Experte schätzt ein

Frau (37) stirbt wenige Tage nach AstraZeneca-Impfung - gibt es einen Zusammenhang?

Ein erneuter Todesfall nach der Corona-Impfung mit AstraZeneca.
Ein erneuter Todesfall nach der Corona-Impfung mit AstraZeneca.
© REUTERS, DADO RUVIC, /FW1F/jane merriman

19. März 2021 - 9:22 Uhr

Schwester der Verstorbenen erhebt Vorwürfe

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Am vergangenen Freitag verstarb im bayerischen Straubing-Bogen eine 37-jährige Frau, kurz nachdem sie ihre erste Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca bekommen hatte. Die Schwester der Frau, Simone Z. (Name geändert) berichtet im Gespräch mit dem Staubinger Tagblatt, wie schlecht es ihrer Schwester nach der Impfung gegangen sei, und dass sie glaubt, die Impfung sei schuld am Tod ihrer Schwester. Doch gibt es wirklich einen Zusammenhang?

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Die Nebenwirkungen traten nach der ersten Impfung mit AstraZeneca auf

Kurz nach der Impfung soll ihre Schwester Fieber, Schüttelfrost und starke Kopfschmerzen bekommen haben. Laut Simone Z. soll sie deswegen beim Arzt gewesen sein, weil sie es "nicht mehr ausgehalten" habe. Dieser Arzt, ein Bereitschaftsarzt, habe ihr ein Schmerzmittel gegeben. Wenig später wurde ihre Schwester ohnmächtig. Mit Verdacht auf Hirnblutung kam sie ins St. Elisabeth Krankenhaus im bayrischen Straubing.

Jedoch zu spät: Am vergangen Freitag verstarb ihre Schwester hier. Laut Straubinger Tagblatt macht Simone Z. dem Krankenhaus dafür aber keine Vorwürfe. Wie sie der Zeitung gebenüber sagt, glaubt sie, dass hier alles für ihre Schwester getan wurde. Die Blutung im Kopf sei "zu massiv" gewesen.

Die Todesursache ist völlig unklar

Laut Simone Z. hatte ihre Schwester das Ullrich-Turner-Syndrom (UTS). Meist sind Menschen mit dieser genetisch bedingten Krankheit kleiner und sehen sehr jung aus. Die Arbeitsstätte der Schwester - ein Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung - habe der 37-Jährigen die Impfung ans Herz gelegt, berichtet ihre Schwester. Die Laboruntersuchungen seien vorher aber alle unauffällig gewesen. Von Vorerkrankungen ihrer Schwester habe niemand gewusst. Auch eine Gerinnungsstörung sei nicht bekannt gewesen.

Ob diese Vorerkrankung schuld am Tod von Simones Schwester ist, ist fraglich, kann aber auch nicht komplett ausgeschlossen werden, erklärt der Allgemeinmediziner Dr. Marc Bielenberg gegenüber RTL: "Menschen, die am Ullrich-Turner-Syndrom leiden, sind von Haus aus keine gesunden Menschen. Überwiegend wirkt sich UTS auf die Geschlechtshormone eines Menschen aus. Es ist eine Chromosomveränderung. Allerdings leiden Betroffene auch häufig unter einer Stenose der Aortenabweichung. Das bedeutet, dass die Gefäße betroffen sind und es zu Blutungen kommen kann."

Weiter erklärt er: AstraZeneca steht im Verdacht, Thrombosen auszulösen. Eine Blutung ist das genaue Gegenteil davon. Trotzdem möchte ich einen Zusammenhang der Impfung mit dem Tod der 37-Jährigen nicht komplett ausschließen."

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Das Straubinger Gesundheitsamt hat den Fall an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet

Auf RTL-Nachfrage bestätigt ein Sprecher des Landratsamt Straubing-Bogen, dass es zu einem "möglichen Zwischenfall mit einer Impfung" gekommen sei. Das Krankenhaus habe den Fall am Dienstag dem Gesundheitsamt gemeldet, das die Info an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) weitergeleitet habe. Dies sei ein ganz normaler Vorgang, denn: Schon alleine der Verdacht auf Impfkomplikationen ist meldepflichtig,

Allerdings gibt es von Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts noch keine Bestätigung, dass der Fall bei ihnen eingegangen ist - wegen des aktuell stark erhöhten Anfrageaufkommens könne man zu konkreten Fällen keine Aussage machen, heißt es hier.

Thrombosen nach AstraZeneca-Impfung

Die sieben Fälle von Thrombosen, in deren Folge Impfungen mit AstraZeneca Anfang der Woche gestoppt wurden, betrafen laut einer früheren Mitteilung des PEI Menschen zwischen etwa 20 und 50 Jahren. Mittlerweile ist ein achter Fall bekannt, Details gibt es noch nicht. Sechs davon hätten eine Sinusvenenthrombose gehabt, das bedeutet, die großen Venen im Gehirn sind durch ein Blutgerinnsel verstopft. Zentrales Symptom: Kopfschmerzen.

Alle sechs Fälle seien Frauen in jüngerem bis mittlerem Alter gewesen.Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen bei einem Mann sei medizinisch sehr vergleichbar gewesen. "Alle Fälle traten zwischen vier und 16 Tagen nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff AstraZeneca auf", hieß es vom PEI. Drei der sieben Betroffenen seien verstorben.

Ob es sich bei der 37-Jährigen aus dem Kreis Straubing-Bogen um einen vierten Fall handeln könnte, muss aber jetzt erst das PEI klären. Auch, wie die genetische Erkrankung der 37-Jährigen mit den Reaktionen auf die Impfung zusammenhängt. Es sei "ein wichtiger erster Schritt", sagt Simone Z. Sie ist froh, dass das Thema "nicht unter den Teppich gekehrt wird".

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