Allergierisiko beim Baby senken

Warum die Ernährung in der Schwangerschaft so wichtig ist

Die Ernährung in der Schwangerschaft beeinflusst auch das Allergierisiko des Babys.
Die Ernährung in der Schwangerschaft beeinflusst auch das Allergierisiko des Babys.
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14. September 2021 - 18:38 Uhr

Lebensstil in der Schwangerschaft beeinflusst Allergierisiko des Ungeborenen

Von Ernährungsexpertin Nora Rieder

Wer schwanger ist, möchte alles richtig machen: Viele Frauen verzichten in dieser Zeit auf Alkohol und Zigaretten und ernähren sich auch gesünder und bewusster als zuvor. Daneben meiden viele werdende Mütter auch bestimmte Lebensmittel, die als Auslöser von Allergien bekannt sind – und bewirken damit genau das Gegenteil.

So bestimmen Sie das Allergie-Risiko Ihres (ungeborenen) Babys

Im Durchschnitt kommt jedes dritte Baby in Deutschland mit einem erhöhten Allergierisiko zur Welt. Doch nur elf Prozent der jungen Eltern wissen einer Befragung zufolge, dass ihr Kind allergiegefährdet ist. Das heißt: Etwa zwei von drei betroffenen Familien sind nicht ausreichend über das Thema informiert und verpassen möglicherweise die Chance, rechtzeitig allergievorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Dabei kann ein Allergiecheck in nur zwei Minuten Klarheit schaffen.

Bei diesem wird abgefragt, ob (werdende) Mutter, Vater oder Geschwisterkind an Neurodermitis, Asthma, allergischem Schnupfen oder einer Nahrungsmittelallergie leiden. Damit lässt sich das Allergierisiko für das jüngste Familienmitglied einschätzen.

Grundsätzlich ist das Allergierisiko eines Neugeborenen auch abhängig von der genetischen Veranlagung:

  • Kein Elternteil allergisch: Allergierisiko von 5-15 Prozent
  • Ein Elternteil allergisch: Allergierisiko von 20-40 Prozent
  • Ein Geschwisterkind allergisch: Allergierisiko von 25-35 Prozent
  • Beide Elternteile allergisch: Allergierisiko von 40-60 Prozent
  • Beide Elternteile allergisch mit gleicher Allergie/Ausprägung: Allergierisiko von 60-80 Prozent

Lesetipp: Hohes Geburtsgewicht kann das Allergierisiko von Kindern erhöhen

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Potenzielle Allergene in der Schwangerschaft meiden? Das war gestern!

Fest steht: Die ersten 1.000 Lebenstage – vom Zeitpunkt der Empfängnis bis zum zweiten Lebensjahr – sind besonders prägend für die lebenslange Gesundheit des Kindes. In dieser Zeit haben werdende Mütter und Eltern somit die Chance, die Weichen für eine gesunde Entwicklung ihres Kindes zu stellen. Chance und Herausforderung zugleich.

Das gilt auch und erst recht, wenn Sie einer möglichen Allergie bei Ihrem Baby vorbeugen möchten. Schon in der Schwangerschaft, aber auch nach der Geburt, können Sie das Allergierisiko des Babys durch eine entsprechende Ernährung senken und seine Abwehrkräfte stärken.

Bis vor einigen Jahren lautete die Empfehlung, während der Schwangerschaft und innerhalb der ersten Lebensmonate des Babys darauf zu achten, dass die Nahrung keine potenziellen Allergene wie Ei, Fisch oder Kuhmilch beinhaltet. Dieser Rat wurde mittlerweile durch zahlreiche Studien widerlegt. Demnach ist es weder notwendig noch empfehlenswert, allergene Lebensmittel generell zu meiden. Ganz im Gegenteil: Wird der Körper des Ungeborenen früh mit potentiellen Allergieauslösern konfrontiert, lernt er diese als "normal" kennen.

Lesetipp: Allergie-Behandlung: Das sind die Top-10-Maßnahmen

In Schwangerschaft und Stillzeit auf regelmäßige Zufuhr an Omega-3-Fettsäuren und Probiotika achten

Wer schwanger ist, sollte nicht nur zur Allergieprävention auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren achten. Gute Lieferanten sind fettreiche Fischsorten, wie beispielsweise Lachs, Hering oder Makrele. Wer keinen Fisch mag, kann auf Fischöl- oder Algenölkapseln zurückgreifen.

