Tötete Hakan Aysal sie aus Habgier?

Kurz nach diesem Selfie war sie tot: Mann soll schwangere Ehefrau von Klippe gestoßen haben

19. Februar 2021 - 10:26 Uhr

Ehefrau für Lebensversicherung von Klippe gestoßen?

Lächelnd steht Semra Aysal neben ihrem Ehemann am Rand einer Klippe, tief unter ihnen rauscht das Meer. Das Paar lächelt für ein Selfie, Semra ist im siebten Monat schwanger, sie hält die Hand auf ihren Bauch. Kurz nach dem romantischen Foto sind sie und ihr ungeborenes Baby tot. Ihr Ehemann Hakan Aysal soll seine Frau in die Tiefe gestoßen haben. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Die letzten Bilder des Paares – im Video.

"Ich hörte meine Frau schreien"

Der Vorfall soll sich im Juni 2018 ereignet haben, als Semra und ihr Ehemann Urlaub an der türkischen Mittelmeerküste machten. Aufnahmen zeigen, wie Semra auf den Klippen oberhalb des sogenannten Schmetterlingstals umherwandert – ein Naturparadies in der Nähe der Stadt Fethiye, dessen Bucht nur per Boot oder zu Fuß erreicht werden kann. Hakan sagte aus, seine Frau habe ihr Telefon nach den Fotos zurück in ihre Handtasche gesteckt. "Später bat sie mich darum, ihr das Telefon zu geben. Ich stand auf und hörte meine Frau hinter mir schreien, als ich mich ein paar Schritte entfernte", zitiert ihn die "Sun". Nach Meinung von Hakan ist seine Frau ausgerutscht und von der Klippe gestürzt.

Die Staatsanwaltschaft zeichnet ein anderes Bild von dem Vorfall. Hakan soll seine Frau dazu gebracht haben, mit ihm drei Stunden auf der Klippe zu verharren, bis keine anderen Menschen mehr in der Nähe gewesen seien. Dann habe er die hilflose Frau aus Habgier 300 Meter in die Tiefe gestoßen um ihre Lebensversicherung in Höhe von knapp 47.000 Euro zu kassieren, die er zuvor für seine Frau abgeschlossen habe. "Der einzige Begünstigte war er selbst", zitiert "Hurryiet Daily News" aus der Anklage. Tatsächlich beantrage er kurz nach dem Tod seiner Frau die Auszahlung. Die Versicherung lehnte jedoch ab, als er als Tatverdächtiger in den Fokus der Ermittler rückte.

Bruder der Verstorbenen: "Hakan schien nicht einmal traurig zu sein"

In der Verhandlung vor dem Obersten Strafgericht von Fethiye kam auch der Bruder der Verstorbenen zu Wort. "Als wir zu Gerichtsmedizin gingen, um die Leiche abzuholen, saß Hakan im Auto", sagte Naim Yolcu laut der "Sun". "Unsere Herzen waren gebrochen, aber Hakan schien nicht einmal traurig zu sein." Seine Schwester sei immer dagegen gewesen, Darlehen aufzunehmen. Nach ihrem Tod hätte seine Familie jedoch erfahren, dass Hakan drei Kredite für Semra aufgenommen habe.

Hakan Aysal wurde im Zuge der Ermittlungen im November 2020 festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.