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Top-Virologe Drosten macht Schluss: „Die Orientierung ist jetzt wieder gegeben“

Letzte Folge seines Podcasts

Top-Virologe Drosten macht Schluss: „Die Orientierung ist jetzt wieder gegeben“

 Virologe Christian Drosten, aufgenommen im Rahmen der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespraesidenten im Paul-Loebe-Haus in Berlin, 13.02.2022. Neben dem Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier treten zur Wahl an Gerhard Trabert, unterstuetzt von Die
Virologe Christian Drosten rät auch für den kommenden Sommer zum Tragen von Masken in Innenräumen.
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Sommer, Sonne, coronafreie Sause? In den vergangenen Jahren hatte das immer seine Gültigkeit. Doch weil die Omikron-Variante sehr ansteckend ist, rät Deutschlands Corona-Experte Nr. 1, Christian Drosten, im „Coronavirus-Update“-Podcast jetzt schon dazu, im Sommer nicht auf FFP2-Masken in Innenräumen zu verzichten. Nur so sei ein effektiver Schutz gegen Infektionen gegeben. In dieser Folge gab der Virologe auch bekannt, dass er sich ab jetzt wieder ganz der Forschung widmen wolle – und dass es der letzte Podcast sei. Denn die Orientierung sei jetzt wieder gegeben – und die Politik am Zuge.

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Impffortschritt nicht ausreichend

Trotz sinkender Corona-Infektionszahlen in Deutschland geht der Virologe Christian Drosten davon aus, dass man sich auch im Sommer mit der Omikron-Variante des Virus wird anstecken können. Zum einen sei der jetzige Impffortschritt nicht ausreichend, zum anderen sei die Infektionstätigkeit durch Omikron weiter hoch, sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité am Dienstag im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info. „Deshalb gehe ich davon aus, dass es keinen infektionsfreien Sommer geben wird.“

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Omikron-Ansteckungen auch im Sommer möglich

Drosten gab zu bedenken, dass beispielsweise in Südafrika die Omikron-Welle mitten im Hochsommer steil gestiegen sei. Er gehe im Sommer in Deutschland zwar nicht davon aus, dass man eine „ungebändigte“ Welle sehen werde, aber „man wird sich auch im Sommer mit diesem Omikron-Virus anstecken können“. Entsprechend halte er es auch im Sommer für ratsam, weiter in Innenräumen Masken zu tragen. Besonders das Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen sei auf lange Sicht „die effizienteste Maßnahme überhaupt“.

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Winter 2022/2023: Arbeitsausfälle im großen Stil

Mit Blick auf im weiteren Jahresverlauf wieder sinkende Temperaturen äußerte Drosten die Einschätzung, es werde auch wieder zu einer Winterwelle kommen. Diese werde zwar nach seiner Hoffnung nicht mit einer schweren Krankheitslast in der Bevölkerung einhergehen, die Gefahr von Arbeitsausfällen im großen Stil werde es aber weiter geben. „Die Pandemie ist nicht nur vorbei, wenn durch die Impfung die Krankheitsschwere abgeschnitten ist, sondern wenn durch bestimmte Modifikationen in der Bevölkerung auch diese hohe Übertragbarkeit beendet ist“, mahnte er.

Omikron-Subtyp BA.2 bleibt Unsicherheitsfaktor

Ein Unsicherheitsfaktor für die Entwicklung bleibe der wohl noch leichter übertragbare und sich immer weiter ausbreitende Omikron-Subtyp BA.2, erklärte Drosten. In seinem aktuellen Wochenbericht weist das RKI den Anteil in einer Stichprobe positiver Befunde mit etwa 24 Prozent aus.

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Drosten sagte, aus bisherigen Studiendaten aus mehreren Ländern lasse sich zunächst nicht sicher ableiten, ob BA.2 zu schwereren Krankheitsverläufen führe. Die Daten hätten noch sehr vorläufigen Charakter. Allerdings hoffe er auf Erkenntnisse aus Hongkong, wo viele Ältere sehr zögerlich mit der Impfung gewesen seien und sich unter Omikron in dieser Gruppe nun eine schwere Krankheitslast zeige.

Omikron: Booster-Wirkung der 3. Impfung so gut wie angepasster Impfstoff

Trotz der bereits erfolgenden Anpassung der Impfstoffe auf Omikron bekräftigte Drosten seinen Appell, sich zunächst mit den schon vorhandenen Impfstoffen impfen und boostern zu lassen. Eine US-Studie mit Makaken habe etwa gezeigt, dass die Booster-Wirkung einer dritten Impfung mit dem Moderna-Vakzin gegen Omikron gleich gut wie die mit einem für Omikron angepassten Impfstoff sei. Zwar ließen sich daraus für Menschen noch keine konkreten Schlüsse ziehen. Drosten riet aber klar: „Man soll nicht warten, man soll die dritte Dosis ruhig mit dem alten Impfstoff nehmen. Auffrischen kann man immer noch.“

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Drosten verabschiedet sich vom Podcast: „Ist nicht mehr viel zu sagen“

Gleichzeitig gab der Virologe in dem Podcast bekannt, dass es die letzte Folge des Updates gewesen sei und er sich nun wieder ausschließlich der Forschung widmen wolle. „Ich habe doch schon stark das Gefühl, dass die Orientierung jetzt wieder gegeben ist und dass es doch ganz glimpflich gelaufen ist mit Omikron, hinsichtlich der Krankheitsschwere als auch hinsichtlich der guten Schutzwirkung der Impfung, wie wir sie jetzt haben“, begründet Drosten seine Entscheidung dort.

Der nächste Informationszwischenstand werde irgendwann im Laufe oder eher Ende des zweiten Quartals zu den Themen Update-Impfung und deren Nutzen kommen. „Bis dahin ist, glaube ich, nicht mehr viel zu sagen“, so Drosten weiter. „Und ich sehe auch nicht, dass das ein Grund wäre, diesen Podcast jetzt weiter zu verlängern, denn ich bin ja nicht daran interessiert, eine Medienfigur zu sein.“ (dpa/ija)

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