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Tabu in der Schwangerschaft: Wie Lakritz und Co. der Intelligenz des Ungeborenen schaden

Finger weg von diesen Lebensmitteln

Wie Lakritz und Co. der Intelligenz Ihres ungeborenen Babys schaden

Es kommt jedoch nicht nur darauf an, was, sondern auch, wie viel wir essen.
Herausforderung und Chance zugleich: Was wir in der Schwangerschaft essen, kann die Intelligenz des Ungeborenen beeinflussen.
ABC, istockphoto.com

von Nora Rieder

Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit. Die meisten werdenden Mütter wollen alles dafür tun, um ihrem Baby einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Ernährung. Bestimmte Lebensmittel können nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Intelligenz des Baby beeinflussen – und zwar positiv wie negativ. Auf diese Lebensmittel sollten Sie in der Schwangerschaft besser verzichten.

Ernährung in den ersten 1.000 Tagen hat maßgeblichen Einfluss auf das weitere Leben

Fakt ist: Die Ernährung in den ersten 1.000 Lebenstagen stellt die Weichen für das gesamte spätere Leben. Wer sich in der Schwangerschaft und Stillzeit ausgewogen ernährt, minimiert dadurch nicht nur das Risiko für Übergewicht beim Baby, sondern beugt auch der Entwicklung von Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Asthma vor.

Dabei zählen die 1.000 Tage nicht erst ab dem Zeitpunkt der Geburt, sondern bereits in der Schwangerschaft. Denn schon im Mutterleib bildet der Embryo Vorlieben aus – alles, was die Mutter isst, bekommt und prägt auch das Baby. Das erklärt, warum eine gesunde und ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft so wichtig ist.

Dabei gilt: Essen Sie möglichst gesund und abwechslungsreich, aber machen Sie sich nicht verrückt. Auch ein Schokoriegel oder ab und zu mal Pommes, Kuchen oder Eis sind vollkommen in Ordnung, solange Sie überwiegend zu frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln greifen. Vor allem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten täglich auf dem Speiseplan stehen, genauso wie reichlich Wasser. Tierische Produkte wie Fleisch, Eier und Fisch und gesunde Fette sollten Sie hingegen nur in Maßen genießen.

Darüber hinaus gibt es jedoch auch Lebensmittel, die nicht nur der Gesundheit des Kindes schaden, sondern auch dessen geistige Entwicklung bremsen.

Lese-Tipp: Was sind Entwicklungsverzögerungen beim Baby und wann machen sich diese bemerkbar?

Lakritz kann geistige Entwicklung des Ungeborenen beeinträchtigen

Bei den einen sind es saure Gurken, die anderen entwickeln in der Schwangerschaft ein großes Verlangen nach Chips, die nächsten nach Buttermilch: Bei jeder Schwangeren äußert sich der berühmt-berüchtigte Heißhunger anders. Wer jedoch Appetit auf Lakritz bekommt, sollte vorsichtig sein und diesem nur in Maßen nachgeben.

Lakritz enthält Süßholzwurzelsaft und der wiederum den Süßstoff Glycyrrhizin. In einer finnischen Langzeitstudie konnte im Jahr 2017 nachgewiesen werden, dass dieser sich negativ auf die Entwicklung des ungeborenen Babys auswirken kann. Demnach wiesen Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft pro Woche mehr als 500 mg Glycyrrhizin verzehrt hatten, später Verhaltens- und Konzentrationsprobleme auf.

Das liegt daran, dass Glycyrrhizin die Plazenta für Stresshormone der Mutter durchlässiger macht. Folglich steigt auch die Cortisolkonzentration im Organismus des Ungeborenen, Das wiederum kann sowohl die körperliche als auch kognitive Entwicklung des Babys beeinträchtigen. Die Forscher der Universität von Helsinki konnten nachweisen, dass sowohl die Gedächtnisleistung als auch die Intelligenz der Kinder und Jugendlichen von Müttern, die während ihrer Schwangerschaft viel Lakritz zu sich genommen hatten, in Intelligenztests im Durchschnitt um bis zu sieben IQ-Punkte schlechter waren. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Glycyrrhizin auch das Risiko für eine Frühgeburt steigern kann.

Daher gilt: Bei Lakritz ist weniger eindeutig mehr. Riskant wird es laut den Wissenschaftlern ab einer Menge von etwa 500 mg Glycyrrhizin pro Woche. Das entspricht in etwa 250 Gramm Lakritz.

