DWD geht von Windgeschwindigkeiten bis zu 400 km/h aus

Tornado fegt über Tschechien - Augenzeuge: „Dann begann die Hölle, alles flog herum“

26. Juni 2021 - 10:26 Uhr

Im Video: Tornado hinterlässt Schneise der Verwüstung in Tschechien

Ein heftiger Tornado ist am Donnerstagabend über den Südosten Tschechiens gefegt und hat mindestens drei Menschenleben gefordert. Das sagte eine Sprecherin der Rettungskräfte am Freitag. Sieben Dörfer in der Region Südmähren wurden dabei verwüstet. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt, davon mindestens zehn schwer. In anderen Medienberichten war von fünf Todesopfern die Rede. In mehreren Dörfern wurden Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zerstört und Autos umhergeschleudert. Bei dem Unwetter wurden sogar mehrere Busse umgestürzt.

Im Video sind Aufnahmen von Augenzeugen zu sehen, die den Tornado zeigen – außerdem wird auf Drohnen-Bildern das Ausmaß der Verwüstung deutlich.

Tschechien: Lage in der Unwetter-Region nach Wirbelsturm unübersichtlich

Ein Tornado verwüstete am Donnerstagabend Tschechien.
Ein Strommast in Tschechien knickte im Sturm ab.
© dpa, Šálek Václav, xrj

Die Rettungsdienste gehen von weiteren Todesopfern aus, die genaue Zahl sei allerdings noch nicht bekannt. Noch immer sind Menschen unter den Trümmern verschüttet. Ein Pressesprecher des Roten Kreuzes sagte dem ORF, dass die Lage vor Ort sehr unübersichtlich sei: "Die fünf Toten dürften verifiziert sein, aber was die Verletzten angeht, gehen die Meldungen weit auseinander. Einmal sind es drei, dann Hundert, dann Hunderte."

Der letzte große Tornado in Deutschland fegte 1968 über Pforzheim hinweg.

Hrusky durch Tornado verwüstet: „Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster“

Das Dorf Hrusky wurde von dem Tornado besonders schwer getroffen.
Unwetter in Tschechien: Menschen konnten sich nicht schützen, wie der stellvertretende Bürgermeister des Dorfes Hrusky berichtete.
© dpa, Vaclav Salek, xrj ost

Innenminister Jan Hamacek twitterte, die Lage in der Region sei ernst und alle Rettungsdienste im Einsatz. Die Situation dort sei wie in einem Krieg, beschrieb Gesundheitsminister Adam Vojtech die verheerende Lage im Fernsehen. "Das sind solche Kräfte, die dort entstehen, dass wirklich Autos Hunderte Meter weit durch die Luft fliegen, das Trümmerteile sich in Betonwände bohren", sagte Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes am Freitag. Er gehe anhand der Schäden, die er auf den Bildern aus Tschechien gesehen habe, von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde aus. Das sei "ein Tornado, der in dieser Stärke in Europa bisher nur selten vorkam".

Der stellvertretende Bürgermeister des Dorfes Hrusky sagte der Agentur CTK, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. "Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster", sagte er. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. In den Verwaltungsbezirken Breclav und Hodonin fielen nach Berichten in den sozialen Medien Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen.

Auch aktuell ziehen noch Gewitter über Tschechien

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Tschechien: Hagelkörner so groß wie Tennisbälle

Den ganzen Donnerstagabend waren die schweren Sommergewitter durch Südmähren, das für seine Weinanbaugebiete bekannt ist, gezogen. Gewitter und massiver Hagelschlag begleiteten das Unwetter. Die Notrufleitungen waren überlastet. In den Verwaltungsbezirken Breclav und Hodonin fielen nach Berichten in den sozialen Medien Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen. Am Schloss Valtice, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, entstand ein Schaden in Millionenhöhe. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert waren zahlreiche Fensterscheiben zerbrochen.

Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav und weiter in die Slowakei führt, war stundenlang nicht befahrbar. Eine Hochspannungsleitung war auf die Fahrbahn gestürzt. Am Morgen konnte eine Fahrspur freigegeben werden, es kam zu Staus. Landesweit waren noch rund 75.000 Haushalte ohne Elektrizität.

Augenzeuge berichtet von Panik und Chaos

Auf Bildern und Videos in den sozialen Medien ist eine gewaltige Windhose zu sehen. Der Wetterdienst CHMU bestätigte später, dass es sich um einen Tornado gehandelt habe. Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. "Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". "Dann begann die Hölle, alles flog herum." Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer.

Mehrere Rettungsstaffeln mit Hunden waren unterwegs ins Einsatzgebiet, um in Gebäuden nach möglichen Verschütteten suchen. Die Feuerwehr ging von Haus zu Haus. Auch aus dem benachbarten Österreich und der Slowakei waren Rettungskräfte zur Hilfe geeilt. "Hier herrscht großes Chaos, große Panik", sagte ein weiterer Augenzeuge in der Gemeinde Luzice dem Sender CT. Viele Häuser sollen einsturzgefährdet sein. Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten.

Tornado zieht auch über Österreich

Nicht nur Tschechien war vom Tornado stark betroffen Auch in Österreich hagelte es schwer.
Unwetter in Tschechien: Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen kamen in Tschechien und in Österreich runter.
© dpa, Šálek Václav, xrj nic

Auch im benachbarten Österreich richteten Hagelunwetter nach Angaben der Agentur APA schwere Schäden an. In Ober- und Niederösterreich sei allein in der Landwirtschaft ein Schaden von 28 Millionen Euro zu beklagen, erklärte demnach ein Sprecher der Hagelversicherung. Tennisballgroße Hagelkörner zerstörten zudem Hunderte von Dächern und beschädigten zahlreiche Autos. Die Dächer seien regelrecht durchlöchert worden, hieß es. Mehr als 1600 Feuerwehrleute waren dort im Einsatz.

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(dpa/rtr/kfb/jgr)