Eiscreme, Backwaren und Co.

Zahlreiche Rückrufe wegen krebserzeugendem Ethylenoxid - was steckt dahinter?

Im europäischen Schnellwarnsystem zu Lebens- und Futtermitteln (RASFF) sammeln sich seit Anfang Juli mehr als 100 Warnmeldungen zu Ethylenoxid.
Im europäischen Schnellwarnsystem zu Lebens- und Futtermitteln (RASFF) sammeln sich seit Anfang Juli mehr als 100 Warnmeldungen zu Ethylenoxid.
© imago/Jochen Tack, imago stock&people

29. August 2021 - 13:52 Uhr

Immer mehr Rückrufe wegen Ethylenoxid

Snickers, Seitenbacher, Nudeln und veganer Käse – all dies geriet jüngst in die Schlagzeilen. Grund: Es soll sich das krebserzeugende Gas Ethylenoxid darin befinden oder damit in Berührung gekommen sein. Manche Hersteller riefen ihre Produkte deswegen zurück, andere weigerten sich. Doch was ist überhaupt Ethylenoxid und wie kommt es in die Lebensmittel, obwohl es in Deutschland verboten ist?

Liste an belasteten Produkten ist lang

Zuletzt rief Rossmann in einigen Bundesländern sein Produkt "WellMix Balance Shake Berry Star" wegen einer Ethylenoxid-Grenzwertüberschreitung zurück. Vor einigen Tagen traf es veganen Käse von Vefo, genauso wie Tasty Bites Fertig-Curry-Gerichte, die bei Rewe, Edeka und Real verkauft wurden.

Auch das baden-württembergische Lebensmittelunternehmen Seitenbacher bleibt nicht verschont. In den Produkten "Fitness-Riegel ohne Schoko 50g" und "Fitness-Riegel mit Schoko 50g" könne eine geringe Belastung des gesundheitsschädlichen Wirkstoffs Ethylenoxid nicht ausgeschlossen werden, hieß es von Unternehmensseite. Ebenso Instant-Nudeln und Bio-Müsli wurden aus dem gleichen Grund in diesem Jahr zurückgerufen.

Sie merken, die Liste ist lang und sie scheint immer länger zu werden. Allerdings entscheiden sich nicht alle Hersteller dafür, betroffene Produkte aus dem Regal zu nehmen. Zum Beispiel sind betroffene Snickers Ice Cream-Produkte noch immer zu kaufen.

Was ist Ethylenoxid?

Ethylenoxid ist ein farbloses Gas und wird dazu genutzt, Lebensmittel zu besprühen, damit hierbei Pilze oder Bakterien abgetötet werden. Wegen der sterilisierenden Wirkung wird es häufig als Desinfektionsmittel eingesetzt – aber nicht in Deutschland! Denn hier ist es seit 1981 verboten.

Seit 1991 ist es in der gesamten EU nicht mehr erlaubt, weil: Es ist krebserregend und erbgutschädigend. Das Bundesamt für Risikobewertung spricht sogar von "krebserzeugend".

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Wie kommt das Gas trotzdem in die Lebensmittel?

Trotz Verbot in Deutschland und der EU sind von der Belastung mit dem Gas einige Lebensmittel betroffen. In asiatischen Ländern wird Ethylenoxid noch eingesetzt. So gelangt es zum Beispiel über Gewürze nach Deutschland. Zuletzt spielte dabei auch das Verdickungsmittel Johannisbrotkernmehl (E410) eine zentrale Rolle – so auch bei Snickers Eis.

Außerdem ist Johannisbrotkernmehl in Konfitüren, Fleisch- und Backwaren enthalten. Im europäischen Schnellwarnsystem zu Lebens- und Futtermitteln (RASFF) sammeln sich seit Anfang Juli mehr als 100 Warnmeldungen zu Ethylenoxid. Es könnten also künftig noch weitere Produktrückrufe folgen. (mol)