Lese-Tipp: Frühförderung ja oder nein? So können Sie Babys richtig fördern

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Obst und Gemüse immer gut waschen

Obst und Gemüse gelten zu Recht als gesund: Sie liefern nicht nur viele Vitamine, sondern versorgen den Körper auch mit wichtigen Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Diese haben vielfältige Funktionen im Körper und schützen beispielsweise vor freien Radikalen, die bei Stress, beim Sport oder aber durch UV-Strahlung entstehen.

Mit den empfohlenen fünf Portionen am Tag beugen Sie Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch Übergewicht vor. Denn je mehr gesunde Lebensmittel unseren Magen füllen, desto weniger Platz bleibt für ungesunde Lebensmittel. Zudem tragen die reichlich enthaltenen Ballaststoffe zu einer längeren Sättigung bei und beugen ganz nebenbei Heißhunger vor.

Allerdings sollten gerade Schwangere Obst und Gemüse immer waschen. Denn: Bestimmte Pestizide (Pflanzenschutzmittel) können den IQ des Kindes beeinflussen. Amerikanische Forscher der University Berkeley, der Columbia University und des Mt. Sinai Medical Center in New York konnten in einer Studie nachweisen, dass sogenannte organische Phosphate die Hirnentwicklung des Ungeborenen während kritischer Entwicklungsphasen stören können.

Das wiederum beeinflusst auch den IQ negativ: So war der Intelligenzquotient ihres Kindes im Alter von sieben Jahren im Durchschnitt 5,5 Punkte niedriger als bei normal entwickelten Kindern in derselben Altersgruppe, wenn die Mutter eine zehnfach erhöhte Menge von organischen Phosphaten zu sich nahm. Der Intelligenzquotient sank sogar noch weiter ab, wenn die Mutter noch mehr Pestiziden ausgesetzt war.

Daher gilt: Waschen Sie Obst und Gemüse immer gut. Bestenfalls benutzen Sie auch eine Bürste zum Putzen von Gemüse und Obst. Alternativ können Sie zu Bio-Obst und -Gemüse greifen. Bei Bio-Produkten ist der Einsatz von Pestiziden nämlich verboten. Da Pflanzenschutzmittel auf Basis von organischen Phosphaten in Deutschland und in der Europäischen Union verboten sind, kann auch der Einkauf von einheimischem Obst und Gemüse Schwangere schützen.

Lese-Tipp: Dreckiges Dutzend: Diese 12 Obst- und Gemüsesorten enthalten besonders viele Pestizide

Alkohol ist in der Schwangerschaft tabu

Trinken ist wichtig. Gerade in der Schwangerschaft hat unser Körper viel damit zu tun, die Nährstoffe zu transportieren und Mutter und Kind gleichermaßen zu versorgen. Schwangere sollten in erster Linie zu kalorienfreien Getränken wie Wasser und ungesüßten Früchtetees greifen. Auch Kaffee ist in Maßen erlaubt: Ärzte empfehlen allerdings, nicht mehr als 300 mg Koffein pro Tag, das entspricht etwa zwei Tassen Kaffee pro Tag.

Alkohol hingegen ist grundsätzlich tabu. Denn Alkohol gelangt über die Plazenta unmittelbar in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes. Folglich trinkt das Kind mit und ist genauso alkoholisiert wie die Mutter. Dadurch wird die Entwicklung der Organe, vor allem des Gehirns und des Nervensystems, gestört. Das sogenannte Fetale Alkoholsyndrom (FAS) äußert sich durch Merk- und Lernschwierigkeiten und eine eingeschränkte Impulskontrolle. Zudem sind die Kinder mit FAS oft hyperaktiv und haben Schwierigkeiten dabei, Handlungen zu planen oder aus Fehlern zu lernen.

Da schon geringste Mengen Alkohol in der Schwangerschaft beim Ungeborenen zum Fetalen Alkoholsyndrom führen können, sollten werdende Mütter auch auf das Kochen mit Alkohol oder alkoholhaltige Pralinen beispielsweise verzichten.

Auch auf Energy Drinks sollten Schwangere verzichten. Sie enthalten nicht nur hohe Mengen Koffein, sondern auch Taurin und Inosit, die den kindlichen Hirnstoffwechsel negativ beeinflussen können.

