Schlechte Kamera ist in Wahrheit ein Retinoblastom

Seltsames Schimmern verrät Augenkrebs: Fotos retten Ryder (heute 5) das Leben

Als Ryder etwa drei Monate alt ist, bemerkt Mutter Andrea auf ihren Fotos ein seltsames weißes Leuchten in seinem Auge.
Als Ryder etwa drei Monate alt ist, bemerkt Mutter Andrea auf ihren Fotos ein seltsames weißes Leuchten in seinem Auge.
© JAMPRESS, Andrea Temarantz

09. September 2021 - 10:41 Uhr

Nur schlechte Qualität der Handykamera?

Je kleiner das Kind, desto mehr Fotos - Eltern im digitalen Zeitalter kennen das Phänomen. Doch auch wenn die Bilderflut manchmal etwas fragwürdig ist: Sie kann sogar Leben retten. So wie bei Andrea Temarantz' Sohn: Ein Schimmern in den Augen führte sie auf die schlechte Qualität ihrer Handykamera zurück. Doch es war Augen-Krebs. Jetzt warnt die Mutter andere Eltern: Geht zum Augenarzt!

Ein seltsames weißes Leuchten in den Augen

Als ihr Sohn als Baby immer aktiver wird, macht die 42-jährige Andrea Temarantz aus dem US-Bundesstaat Arizona immer mehr Fotos von ihrem verspielten Ryder. Als er etwa drei Monate alt ist, bemerkt sie auf ihren Fotos etwas Seltsames.

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"Ich habe ständig Fotos von Ryder gemacht", sagt Andrea der Agentur JamPress. "Da bemerkte ich ein weißes Leuchten, aber ich dachte mir nicht viel dabei. Ich dachte, es läge nur daran, dass mein Fotohandy nicht so gut war." Ihr Mann kauft eine gute Kamera und schenkt sie ihr zu Weihnachten. "Ich machte sofort Fotos, aber zu meiner Überraschung war das Schimmern noch schlimmer." Sie entschließt sich, den Hausarzt darauf anzusprechen.

"Ich habe ständig Fotos von Ryder gemacht", sagt Andrea der Agentur JamPress. "Da bemerkte ich ein weißes Leuchten, aber ich dachte mir nicht viel dabei."
"Ich habe ständig Fotos von Ryder gemacht", sagt Andrea der Agentur JamPress. "Da bemerkte ich ein weißes Leuchten, aber ich dachte mir nicht viel dabei."
© Jam Press (Jam Press (Photographer) - [None], JAMPRESS, Andrea Temarantz

Niederschmetternde Nachricht: Es ist Augenkrebs!

Im Januar 2016 wird Ryder dann zu zwei Spezialisten überwiesen. Die Ärzte überbringen Andrea die niederschmetternde Nachricht, dass es sich bei dem Glühen um einen Tumor zu handelt. Von ihren Gefühlen überwältigt ruft sie ihren Mann an, um ihm die schreckliche Nachricht zu überbringen. Ryder wird in das Phoenix Children's Hospital eingeliefert, wo ein Gehirnscan und eine weitere Untersuchung durchgeführt werden, die den Verdacht der Ärzte bestätigen: Er hat ein Retinoblastom, eine seltene Form von Augenkrebs, die bei kleinen Kindern auftritt.

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Ein Retinoblastom kann oft erfolgreich behandelt werden

Andrea erzählt: "Gemeinsam trafen wir uns mit der nächsten Ärztin, und sie sagte uns, dass es ein Retinoblastom sei. Ich war so verwirrt. Sie erklärte uns, dass es nur eine Art von Tumor gibt, den man in einem Auge sehen kann, und so wussten wir, dass es sich um diesen Tumor handelt." Die gute Nachricht: Wenn die Krankheit früh erkannt wird, kann das Retinoblastom oft erfolgreich behandelt werden.

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Und glücklicherweise hatte der Krebs nicht gestreut, aber da Ryder das Down-Syndrom hat, besteht die Chance, dass eine Chemotherapie das Risiko erhöht, dass er an Leukämie erkrankt. Doch Andrea gelingt es, einen Arzt in New York ausfindig zu machen, der sogenannte intraarterielle Chemotherapie durchführen kann. "Es handelt sich um eine Methode, bei der konzentrierte Dosen von krebszerstörenden Medikamenten direkt in den betroffenen Bereich des Auges verabreicht werden", erzählt die 42-Jährige

Ryder ist nun seit fünf Jahren krebsfrei, geht aber immer noch jährlich zur ärztlichen Untersuchung.
Ryder ist nun seit fünf Jahren krebsfrei, geht aber immer noch jährlich zur ärztlichen Untersuchung.
© Jam Press (Jam Press (Photographer) - [None], JAMPRESS, Andrea Temarantz

Seit fünf Jahren ist Ryder krebsfrei

Als Nebenwirkung schwillt Ryders Auge an und er verliert durch die Chemotherapie seine Wimpern, aber ansonsten ist das Verfahren erfolgreich. Er ist nun seit fünf Jahren krebsfrei, geht aber immer noch jährlich zur ärztlichen Untersuchung, um sicherzustellen, dass seine Augen klar sind. Andrea weiß jetzt: "Das Retinoblastom tritt sehr spontan auf, sodass viele Nachuntersuchungen erforderlich sind. Er hat aber gerade die Fünf-Jahres-Marke der Krebsfreiheit erreicht, sodass er von nun an nur noch einmal im Jahr unter die Lupe genommen werden muss, um sicherzustellen, dass seine Augen frei sind."

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Ein Retinoblastom ist tödlich, wenn es unbehandelt bleibt

"Das ist eine ganz seltene Erkrankung, Gott sei Dank selten, allerdings auch eine zu 100 % tödliche, wenn man nichts dagegen tut", erklärt Medizin-Experte Dr. Christoph Specht im Zusammenhang mit einem ähnlichen Fall einer Familie aus den USA. Wenn diese Art von Tumor auftritt, tritt er fast nur bei Babys und Kleinkindern bis fünf Jahren auf. "Das liegt daran, dass die Zellen, die da entarten, Entwicklungszellen der Netzhaut sind - und die gibt es eben nur in dieser Lebensanfangsphase, im späten Alter taucht es so gut wie nie auf", so Specht zu RTL.

Geht zum Augenarzt!

Andrea hat ihre Geschichte jetzt in den sozialen Medien geteilt, um andere Eltern zu warnen, auf alles Ungewöhnliche zu achten, wenn sie Fotos machen: "Lasst den Blitz eingeschaltet und wenn ihr ein weißes Leuchten seht, laßt es überprüfen. Alle Kinder sollten im Alter von sechs Monaten einen Augenarzt aufsuchen, denn das hilft, viele Augenprobleme zu vermeiden!" (ija)

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