Überzüchtet und überarbeitet

Hüftkrankes Hühnchen eiert jetzt auf Rädern durchs Leben

Cornys erste Schritte im Rollstuhl Aller Anfang ist schwer
01:08 min
Aller Anfang ist schwer
Cornys erste Schritte im Rollstuhl

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von Laura Klinghardt, Michelle Seidel und Christo Tatje

Jahrelanges Eierlegen hat bei dem Huhn ein Hüftleiden verursacht, das das selbstständige Gehen unmöglich macht. Doch dieses Hühnchen lässt sich noch nicht rupfen. Ein eigener Rollstuhl samt Futter- und Wasserschale soll Corny wieder mobil machen.

Im Video zeigen wir, wie die ehemalige Legehenne Corny ihre ersten Schritte im Rollstuhl macht.

Krankheit macht es dem Huhn schwer

Cornys Besitzerin Vanessa Haloui hat den Rollstuhl für ihren Schützling selbst gebastelt. Das Huhn ist von einer der häufigsten Geflügelkrankheiten betroffen, bei der sich das Hüftgelenk langsam auflöst. Die Tierschützerin sieht die Ursache in der Überzüchtung von Legehennen: „Die Tiere sollen künstlich gealtert werden, damit sie große Eier legen.“ Corny sei damals ohne Gefieder und völlig zerhackt zu ihr gekommen. Heute sieht man dem Huhn seine Vergangenheit glücklicherweise nicht mehr an.

Regelmäßig bekommt Corny Schmerzmittel

Corny bekommt von der Tierärztin Antibiotikum gespritzt.
Corny bekommt von der Tierärztin Antibiotikum gespritzt.
RTL Nord

In der Kleintierpraxis Dr. Fenske in Hamburg-Bergedorf ist Corny bereits Stammhuhn. Dort bekommt sie regelmäßig Schmerzmittel und Antibiotikum gespritzt, damit sich der Gelenkkopf in der Hüfte nicht weiter auflöst. Vanessa Haloui leidet dabei sichtlich mit: „Du tapferes Mädchen. Mir tut das viel mehr weh als dir.“ Seit sie 15 ist, betreibt die Aktivistin Tierschutz und sagt: „Ich habe keine leiblichen Kinder, aber ich habe ganz viele mit Fell und Federn oder Stacheln.“ Cornys Tierärztin befürwortet den Rollstuhl und hofft, dass die Medikamente den Zustand des Tieres langfristig verbessern können. Solange ist die Henne eben auf vier Rädern unterwegs.

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Corny darf den Anschluss nicht verlieren

Das geschätzt drei Jahre alte Huhn wird von Vanessa Haloui bei sich zu Hause gepflegt. Vor allem die Wärme tut Cornys Gelenken gut. Tagsüber darf sie aber ihre Hühnerkameraden in der Auffangstation Looki e.V. besuchen, da die Tiere als sehr gesellig gelten. Dort angekommen wird Corny sofort von ihren Artgenossen umringt. Die interessieren sich jedoch weniger für sie, sondern mehr für ihr Futter am Rollstuhl. Aus den Augen darf man Corny nicht lassen, denn die Tiere haben eine natürliche Hackordnung. Vanessa Haloui erklärt: „Hühner können ganz schön brutal werden. Kranke werden automatisch aussortiert.“

Der Rollstuhl soll keinesfalls eine Dauerlösung sein. Das Ziel ist, Corny irgendwann vollständig in die Gruppe zu integrieren, am besten auf zwei Beinen.