Robert Habeck äußert sich zu Kanzler-Nominierung der Grünen

„Der schmerzhafteste Tag in meiner politischen Laufbahn“

Es sei ein „bittersüßer Tag“ gewesen, als er mit der Nominierung von Annalena Baerbock seine Ambitionen auf das Kanzleramt vorerst begraben musste., so Habeck.
Es sei ein „bittersüßer Tag“ gewesen, als er mit der Nominierung von Annalena Baerbock seine Ambitionen auf das Kanzleramt vorerst begraben musste., so Habeck.
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22. April 2021 - 10:57 Uhr

Das Ende von Habecks Ambitionen

Als vor wenigen Tagen die Grünen mit Annalena Baerbock ihre Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl im Herbst bekanntgaben, war das für Robert Habeck das vorläufige Ende aller Ambitionen, einmal eine Bundesregierung anzuführen. Dabei hatte er seinen Ministerposten und das Amt als stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein extra dafür aufgegeben. Wie sehr ihn diese Entscheidung getroffen hat, wird in einem Interview deutlich, dass er der "ZEIT" gegeben hat.

"Ein bittersüßer Tag"

"Es kann nur eine geben." Das sagte Robert Habeck kurz bevor er gemeinsam mit seiner Co-Vorsitzenden der Grünen ihre Kandidatur als Bundeskanzlerin bekanntgab. Doch so einträchtig sich die Grünen auch präsentierten, für Habeck war die Entscheidung persönlich ein schwerer Schlag. Im Interview mit der "ZEIT" spricht Habeck sogar vom "schmerzhaftesten Tag in seiner politischen Laufbahn".

Es sei ein "bittersüßer Tag" gewesen, als er mit der Nominierung von Annalena Baerbock seine Ambitionen auf das Kanzleramt vorerst begraben musste. "Nichts wollte ich mehr, als dieser Republik als Kanzler zu dienen. Und das werde ich nach diesem Wahlkampf nicht."

Habeck als Teamplayer

Dennoch präsentiert sich Habeck auch in dieser Situation noch als echter Teamplayer. Er wollte trotz seiner persönlichen Niederlage die Entscheidung für Baerbock nach außen vertreten und daraus einen politischen Sieg machen. Ziel sei es den ersten grünen Kanzler zu stellen "und das ist größer als das, was man sich persönlich zutraut oder will."

Damit verkörpert Habeck die vielleicht größte Stärke der Grünen 2021, nämlich auch in persönlichen Niederlagen zusammenzuhalten und nicht das eigene Ego in den Vordergrund zu stellen. Denn im Gegensatz zur Union erfreuen sich die Grünen einer konstant hohen Beliebtheit, die mit der Nominierung von Annalena Baerbock noch zugenommen hat.

Für Robert Habeck stand trotz seiner Niederlage ein Rücktritt nie zur Debatte. "Die Wirklichkeit zu gestalten ist für mich der Sinn von Politik. Das bedeutet für mich Verantwortung", so Habeck im "ZEIT"-Interview.

Habeck will Minister werden

Und dass Habeck mit Verantwortung nicht bloß eine leere Floskel meint, macht der Grünen-Politiker ebenfalls in seinem Interview deutlich. "Wenn wir es gut machen, werde ich Teil der Bundesregierung sein", so Habeck gegenüber der "ZEIT". Damit erhebt er klare Ansprüche auf ein Ministeramt, sollten die Grünen Teil der nächsten Bundesregierung sein. Ein Anspruch, der nicht nur aufgrund seiner Regierungserfahrung als Minister in Schleswig-Holstein mehr als gerechtfertigt scheint.

Denn Habeck und Baerbock ergänzen sich nahezu perfekt und gleichen die Schwächen des jeweils anderen aus. Während Baerbock über mehr außenpolitische Erfahrungen verfügt, weiß Habeck, wie man beispielsweise eine Jamaika-Koalition auf die Beine stellt. Er ist unverzichtbarer Partner, sollte es für die Grünen tatsächlich zu Koalitionsgesprächen kommen. Denkbar also, dass Habeck nicht nur in dem ihm bereits bekannten Metier, dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, Minister wird, sondern, dass ihm eine Kanzlerin Baerbock auch andere Bereiche zutraut.

Die Grünen und der "Kennedy-Effekt"

Warum es trotz seiner Regierungserfahrung nicht zum Kanzlerkandidaten gereicht hat, erklärt Habeck in erster Linie mit einer falschen Wahrnehmung der Deutschen. Er sei auf Oberflächlichkeiten reduziert worden und es sei ihm nicht gelungen das zu ändern. "Ich wurde auf einmal über Äußerlichkeiten beschrieben und nicht über meine Leistungsbilanz und Erfahrung. Das hat genervt und war irritierend", so Habeck im "ZEIT"-Interview. Damit übt Habeck harsche Kritik an seinen Groupies. "Bei Frauen würde man das sexistische Zuschreibungen nennen."

Tatsächlich könnten sowohl Habeck, wie auch Baerbock einen gewissen "Kennedy-Effekt" erleben. Mit 41 und 51 Jahren sind die beiden Grünenchef nicht nur deutlich jünger als die Polit-Konkurrenz, beide haben auch mehrere Kinder – Baerbock sogar im Kindergartenalter. Beide sind zudem in den Sozialen Netzwerken sehr aktiv und bringen einen gewissen Glamour-Faktor mit.

Mit Habeck und Baerbock würde also ein ganz neuer Stil in die Berliner Politik einziehen – ähnlich wie etwa 1961 beim ehemaligen US-Präsident John F. Kennedy. Auch er hatte das Amt von seinem damals 71-jährigen Vorgänger übernommen und durch sein jugendliches Aussehen und seine junge Familie viel Glanz ins Weiße Haus gebracht.

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