Lese-Tipp: Allergierisiko beim Baby senken: Warum die Ernährung in der Schwangerschaft so wichtig ist

Verzichten Sie auf rohe Lebensmittel

Vorsicht ist auch bei Fleisch, Wurst und Fisch geboten. Zumindest dann, wenn es sich um Rohwurst oder rohen Fisch handelt. Während Mortadella beispielsweise zu den Brühwürsten zählt und entsprechend erhitzt wird, zählt Salami zur Rohwurst. Diese wird nicht erhitzt, weswegen durch sie Keime und Parasiten übertragen werden können. Schwangere sollten diese Produkte deshalb nicht essen.

Neben Salami gilt das Verbot auch für Teewurst, Schwarzwälder Schinken, Lachs- und Parmaschinken sowie Mett. Auch halbgegarte Fleischsorten und rohe Pökelfleischprodukte sollten in der Schwangerschaft tabu sein. Rohe Fleisch- und Wurstprodukte können eine Toxoplasmose auslösen. Erfolgt die Infektion in der Schwangerschaft, kann dadurch das Gehirn des Fötus schwer geschädigt werden.

Auch auf Austern, Krabben, Räucherlachs, Rollmops und Sahnehering sollten Schwangere verzichten. Da Thunfisch, Rotbarsch, Hecht und Schwertfisch oft stark mit Quecksilber belastet sind, sollten Schwangere auch diese Fischarten nur in Maßen genießen.

Erlaubt hingegen sind Brühwürste, Kochwürste und gegarte Pökelfleischprodukte. Dazu zählen zum Beispiel gekochter Schinken, Bierschinken, Fleischwurst, Wiener Würstchen, Leberkäse und Leberwurst.

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Konsumieren Sie Softdrinks nur in Maßen

Dass Zucker Übergewicht und die Entstehung von Karies fördert, ist nicht neu. In einer Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston konnte nun auch der Zusammenhang zwischen einem hohen Zuckerkonsum – sowohl in der Schwangerschaft als auch in den ersten Lebensjahren - und der kognitiven Entwicklung des Kindes nachgewiesen werden. Dafür wurde die Ernährung der Kinder dokumentiert. Anschließend wurde untersucht, wie sich die geistigen Fähigkeiten der Kinder im Alter von drei und sieben Jahren entwickelt haben.

In der im „American Journal of Preventive Medicine“ veröffentlichten Studie zeigte sich: Je mehr Zucker die schwangeren Frauen in Form von Softdrinks getrunken hatten, umso schlechter hatten sich die kognitiven Fähigkeiten ihrer Kinder entwickelt. Sie zeigten ein schlechteres Erinnerungsvermögen und auch eine weniger gut ausgeprägte non-verbale Intelligenz. Und auch die feinmotorischen Fähigkeiten dieser Kinder waren weniger stark entwickelt.

Daher gilt: Verzichten Sie auf stark gezuckerte Lebensmittel wie Softdrinks, Fertigkuchen und Co. Sie enthalten viele Kalorien, viel Fett, liefern dafür jedoch keine Nährstoffe. Optimalerweise sollte es genau andersherum sein – erst recht in der Schwangerschaft.

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In den ersten drei Lebensjahren wächst das Gehirn am schnellsten

Dass die Ernährung die Intelligenz beeinflusst, gilt übrigens auch später. Im Rahmen der Langzeitstudie „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ wird die langfristige Gesundheit von 14.000 Kindern untersucht. Dabei stellten britische Forscher der University of Nottingham fest, dass die Ernährung einen maßgeblichen Einfluss auf die Intelligenz von Kindern hat. Die Wissenschaftler fassten ihre Ergebnisse im Fachmagazin „Journal of Epidemiology and Community Health“ im November 2021 folgendermaßen zusammen: Je ge­sün­der die Er­näh­rung be­son­ders in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren war, des­to hö­her punk­te­ten die Kin­der im In­tel­li­genz­test.

Demnach sorgt eine Ernährung, die viel Zucker und ungesundes Fett enthält, sowie vorwiegend aus verarbeiteten Nahrungsmitteln besteht, für einen niedrigeren Intelligenzquotienten (IQ). Währenddessen kann eine Ernährung, die reich an Nährstoffen und Vitaminen ist, die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit im Laufe der Kindheit steigern. So kann die heutige Ernährung eines Dreijährigen den Intelligenzquotienten, den er mit achteinhalb Jahren haben wird, beeinflussen.

Die Erklärung: In den ersten drei Lebensjahren wächst das Gehirn am schnellsten. Daher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit vielen Omega-3-Fettsäuren, komplexen Kohlenhydraten und ausreichend Eisen sowie wenig verarbeiteten Lebensmitteln eine optimale Entwicklung des Gehirns – und damit auch der Intelligenz – begünstigt.

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