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Neue Studie zeigt

So hoch ist das Corona-Infektionsrisiko in Schule, Friseursalon und Supermarkt

Bei einem Experiment wird der Atemausstoß mit Nebel sichtbar gemacht.
Bei einem Experiment wird der Atemausstoß mit Nebel sichtbar gemacht.
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc wst

11. Februar 2021 - 11:17 Uhr

Diskussion um Öffnungen

Der Lockdown wird wieder verlängert. Wieder dürfen Geschäfte, bis auf Supermärkte und Co, nicht öffnen. Fitnessstudios und Kinos, all die Orte, die uns ein bisschen Normalität zurück geben könnten, bleiben geschlossen. Wie und in welcher Form Kindergärten und Schulen wieder aufmachen, entscheiden die Bundesländer in den nächsten Tagen selbst. Zu hoch sei das Risiko, dass die Zahl der Corona-Infizierten wieder steigt. Aber ist die Öffnung solcher Institutionen wirklich so risikoreich wie die Bundesregierung befürchtet? Eine neue Studie der Technischen Universität (TU) Berlin könnte darauf Antworten geben.

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Übertragung in geschlossenen Räumen untersucht

Bei der Verbreitung des Coronavirus spielen die sogenannten Aerosole eine entscheidende Rolle. Das sind mikroskopisch kleine Teilchen, die vor allem beim Niesen und Husten, aber auch beim Atmen, Sprechen und Singen von mit Covid 19-infizierten Personenen ausgestoßen werden. Wissenschaftler der TU Berlin haben nun untersucht, wie sich diese Aerosole in geschlossenen Räumen verteilen und welchem Ansteckungsrisiko nicht-infizierte Personen beispielsweise in Schulen, beim Friseur- oder Kinobesuch oder beim Einkauf im Supermarkt ausgesetzt sind.

Für die Untersuchung hat die TU Berlin mit dem Robert-Koch-Institut und der Charité Berlin ein Infektionsrisikomodell entwickelt und hier einen situationsbedingten Reproduktionswert, kurz R, abgeleitet. Bei R-1 wird also genau eine weitere Person mit dem Coronavirus angesteckt. Die Untersuchung beleuchtet die Ansteckung in verschiedenen geschlossenen Räumen. Hierbei wurde berücksichtigt, dass grundsätzlich die AHA-L-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen und regelmäßiges Lüften) eingehalten wurden. Für das Infektionsrisiko entscheidend sind die Aufenthaltsdauer im Raum, die Art der Aktivitäten wie beispielsweise Sport und Sprechen sowie die Verteilung des Luftstroms wurden beachtet, So kann der R-Wert entsprechend abgeleitet werden.

Überblick über die einzelnen Ergebnisse

Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema Die Corona-Lage im Herbst, Prof. Dr. Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts an der TU Berlin, 08.10.2020 *** Germany, Berlin, Federal Press Conference, The Corona Situation in Autumn,
Professor Dr. Martin Kriegel leitet das Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin
© imago images/Christian Thiel, Christian Thiel via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Wissenschaftler um den Lüftungsexperten Martin Kriegel fanden heraus, dass in einem Büro, in dem die Hälfte der sonst üblichen Mitarbeiter für die Dauer von acht Stunden arbeitet, durchschnittlich acht Personen angesteckt werden. Im einem Supermarkt, in dem Maskenpflicht herrscht, steckt sich hingegen bei einer durchschnittlichen Einkaufsdauer von einer Stunde nur eine weitere Person mit dem Coronavirus an. Noch geringer ist das Infektionsrisiko bei einem zweistündigen Friseurbesuch mit Maske, hier liegt der R-Wert bei 0,6. Auch bei einem Besuch im Kino mit 30-prozentiger-Belegung der Sitzplätz ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, ziemlich gering (R-Wert 1), ebenso in einem Restaurant, das die Hälfte der möglichen Plätze mit Gästen besetzt (R-wert 2,3). Anders sieht es in Fitnessstudios (50%-Belegung ohne das Tragen einer Maske) aus: hier beträgt der R-Wert 3,4, es können sich also mehr als drei weitere Personen anstecken.

Ein relativ hohes Ansteckungsrisiko sehen die Wissenschaftler in weiterführenden Schulen als gegeben: würde hier im Wechselunterricht unterricht und wären somit die Hälfte der Schüler einer Klasse anwesend, liegt der R-Wert bei 5,8, wenn keine Masken getragen würden. Mit Maske verringert sich das Infektionsrisiko allerdings um die Hälfte.

Das Fazit der Studie

Es zeigt sich, dass vor allem die Aufenthaltsdauer in den untersuchten geschlossenen Räumen von hoher Bedeutung ist. Je länger man sich in einem Raum aufhält, desto mehr Aerosole werden eingeatmet und somit erhöht sich das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Lüftungsexperte Martin Kriegel meint: "In Büros und Schule ist das Risiko einer Ansteckung sehr hoch." Hingegen scheint es möglich zu sein, andere Institutionen des Alltags zeitnah wieder zu öffnen, wenn man sich die Ergebnisse der Studie der TU Berlin anschaut.

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