Studie zeigt: Nur 1 Prozent mehr im Homeoffice - 8 Prozent weniger Infektionen

Die Zahlen müssen runter: Der Schlüssel könnte eine höhere Homeoffice-Quote sein

12. Januar 2021 - 17:36 Uhr

Heil appelliert an Unternehmen: Homeoffice in allen möglichen Bereichen anbieten

Seit mehr als zwei Monaten befindet sich Deutschland wieder im Shutdown. Seit dieser Woche nochmal in einer verschärften Version mit weiteren Kontaktbeschränkungen. Die Bemühungen, das Infektionsgeschehen in Deutschland zu bändigen, sind ein Kraftakt. Aber was hilft wirklich? Anders als im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 arbeiten jetzt viel weniger Menschen im Home Office, obwohl das Arbeiten von zuhause aus das Heilmittel sein könnte, um die Corona-Infektionen unter Kontrolle zu kriegen und einen Weg aus dem Lockdown zu schaffen – das belegen sogar Ergebnisse einer aktuellen Studie.

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Studie: Ein Prozent mehr Arbeitnehmer im Homeoffice könnte die Infektionsrate um rund acht Prozent senken

Auf dem Weg zur Arbeit in Bus und Bahn, im Büro oder in der Kaffeeküche – die Möglichkeiten sich am und rund um den Arbeitsplatz anzustecken, sind groß. Besonders effektiv soll dagegen das Arbeiten im Homeoffice sein. Rund ein Prozent mehr Arbeitnehmer, die von zuhause aus arbeiten, könnten das Infektionsgeschehen um bis zu acht Prozent reduzieren – das zeigen Zahlen einer Studie der Uni Mannheim aus dem vergangenen Monat. Der Studienautor Harald Fadinger, VWL-Professor an der Universität Mannheim, spricht im Interview mit ZDFheute sogar davon, dass Deutschland nur die Hälfte der Corona-Infektionen haben könnte, wenn die Homeoffice-Quote so hoch wie im Frühjahr 2020 läge.

Doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Busse und Bahnen sind überfüllt und trotz der Empfehlungen der Politik an die Wirtschaft, die Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken, arbeiten weniger Menschen als noch im ersten Lockdown von zuhause aus. Während im April 2020 knapp 30 Prozent der Beschäftigen "überwiegend" oder "ausschließlich" im Homeoffice arbeiteten, sind es laut einer aktuellen Studie jetzt nur noch knapp die Hälfte.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf in den Branchen, in denen die Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten können.

Das sollten Arbeitnehmer im Home Office wissen.

Heil appelliert an Unternehmen: "Lasst, wo immer es geht, die Leute von zu Hause arbeiten"

In den letzten Wochen wurde immer wieder debattiert, ob die Wirtschaft genug tut, um Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen. Jetzt haben CSU-Chef Markus Söder und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) den Druck auf die Arbeitgeber erhöht und kündigten Gespräche mit Unternehmen an. Ziel ist: Möglichst alle Optionen, die das Arbeiten von zuhause aus ermöglichen, auszuschöpfen, um dadurch die Infektionszahlen zu reduzieren.

Eine Homeoffice-Pflicht, wie es die Grünen gefordert hatten, werde es allerdings nicht geben. Grünen-Chefin Annalena Baerbock hatte gefordert, dass noch vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen gehandelt werden müsse. Es sei der Bevölkerung nur schwer erklärbar, dass Menschen weiterhin im Großraumbüro arbeiteten, während die Kinder nicht in die Schule dürften, so die Parteichefin der Grünen. Deshalb müsse der Arbeitsminister Heil vom Arbeitsschutzgesetz Gebrauch machen, um wo immer auch möglich, Homeoffice anzuordnen.

"Eine Verordnung braucht immer eine Rechtsgrundlage", sagte Heil im RTL/ntv "Frühstart". Sein Gesetzesvorschlag, wie man den Beschäftigten rechtlich den Rücken stärken könne, werde in der Bundesregierung ja noch abgestimmt. Der Handlungsbedarf sei jetzt allerdings groß, betonte Heil. Sein Appell ist klar: "Lasst, wo immer es geht, die Leute von zu Hause arbeiten."

Die wichtigsten Regelungen zum Homeoffice finden Sie hier.

Russwurm: Das "Schweißen aus dem Homeoffice" habe noch niemand erfunden

Die Industrie wehrt sich allerdings gegen schärfere Homeoffice-Vorgaben. Der neue Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, macht deutlich, dass der Einsatz von Homeoffice von den Betriebsparteien vor Ort entschieden werden müsse. Die Industrie appelliere an alle Unternehmen, das Thema Homeoffice soweit wie möglich zu nutzen, sagte Russwurm. "Und ganz viele tun das auch." Es gebe außerdem keinen Nachweis dafür, dass besonders viele Ansteckungsherde in den Betrieben seien, sagte Russwurm im RTL-Interview.