Studie macht Hoffnung - doch weitere Daten sind nötig

Um bis zu 12 Prozent! Grippeimpfung soll Demenzrisiko verringern

Kann regelmäßiges Impfen einer Demenzerkrankung vorbeugen?
Kann regelmäßiges Impfen einer Demenzerkrankung vorbeugen?
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14. September 2021 - 11:41 Uhr

Es wurden 12.000 Menschen untersucht

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz – regelmäßiges Impfen kann da möglicherweise entgegensteuern. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass regelmäßige Grippeimpfungen das Risiko für eine Demenzerkrankung um zwölf Prozent reduzieren können. Die Ergebnisse wurden von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie veröffentlicht. Untersucht wurden über 120.000 ehemalige US-amerikanische Militärangehörige mit einem Durchschnittsalter von 75,5 Jahren. Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, kann sie keinen Beweis, sondern nur eine Assoziation aufweisen. Doch DGN-Demenzexperte Prof. Dr. Richard Dodel aus Essen ergänzt dazu: "Auch experimentelle Studien haben auf einen Zusammenhang zwischen Impfungen und geringerem Demenzrisiko hingedeutet. Die Hypothese, die die aktuelle Studie generiert, lässt sich also auch pathophysiologisch begründen, flankiert durch tierexperimentelle Daten."

Studienteilnehmer wurden zehn Jahre lang beobachtet

Die Studienteilnehmer wurden zwischen dem 1. September 2009 und dem 31. August 2019 beobachtet. Zwei Jahre vor Beginn der Studie sowie zu Beginn durfte keine diagnostizierte Demenz vorliegen. Die Männer, 96,2 Prozent, und Frauen, 3,8 Prozent, wurden je nach Anzahl ihrer Grippeimpfungen in Gruppen eingeteilt. Anschließend wurde beobachtet, wie viele und vor allem welche Personen neu an Demenz erkrankten.

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Mit mehr als sechs Grippeimpfungen sank das Demenzrisiko um 12 Prozent

Nach den 80 Monaten Beobachtungszeit erkrankten 15.933 Studienteilnehmer neu an einer Demenz – aus der Analyse ging hervor: Wer während des Beobachtungszeitraums mehr als sechs Grippeimpfungen erhalten hat, hat ein um zwölf Prozent geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken, als Menschen, die sich weniger oder gar nicht haben impfen lassen. "Dieser Effekt ist nicht unerheblich. Bei jährlich etwa 330.000 Demenz-Neuerkrankungen in Deutschland könnten somit durch regelmäßige Grippeimpfungen fast 40.000 Menschen jährlich vor der Diagnose Demenz bewahrt werden. Allerdings muss man hervorheben, dass es sich hier um eine retrospektive Auswertung handelt, zwar eine mit einer hohen Zahl an Studienteilnehmenden und sorgfältiger Durchführung, die aber dennoch keinen Beweischarakter hat, sondern nur eine Assoziation aufzeigen kann", erklärt Prof. Dr. Dodel.

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"Wir brauchen nun weiterführende, prospektive Studien"

Alzheimer wird durch die Ansammlung des sogenannten Beta-Amyloids, das sich zwischen Nervenzellen ablagert, ausgelöst. Grippeimpfungen tragen möglicherweise zu dessen Abbau bei: "Die grundlegende Idee vieler Alzheimertherapien ist es, Beta-Amyloid aus dem Körper zu schleusen, bevor das Protein Schaden im Gehirn anrichten kann. Wenn prospektive Studien nun zeigen, dass wiederholte Grippeimpfungen genau diesen Effekt haben und Beta-Amyloid abbauen, wäre das ein Durchbruch für die Demenztherapie. Die vorliegenden Daten deuten darauf, haben aber noch keine Beweiskraft. Der beobachtete positive Effekt von Impfungen auf das Demenzrisiko könnte letztlich auch daran liegen, dass Menschen, die sich regelmäßig impfen lassen, auch sonst gesünder leben und somit ein geringeres Krankheitsrisiko haben. Daher brauchen wir nun weiterführende, prospektive Studien, um den Zusammenhang eindeutig zu klären", so Dodel. (jos)