Vererbbare Retinoblastome

Alle drei Kinder haben Krebs: Familie erfährt Welle der Hilfsbereitschaft

Tristen, Caison und Carter teilen das gleiche Schicksal. Bei allen dreien wurde ein Retinoblastum festgestellt.
© Privat, GoFundMe, Angie Rush

20. Februar 2020 - 10:24 Uhr

Augenkrebs führt unbehandelt zum Tod

Sohn Tristen bekam seine Diagnose im April 2014. Bei Caison wurde es im Oktober 2016 festgestellt. Und seit diesem Januar nun auch der jüngste Sproß, Carter. Alle drei haben Augen-Krebs. Aber die Eltern aus Alabama im US-Bundesstaat Georgia wussten, dass es auch beim jüngsten Kind der Fall sein könnte. Denn Mutter Angie hat ebenfalls ein Retinoblastom - in beiden Augen. Unbehandelt führt dieser Krebs zum Tod.

Mutter Angie ist selbst Opfer der Erkrankung

Tristen, Caison und Carter teilen das gleiche Schicksal. Bei allen dreien wurde ein Retinoblastum festgestellt. Bei einem Retinoblastom handelt es sich eine Krebserkrankung des Auges in Form eines bösartigen Tumors auf der Netzhaut, also am Augenhintergrund.

Die Eltern wussten, dass bei allen Kindern eine sehr große Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie diese seltene Krebs-Form bekommen. Denn Mutter Angie ist selbst Opfer der Erkrankung. "Die Ärzte haben mir immer wieder gesagt, dass ich aufgrund der genetischen Retinoblastom-Mutation, eine 50/50-Chance besteht, dass es vererbt wird", erzählt sie dem TV-Sender ABC. Womit sie niemals gerechnet hätte: Dass alle ihre Kinder mit der Krankheit zu kämpfen haben. Doch Angie hofft, dass ihre Kinder die Krankheit meistern - so wie sie selber: "Ich habe es großartig gemeistert. Ich bin Lehrerin und hoffe, einen Unterschied zu machen", sagt sie dem TV-Sender HLN.

Angie Rush
Angie Rush hat auf beiden Augen ein Retinoblastom. Bereits ihre Eizellen tragen daher die genetische Mutation in sich.
© Privat, GoFundMe, Angie Rush

Sehr seltene Krebsform

"Das ist eine ganz seltene Erkrankung, Gott sei Dank selten, allerdings auch eine zu 100 Prozent tödliche, wenn man nichts dagegen tut", weiß der Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. In Deutschland wird so ein Tumor pro Jahr bei ungefähr 60 Menschen festgestellt. Wenn diese Art von Tumor auftritt, tritt er fast nur bei Babys und Kleinkindern bis 5 Jahren auf. "Das liegt daran, dass die Zellen, die da entarten, Entwicklungszellen der Netzhaut sind - und die gibt es eben nur in dieser Lebensanfangsphase, im späten Alter taucht es so gut wie nie auf", erklärt Specht.

Kinderärzte prüfen die Licht-Reflexe

"Obwohl bei Carter der Krebs erst im Alter von sechs Monaten diagnostiziert wurde, wurde er schon seit Geburt regelmäßig untersucht", sagt der behandelnde Arzt, Dr. Thomas Olson. "Die Kinderärzte prüfen die Licht-Reflexe im Auge. Wenn Eltern ungewöhnliche Reflexe dort beobachten, sollten sie einen Augenarzt konsultieren." Immer wieder wurden in der Vergangenheit Fälle bekannt, in denen Retinoblastome durch Smartphone-Schnappschüsse mit Blitzlicht zufälligerweise entdeckt wurden. 

Eltern mussten Haus verkaufen - Menschen aus aller Welt helfen

Tristen, Caison und Carter erhalten einmal im Monat eine Chemotherapie sowie Augenuntersuchungen und Laserbehandlungen. Trotz ihrer gesundheitlichen Probleme seien die Kids glückliche Kinder. "Sie kommen gut miteinander aus - sie haben viel Energie", sagt Mutter Angie. "Tristen ist so freundlich, er liebt es zu singen und er liebt die Wissenschaft. Wir hoffen, dass er eines Tages Arzt wird."

Wegen der teuren Arztrechnungen mussten die Eltern mittlerweile ihr Haus verkaufen. Jetzt leben sie bei Verwandten. Doch es gibt eine Welle der Hilfsbereitschaft. Menschen aus den gesamten USA haben seitdem bei einem Crowdfunding für die Familie gespendet, um ihnen wieder auf die Beine zu helfen. "Dass die Leute so sehr an uns denken, ist wunderbar", sagen Angie and Aaron. "Auch die finanzielle Unterstützung ist toll."