NRW sind laut statistischem Landesamt in Teilzeit. Bei 29 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer in Deutschland ist das so ohne typische Gründe wie Kinder oder Fortbildung, so das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Mehr als 800.000 Erwerbstätige sind sogenannte Aufstocker. Sie haben einen Job, ihr Einkommen reicht aber nicht. Daher bekommen sie zusätzlich einen Teil des Bürgergelds - die meisten davon arbeiten in Teilzeit. Holger Schäfer vom Institut der Wirtschaft sagt: „Es lohnt sich nicht, aus diesem Minijob heraus mit zusätzlichem Bürgergeldbezug aufzusteigen in Vollzeit, sodass man rauswächst auch aus dem Bürgergeld-Bezug. Das lohnt sich kaum, weil das, was man dann zusätzlich in der Tasche hat, steht in keinem guten Verhältnis zu der zusätzlichen Arbeitszeit, die man dafür aufwenden muss. Diese Regeln müssen reformiert werden.” Weniger Arbeit führe zu weniger Wohlstand. Die Sozialleistungen sind dann nicht mehr zu stemmen, meint Holger Schäfer. Und die Wirtschaft schwächelt.

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Kritik von der SPD

Kritik für den Antrag kommt von der NRW-SPD. Im Bund bilden SPD und Union eine Regierung. Lisa Kapteinat, stellvertretende Fraktionsvorsitzende in NRW, findet den Vorschlag eine „absolute Unverschämtheit“. Der Antrag würde auch den Fachkräftemangel noch größer machen, denn einige Teilzeitbeschäftigte könnten dann gar nicht mehr arbeiten. Selbst die Christdemokraten sind sich nicht einig. Über den Antrag wollen sie Ende Februar auf ihrem Bundesparteitag abstimmen.