Frühstart spezial mit Prof. Janne Vehreschild

Corona-Risikofaktoren: BMI über 30? Doppelt so hohes Risiko für schweren Verlauf!

21. Mai 2020 - 8:30 Uhr

Das Coronavirus und die Vorerkrankungen

Übergewicht, Asthma, Rauchen - Was kann einen schweren Verlauf einer Covid-19 Infektion begünstigen? Prof. Janne Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gibt erste Antworten auf die Fragen, wer tatsächlich zur Risikogruppe gehört und was das für die Betroffenen bedeutet. Die Antworten - im Video!

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„Was man sagen kann, ist, dass Patienten mit einem BMI über 30 ein doppelt so hohes Risiko für einen komplizierten Verlauf haben"

Ende April hat der Rechtsmediziner Klaus Püschel betont, dass in Hamburg noch niemand ohne Vorerkrankungen verstorben ist. Aber ab wann gehört jemand zur Risikogruppe? Prof. Janne Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) teilt Im Gespräch mit RTL/ntv die neuesten Erkenntnisse.

"Da hat sich bestätigt, was wir schon in früheren Publikationen aus China vermutet haben: dass insbesondere ältere Patienten ein Risiko tragen, männliche Patienten ein Risiko tragen, solche mit starkem Übergewicht und eben mit chronischen Vorerkrankungen insbesondere der Lunge und des Herzens", erläutert er.

Ein größeres Risiko tragen bereits Infizierte ab einem Bodymaßindex von 30, also ein moderates Übergewicht. Sollte das allerdings der einzige Risikofaktor sein, so bleibt das Gesamtrisiko eines schweren Verlaufs von Covid 19 trotzdem relativ gering. "Wir haben keine Risikogruppen, die ein 100prozentiges Risiko eines schweren Verlaufes haben", betont der Infektiologe.

Aber was genau bedeutet ein höheres Risiko in der Realität? In Bezug auf Übergewicht, kann Prof. Vehreschild es genauer eingrenzen: "Was man sagen kann, ist, dass Patienten mit einem BMI über 30 ein doppelt so hohes Risiko für einen komplizierten Verlauf haben, wie Patienten, die schlank sind."

Risikofaktor Mann

Haben Raucher ein höheres Risiko eines schweren Verlaufs von Covid 19?
Haben Raucher ein höheres Risiko eines schweren Verlaufs von Covid 19?
© dpa, Sebastian Kahnert, skh;cse

Neben einem möglichen Übergewicht spielt auch das Geschlecht eine Rolle. "Wir sehen, dass ein großer Teil der Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf, insbesondere solche, die in Kliniken behandelt werden müssen, Männer sind", erläutert Prof. Janne Vehreschild. Männer haben laut dem Infektiologen ein doppelt so hohes Risiko auf einen schweren Verlauf wie Frauen.

Schaut man sich Vorerkrankungen von Infizierten an, so führen vor allem Lungenkrankheiten wie COPD zu einem erhöhten Risiko. "Auch bei Asthmatikern sieht man ein leicht erhöhtes Risiko, das ist aber weniger ausgeprägt, als man es vielleicht erwartet hätte."

Ein deutlich erhöhtes Risiko tragen Patienten, die Organtransplantation hinter sich haben oder an Blutkrebs erkrankt sind. Daran lässt sich erkennen, dass das Immunsystem eine Rolle spielt, erläutert Prof. Vehreschild.​

Aktive Raucher haben ähnliches Risiko wie Nichtraucher

"Erwartet hätte ich natürlich, dass Rauchen, dadurch, dass es auch den Sauerstoffaustausch der Lunge weiter behindert, zu einem schlechteren Ergebnis führt", erläutert Prof. Vehreschild im Gespräch mit RTL/ntv. Allerdings deuten die aktuellen Statistiken nicht darauf hin. "Dort ist es so, dass aktive Raucher ein ähnliches Risiko haben wie Nichtraucher, aber dass ehemalige Raucher ein erhöhtes Risiko tragen." Woran das liegt, wird noch erforscht.

Am Ende des Interviews macht er ein wenig Hoffnung und betont: "Kein Risiko addiert sich auf 100 Prozent. Auch ein schwer immunsupprimierter Patient wird meistens die Infektion überleben."


Frühstart Corona Spezial im Podcast

Das gesamte Interview mit Prof. Janne Vehreschild vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung gibt's im Podcast.