Stress zwischen SPD und FDP geht in die nächste Runde

Kevin Kühnert bezeichnet FDP-Chef Lindner als "Luftikus" und "Spieler"

Kevin Kühnert ist nicht wirklich begeistert von der Idee einer möglichen SPD-Koalition mit der FDP.
Kevin Kühnert ist nicht wirklich begeistert von der Idee einer möglichen SPD-Koalition mit der FDP.
© deutsche presse agentur

23. September 2021 - 20:50 Uhr

Auf "Kubicki vs. Lauterbach", folgt "Kühnert vs. Lindner"

Nachdem sich zuletzt Wolfgang Kubicki und Karl Lauterbach einen Twitter-Schlagabtausch lieferten, legen jetzt Kevin Kühnert und Christian Lindner nach. Bei einem Wahlsieg der SPD wäre die Ampel-Koalition, also ein Bündnis aus SPD, FDP und den Grünen auf jeden Fall eine der prominenteren aktuell diskutierten Optionen. Für SPD-Vize Kevin Kühnert spricht gegen eine solche Koalition allerdings Einiges und das liegt vor allem an der FDP.

Im Interview mit der "Rheinischen Post" am Donnerstag zweifelt er an der Verlässlichkeit von FDP-Chef Christian Lindner: "Christian Lindner ist ein Luftikus" – also ein oberflächlicher und wenig zuverlässiger Mensch.

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Kühnert erntet Shitstorm im Netz

Für Kühnerts "Luftikus"-Aussage, mit der er Lindner abwertend als jemanden, der leichtsinnig, oberflächig und wenig zuverlässig ist, darstellt, erntet er im Netz nun ordentlich Kritik. Schließlich schließe Kühnerts eigener Werdegang – Abiturient, abgebrochener Student, Ex-Callcenter-Mitarbeiter – nicht unbedingt auf Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit, so einige Kommentare zu Kühnerts Zitat.

Im RTL-Interview reagiert Lindner auf die Aussage von Lindner gelassen: "Das mögen doch die Sozialdemokraten unter sich besprechen. Ich nehme das so einfach hin."

Generell scheint der Wahlkampf in seiner Endphase zunehmend persönlicher geworden zu sein. Vorallem zwischen der SPD und der FDP. Erst am Mittwoch war eine Aussage von FDP-Politiker Wolfgang Kubicki über seinen SPD-Kollegen Karl Lauterbach öffentlich geworden. In dem Interview fielen die Worte "Spacken" und "Dumpfbacke".

SPD-Mitglieder sollen mitentscheiden

Im Interview mit der Zeitung geht Kühnert mit seiner Kritik aber noch weiter: Der frühere Juso-Chef kritisiert, Lindner habe sich im Wahlkampf schon auf Armin Laschet als Kanzler festgelegt. Und hoffe damit auf ein FDP-besetztes Finanzministerium. "Lindner ist ein Spieler, der sogar Superreiche steuerlich entlasten will, gleichzeitig aber kein seriöses Finanzkonzept hat. Ich frage mich, mit welcher Partei er auf dieser windigen Grundlage zusammenarbeiten möchte", sagte Kühnert.

Mit der SPD, wenn es nach Kühnert geht, also voraussichtlich nicht. Aber schließlich könne nicht er allein das entscheiden: Er rechnet damit, dass vor der Bildung einer neuen Regierung auch die Mitglieder der SPD befragt werden – wie bereits bei der letzten Bundestagswahl. "Ich gehe davon aus, dass das auch so bleibt. Wir sind nämlich eine Mitmachpartei."

Bei dem Mitgliedervotum 2017 zur Entscheidung einer großen Koalition, verlor das Lager um den führenden GroKo-Kritiker Kühnert damals klar. (dpa/khe)