Lesetipp: Fisch liefert wertvolle Omega-3-Fettsäuren: Das können Sie tun, wenn Sie keinen Fisch mögen

Bei einer täglichen Einnahme - vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte und während der Stillzeit - können mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren vor Nahrungsmittel­allergien und Neurodermitis schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Metaanalyse, die 2018 im im Fachjournal "PLoS Medicine" veröffentlicht wurde. Dafür wurden 400 Studien ausgewertet und zusammengefasst.

Dabei zeigte sich außerdem, dass auch Probiotika eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Allergien spielen. Ein positiver Effekt konnte vor allem bei Kindern nachgewiesen werden, die unter einem höheren Allergierisiko leiden. Die guten Bakterien, die Probiotika enthalten, tragen sowohl bei Mutter wie auch beim Säugling zur einer gesunden Darmflora bei. Und diese wiederum ist wichtig für ein gesundes Immunsystem und schützt vor Allergien. Gute Probiotika-Lieferanten sind Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir oder Dickmilch, auch Ayran oder Lassi.

Diese Tipps sollten Schwangere beherzigen

  • Ernähren Sie sich ausgewogen und ballaststoffreich. Greifen Sie dafür täglich zu Vollkornprodukten, frischem Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten!
  • Trinken Sie reichlich – mindestens 2 Liter am Tag. Optimal sind kalorienfreie Getränke wie Wasser, Kräuter- oder Früchtetee und Saftschorlen im Verhältnis 3:1 (Wasser:Saft).
  • Vermeiden Sie Unter- wie Übergewicht. Optimal ist eine Gewichtszunahme zwischen 10 und 15 Kilogramm in der Schwangerschaft.
  • Verzichten Sie auf Rohmilchprodukte, rohes Ei, Fleisch und rohen Fisch (wie Sushi).
  • Bevorzugen Sie fettarme Milch und Milchprodukte.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Vitamin D-Versorgung. Im Sommer bildet unser Körper durch Sonnenbestrahlung in der Haut ausreichend Vitamin D, im Winter sollte es in Form von Nahrungsergänzungsmitteln supplementiert werden.
  • Supplementieren Sie außerdem Jod und Folsäure, Veganerinnen zusätzlich Vitamin B12.
  • Frauen mit Kinderwunsch, die nicht verhüten, sollten zudem täglich Folsäure einnehmen.

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Muttermilch beugt Allergien vor

Nach der Geburt ist Muttermilch das Beste für Ihr Kind. Sie ist von Natur aus allergenarm und genau auf die Bedürfnisse das Babys abgestimmt. Darüber hinaus enthält Muttermilch Milchsäurebakterien, die den Aufbau einer gesunden Darmflora des Neugeborenen unterstützen. Zudem stärkt sie dessen Immunabwehr, sodass gestillte Babys deutlich seltener krank werden als Babys, die Flaschennahrung erhalten.

Lesetipp: Nicht jede abgepumpte Milch ist für jede Tageszeit geeignet

Wer nicht stillen kann oder möchte, sollte auf hypoallergene Flaschennahrung, die auch als HA-Nahrung bezeichnet wird, zurückgreifen. Sie enthält hydrolysiertes, also gespaltenes Eiweiß. Dadurch ist es weniger allergen und das Risiko für die Entwicklung einer Allergie sinkt.

Früher lautete die Empfehlung, dass Kinder bis zum ersten Lebensjahr keinerlei potenzielle Allergene mit der Nahrung aufnehmen sollen. Mittlerweile gilt auch hier: Mit Einführung der Beikost sollten Babys auch an Allergene herangeführt werden, zu denen zum Beispiel Fisch zählt. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt zudem, dass Kinder ab einem Alter von fünf bis sieben Monaten bereits glutenhaltiges Getreide verzehren sollten.

Mit diesen Maßnahmen können Sie Allergien vorbeugen

Neben der genetischen Vorbelastung und der Ernährung spielen auch noch andere Faktoren für die Entwicklung einer Allergie eine Rolle. Darauf sollten Sie achten:

  • Verzichten Sie auf das Halten einer Katze, wenn ein familiäres Allergierisiko besteht. Katzenhaare lösen häufig Allergien aus.
  • Achten Sie auf eine rauchfreie Umgebung.
  • Beugen Sie der Schimmelpilzbildung durch häufiges Lüften vor.
  • Lassen Sie Ihr Kind gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommision impfen.
  • Beugen Sie Übergewicht durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung vor.
  • Gehen Sie mit Ihrem Baby jeden Tag draußen spazieren.

Wer diese Tipps beherzigt, kann das Allergierisiko seines Kindes entscheidend reduzieren.