2019 M02 12 - 9:45 Uhr

Was ist eigentlich eine Risikoschwangerschaft?

Topmodel Heidi Klum ist 45 Jahre alt - und angeblich wieder schwanger. Zumindest wenn man nach Designer Wolfgang Joop geht, der sich gerade im exklusiven Interview mit RTL verplapperte. Aus medizinischer Sicht würde sie damit automatisch in die Kategorie "Risikoschwangerschaft" fallen - und wäre damit nicht alleine, denn immer mehr Frauen bekommen sogar ihr erstes Kind erst jenseits der 35. Aber was genau steckt hinter diesem Begriff?

Das Alter der Frau ist nur ein Faktor, der die Gesundheit von Mutter und Kind beeinflusst

Schwanger mit 35 oder 40 - für heutige Mütter ist das kein Problem mehr. Trotzdem klingt den Frauen das Wort "Risikoschwangerschaft" im Ohr. Das klingt jedoch gefährlicher, als es ist – das Alter der Frau ist einer von 25 anderen Faktoren, wenn es darum geht, eine Risikoschwangerschaft zu begleiten. Allergien, Bluthochdruck, familiäre Vorbelastungen oder Übergewicht sind ebenfalls Indikatoren, die den Frauenarzt bewegen, besonders gründlich hinzuschauen.

Wenn eine Frau über 35 jedoch noch keine Fehlgeburten hatte, wenn sie nicht unter Unfruchtbarkeit leidet und wenn sie physisch gesund ist, dann stehen die Chancen auf ein gesundes, normal entwickeltes Baby sehr gut.

Warum ist es eine Riskoschwangerschaft?

Je älter Frauen werden, umso mehr sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Auch unsere Eierstöcke kommen in die Jahre und sind mit 40 nicht mehr so funktionstüchtig wie mit 20. Zyklen ohne Eisprung sind keine Seltenheit und auch eine befruchtete Eizelle nistet sich nicht immer zuverlässig in der Gebärmutter ein. Je älter wir werden, desto weniger Eizellen sind vorhanden.

Schon als ungeborener Embryo besitzen wir zwei Millionen Eizellen. Mit Beginn der Fruchtbarkeit und dem Einsetzen der ersten Periode sind es nur noch 400.000. Mit jedem Jahr werden es weniger und eine Frau mit 35 hat nur noch knapp 35.000 Eizellen. Und auch diese sind genauso alt wie wir selbst. Chromosomstörungen, wie das Down-Syndrom treten häufiger auf und damit auch die Zahl der Fehlgeburten, noch bevor wir überhaupt merken, dass wir schwanger sind.

Laut Mutterpass sind 35-Jährige bereits "Risikoschwangere". Viele Ärzte definieren diesen Begriff als veraltet. Neueste Studien zeigen, dass bei einer guten Versorgung fast keine höhere Gefahr für Mütter und Kinder besteht. Das Gestoserisiko ist leicht erhöht und auch Schwangerschaftsdiabetes kommt bei Frauen ab 35 etwas häufiger vor, als bei jungen Frauen. Durch die engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen mit Ultraschall und Wehenschreiber lassen sich viele Risiken ausschließen.

Frauen ab 35 sollten bei den Vorsorgeuntersuchungen sehr gewissenhaft sein. Noch bevor irgendwelche Symptome auftreten, kann man um die 21. Woche herum feststellen, ob eine Gestose vorliegt. Auch leiden Schwangere über 35 oft an Myomen. Diese gutartigen Tumore können in der Schwangerschaft schnell wachsen.

Bei den meisten Erstgebärenden über 38 wird ein Kaiserschnitt vorgenommen

Wer sicher gehen will, dass sein Kind keinen Chromosomenschaden hat, sollte die Möglichkeit der vorgeburtlichen Diagnostik nutzen. Der Arzt muss Patientinnen ab 35 Jahren auf diese Möglichkeit hinweisen und aufklären. Man sollte sich Zeit nehmen und über die Möglichkeiten, Risiken und Konsequenzen von Ersttrimester-Screening, Amniozentese und Chorionzotten-Biopsie nachdenken.

Bei den meisten Erstgebärenden über 38 wird ein Kaiserschnitt vorgenommen. Dabei haben auch Frauen über 35 die gleichen kräftigen Wehen wie jüngere Frauen. Und auch andere Diagnosen, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen würden sind nicht vom Alter abhängig.