Einen Rundumschutz konnten Forscher bisher nicht nachweisen

Neue Studie zur Kreuzimmunität: Vor allem kleine Kinder besser vor Corona geschützt

Besonders bei Kindern sind die saisonalen Coronaviren reichlich unterwegs.
Besonders bei Kindern sind die saisonalen Coronaviren reichlich unterwegs.
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13. Januar 2022 - 14:54 Uhr

Seit Beginn der Corona-Pandemie stellt sich die Frage: Warum stecken sich auf der einen Seite manche Menschen symptomatisch mit dem Coronavirus an, erkranken teilweise schwer und warum bleiben andere hingegen völlig gesund, merken nicht einmal, dass sie mit Sars-CoV-2 in Kontakt gekommen sind? Die wissenschaftliche Antwort auf diese Frage lautet meist: Kreuzimmunität. Verschiedene Studien haben diese Fragestellung in den vergangenen Monaten immer wieder beleuchtet. Eine frische Studie bestätigt jetzt wieder: Kreuzreaktive T-Gedächtniszellen vorheriger Erkältungskrankheiten können vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 schützen, wie das Ärzteblatt berichtet.

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Testpersonen mit PCR-Positiven in einem Haushalt

Nicht alle Personen, die Kontakt zu Covid-19-Patienten hatten, entwickeln eine Infektion. Um dieses Phänomen besser zu verstehen, analysierten Forscher um Rhia Kundu vom Imperial College London in England jetzt bei 52 Personen den Immunstatus und die Immunreaktionen zum frühesten Zeitpunkt nach einem Kontakt zum Coronavirus. Alle waren ungeimpft und Sars-CoV-2-naiv, das heißt, bisher ohne Kontakt zum Virus. Außerdem lebten die Personen mit jemandem im Haushalt zusammen, der eine durch einen PCR-Test bestätigte Infektion hatten – dem Virus so ausgesetzt wurden. Die Studie wurde am 10. Januar in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift Nature veröffentlicht.

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Mit Sars-CoV-2 infizierte Patienten hatten in der Studie geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungscoronaviren im Blut.
Mit Sars-CoV-2 infizierte Patienten hatten in der Studie geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungscoronaviren im Blut. (Foto: Symboldbild)
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Hälfte der Teilnehmer infizierte sich nicht

Direkt am Anfang sowie an Tag vier und sieben führten die Probanden PCR-Tests durch, um eine Infektion festzustellen. Blutproben wurden unter anderem auf sogenannte kreuzreaktive T-Gedächtniszellen untersucht, die durch bewusst herbeigeführte Erkältungsinfektionen mit anderen Coronavirusstämmen stammen. Ergebnis: Die Hälfte der Teilnehmer infizierte sich nicht mit dem Virus. In der Gruppe wurden bedeutend höhere Mengen an kreuzreaktiven T-Gedächtniszellen festgestellt als im Vergleich zur anderen Hälfte, die sich mit Sars-CoV-2 infizierte.

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Diese spezifischen T-Zellen hatten zuvor auf Antigene reagiert, die auf interne Proteine innerhalb eines Coronavirus abzielten und nicht auf das Spike-Protein auf der Oberfläche des Virus, um so vor einer Infektion zu schützen. Das Vorhandensein spezifischer T-Gedächtniszellen zum Zeitpunkt der Virus-Aussetzung beeinflusst also, ob sich jemand infiziert, so die Studienautoren. Allerdings schränken sie ein: Die Studiengruppe war relativ klein und bestand zum größtenteils aus Europäern.

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Kleine Kinder und deren Eltern besser geschützt

Zuletzt im November 2021 hatte ein Forscherteam um Alexandra Trkola von der Universität Zürich die seit geraumer Zeit in der Wissenschaft diskutierte Schutzwirkung von kreuzreaktiven Antikörpern in einer Studie belegt. Durch ein speziell für diese Studie entwickeltes Testverfahren haben die Forscher die Menge an unterschiedlichen Antikörpern gegen die vier anderen saisonalen Coronaviren OC43, HKU1, NL63 und 229E im Blutserum von 825 Blutspendern aus der Zeit vor dem Auftreten von Sars-CoV-2 untersucht. Später wurden 389 Proben von Spendern analysiert, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert hatten.

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Resultat der Studie war, dass infizierte Patienten geringere Mengen an Antikörpern gegen die Erkältungscoronaviren im Blut hatten. Trkola und ihr Team schlossen daraus, dass eine vorangegangene Infektion mit einem der vier harmloseren Coronaviren vorübergehend vor einer Infektion schützen könnte. In erster Linie würden Kinder davon profitieren – unter ihnen kursieren die Erkältungserreger reichlich. Fachleute mutmaßen deswegen auch, dass Personen, die viel Kontakt zu kleinen Kindern haben, ein geringeres Risiko hätten, schwer zu erkranken.

Rundumschutz nicht nachgewiesen

Im Oktober letzten Jahres zeigten US-Forscher im Journal of Clinical Investigation bereits, dass vorige Infektionen mit den saisonalen Coronaviren den Verlauf von Covid-19 abmildern können. Einen Rundumschutz konnten sie aber dabei nicht nachweisen. Im November 2020 fanden auch britische Forscher heraus, dass Kinder nach Erkältungen kreuzreaktive Antikörper im Blut haben, die das Eindringen des Virus in die Zellen verhindern könnten. Umgekehrt wurden bei Kindern, die eine Infektion mit Sars-CoV-2 überstanden hatten, Antikörper nachgewiesen, die auch relevante Epitope auf den harmlosen Coronaviren erkennen. Epitope sind kleinere Molekülabschnitt der Antigen-Oberfläche.

Corona-Kreuzimmunität existiert wohl, aber ...

Wer nun allerdings glaubt, das Immunsystem komme also eh automatisch gut mit dem Sars-CoV-2-Erreger zurecht, täuscht sich. Andere Forschungen zeigten nämlich, dass vor allem das saisonale Coronavirus OC43 für eine hohe Kreuzimmunität sorgte. Zudem betonte die Studie aus Zürich, dass die Antikörperwerte nach einer Infektion mit saisonalen Coronaviren schnell wieder sinkt. Dazu kommt, dass saisonale Atemwegsinfekte nur zu einem kleinen Teil von Coronaviren verursacht wird. Die Wissenschaftler vom Imperial College London leiten deswegen aus ihrer Studie vor allem ab, dass die internen Proteine von Sars-CoV-2-Viren als universelle Ziele für zukünftige Impfstoffe am besten geeignet sind. (ija)

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