Harry und Meghans Söhnchen Archie hat leichten Silberblick

Mein Baby schielt - ist das gefährlich?

08. Mai 2020 - 16:57 Uhr

Alles, was Eltern über Schielen bei Babys wissen sollten

Ein zuckersüßes Video, das Prinz Harry und Herzogin Meghan da jetzt zum ersten Geburtstag ihres Söhnchens Archie veröffentlichten. Gut gelaunt schaut sich der Kleine mit seiner Mama ein Bilderbuch an – doch als er in die Kamera guckt, wird deutlich: Er hat einen leichten Silberblick! Ist Schielen in diesem Alter normal oder sollten Eltern sich Sorgen um die Sehkraft ihres Babys machen?

​Frauke Decrouppé ist Orthoptistin. Sie erklärt, worauf Eltern achten sollten und wie die Behandlung erfolgt.

Warum schielen gerade ganz kleine Babys so oft?

"Fast jedes Neugeborene schielt gelegentlich", erklärt Orthoptistin Frauke Decrouppé. Bis zum sechsten Monat ist das völlig normal und unbedenklich. Denn Neugeborene haben noch keine große Fixationskraft, das heißt, sie können nicht richtig fixieren, erklärt die Expertin. Das liegt daran, dass die Augen noch im Training sind und sich beim Sehen stark anstrengen müssen. Häufig beginnen Neugeborene zu schielen, wenn sie müde oder eben erst aufgewacht sind. Nach etwa 6 Monaten sollte der Sehsinn jedoch so weit ausgeprägt und geübt sein, dass das Baby nicht mehr zum Schielen neigt.

Ob ein Kind schielt, ist für Laien nicht immer direkt erkennbar – deshalb sollten sich Eltern bei Unsicherheiten am besten möglichst schnell an ihren Kinderarzt wenden, so Frauke Decrouppé. Denn: "Je jünger Kinder sind, desto besser schlägt eine Therapie an", so die Expertin. Übrigens: Bereits ab der ersten Vorsorgeuntersuchung werden Babys auf Auffälligkeiten im Bereich der Augen untersucht.

Warum ist eine Behandlung des Schielens so wichtig?

Damit wir uns im Raum um uns orientieren können, schauen wir mit beiden Augen in dieselbe Richtung. Dabei sehen wir mit beiden Augen ein minimal unterschiedliches Bild. Die beiden Bilder werden im Gehirn zusammengeführt - so entsteht ein dreidimensionales Bild.  Wenn jemand schielt, dann schaut ein Auge oder beide Augen nicht in die gleiche Richtung. Durch die Schielstellung der Augen wird der Unterschied zwischen den zwei Bildern so groß, dass das Gehirn diesen nicht verarbeiten kann. Der Betroffene nimmt beide Bilder wahr und es entstehen Doppelbilder. 

Die Folgen sind gravierend: "Der Seheindruck des schielenden Auges wird unterdrückt", erklärt die Expertin. "Dadurch entwicklen die Kinder kein dreidimensionales Sehen. Außerdem verlernt das schielende, unterdrückte Auge so immer mehr das Sehen, es wird schwachsichtig – es kommt zu einer sogenannten Amblyopie".

Wie kann das Schielen behandelt werden?

Rechtzeitig entdeckt, lassen sich die Sehprobleme gut behandeln. Das gesunde Auge wird mit einem Schielpflaster abgeklebt. Das schielende Auge wird so trainiert. Dadurch stellt sich das Gehirn um und lernt, auch wieder mit dem Schielauge zu sehen. Wie gut und schnell die Therapie anschlägt, hängt sehr von der Mitarbeit der Kinder ab, so Frauke Decrouppé. Ergänzt wird diese so genannte Okklusionsbehandlung durch die Verschreibung einer Brille. "Denn meist ist mit dem Schielen auch ein Sehfehler verbunden - in der Regel eine Weitsichtigkeit", erklärt die Expertin. 
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Therapie Erfolg zeigt, sinkt mit dem Alter des Kindes. Denn die Sehentwicklung von Kindern ­ist mit Ende des 8. Lebensjahrs weitgehend abgeschlossen. Was die Augen bis dahin nicht ­erlernt haben, kann in den meisten ­Fällen nicht mehr nachgeholt werden.

Warnzeichen für ein Schielen bei Kleinkindern

Kinder mit auffälligem Schielen haben die besten Heilungschancen, wenn es von den Eltern sofort erkannt wird. Leider sind die nicht sichtbaren (latenten) oder nur leicht abweichenden Fehlstellungen viel häufiger. Orthoptistin Frauke Decrouppé erklärt, woran Eltern erkennen können, ob ihr Kind möglicherweise schielt.

  • wenn das Kind häufig stolpert oder irgendwo dagegenläuft
  • wenn ein Auge häufiger "wegrutscht"
  • wenn sich das Kind häufig die Augen reibt und die Augen tränen
  • wenn das Kind häufig Kopfscherzen hat
  • wenn das Kind nah mit dem Gesicht an den Fernseher geht