"Solche Methoden erinnern ans Mittelalter"

Umstrittene Praxis: Tote Krähen werden als Vogelscheuchen benutzt

Ein schweizer Bauer hängt auf seinem Feld tote Krähen auf, um andere Krähen damit abzuschrecken.
© 20MinutenSchweiz

03. Juni 2020 - 12:23 Uhr

Bauer hängt Krähen-Kadaver als Vogelscheuche auf

Diese Fotos sind nichts für schwache Nerven: Kopfüber baumeln tote Krähen von einer Eisenstange, die Füße mit Schnüren zusammengebunden. Bei einem Spaziergang machte ein Mann aus Grenchen in der Schweiz die grausige Entdeckung. Ein dort ansässiger Bauer benutzt die toten Tiere offenbar als Vogelscheuche.

Bilder der toten Krähen erhitzen die Gemüter

Ein Leser der Schweizer Boulevardzeitung "20 Minuten" hat die toten Krähen bei einem Spaziergang auf einem Feld in der Gemeinde Gossau im Schweizer Kanton Solothurn entdeckt und sich völlig empört an die Zeitung gewendet. "Ich war schockiert. Der Bauer hatte tatsächlich echte, tote Krähen als Vogelscheuchen an ihren Beinen aufgehängt."

Zunächst hatte der Leser gedacht, dass es sich bei den Tieren um Attrappen handelte. Doch dann wurde ihm die grausige Wahrheit bewusst: "Sie baumelten im Wind. Solche Methoden erinnern ans Mittelalter und sind einfach nur makaber." Zumal auch viele Familien mit Kindern am Feld vorbeilaufen würden: "Durch solche Aktionen werden nicht nur Krähen abgeschreckt, sondern auch Passanten und Kinder."

Praxis verstößt gegen Tierseuchegesetzgebung

Tote Krähen als Abschreckung
Die Tierkadaver wurden am Bein mit einem Seil gefesselt und aufgehängt.
© 20MinutenSchweiz

Immer wieder sorgen Bilder von kopfüber aufgehängten Vogelkadavern in der Schweiz für Empörung. Krähen sind für viele Landwirte eine Plage, da sich die Tiere an der Saat der Bauern zu schaffen machen. Und so greifen einige zu diesem drastischen Mittel, um die Vögel zu vertreiben. Immer wieder veröffentlichen Schweizer Medien Bilder von der grausigen Praxis.

Fest steht: Das Aufhängen solcher Tierkadaver als Abschreckung ist illegal, weil es gegen die Tierseuchegesetzgebung verstößt. Diese schreibt vor, dass Tierkadaver fachgerecht entsorgt werden müssen. "Das Aufhängen von Tierkadavern verstößt zwar nicht per se gegen die Tierschutzgesetzgebung, allerdings ist das Aufhängen von Kadavern aus tierseuchenrechtlichen Gründen nicht erlaubt", so der Kantonstierarzt Sascha Quaile gegenüber dem Schweizer Tagblatt.

Krähen sind zu schlau für den Bluff

Und eine weitere Tatsache lässt diese grausame Praxis noch sinnloser und lebensverachtender wirken: Sie hilft überhaupt nicht. "Krähen sind mit diesem entwürdigenden Umgang mit Lebewesen nicht nachhaltig von Feldern fernzuhalten", heißt es in einem von der Fachstelle Wildtiere des Schweizer Tierschutzes herausgegebenen Merkblatt.

Der Grund: Krähen sind sehr intelligente und anpassungsfähige Tiere. Sie lernen schnell, benutzen Werkzeuge zielgerichtet – und begreifen sogar Zusammenhänge. Und so durchblicken die Rabenvögel auch den Bluff mit den toten Tieren schnell und lassen sich von ihren toten Artgenossen nicht weiter abschrecken. Deshalb empfiehlt der Schweizer Tierschutzbund eher auf Abwechslung und Fantasie zu setzen, um die Krähen von den Feldern abzuhalten. Große Gasballons, farbige Plastikbänder, Windräder – und alles am besten kombiniert, helfe wirklich dabei, die Vögel nachhaltig zu vertreiben. Ohne dabei auf die entwürdigende Praxis der Tierkadaver zu setzen.

Im Video: Krähe hilft Igel über die Straße

Und Krähen sind nicht nur schlau, sondern auch hilfsbereit. Die Krähe in diesem Video ist auf jeden Fall für ihren Freund den Igel ein perfekter Partner beim Überqueren der Straße!